Philosophie als Grenzgang
Januar 17, 2008
Es liegt auf der Hand: Wenn Philosophie den Menschen ergründen will und der Mensch sich durch seine Begrenztheit auszeichnet ist Philosophieren immer ein Grenzgang, ein Gang an und manchmal auch über die Grenze des dem Menschen zu erfahren Möglichen. Denn erstens liegt es im Wesen des philosophischen Denkens, dieses bis an das Äußerste menschlicher Erkenntnisfähigkeit zu treiben. Es ist ja gerade die besondere, in Anlehnung an Wust auch häufig belächelte Eigenart des Philosophen, Fragen bis zum Nicht-Mehr-Fragbaren zu stellen und auf dem Weg zu Antworten bis zum Nicht-Mehr-Hintergehbaren zu gehen. Philosophie hat zweitens nicht den einen abgeschlossenen Erkenntnisgegenstand, jenseits dessen Grenzen der Kollege einer Nachbarwissenschaft zuständig wäre. Im Verhältnis zur Theologie wird so ein Nebeneinander zwar manchmal behauptet bzw. als Übereinander konstruiert (was jeweils oben steht ist eine Frage von Zeitgeist und persönlichem Geschmack), doch diese Vorstellung beschreibt wohl kaum philosophisches Denken in richtiger Weise. Denn der Philosoph wird sich – bei allem Respekt vor der Theologie und auch der Spiritualität von Religion – von zwei „Grenzüberschreitungen“ nicht abhalten lassen, zum einen: von Gott zu sprechen (oder allgemeiner: der Transzendenz) und zum anderen: theologische Gedanken philosophisch zu durchdringen, d. h. argumentationstheoretisch zu prüfen. Es bleibt dabei: Philosophie will „das Ganze“ ausleuchten, ohne voreilige Selbstbeschränkung, was diejenigen, die sich auf sie einlassen, zwangsläufig an die Grenzen des Ganzen treibt – und an die Grenzen des eigenen Verstandes.
(Josef Bordat)