Peter Wusts Menschenbild

Januar 21, 2008

Der Mensch steht zwischen tierischer Natur und geistigem Transzendenzbezug. Er grenzt sich dem hic und nunc-Wesen Tier ab und wendet sich, unsicher und erdverhaftet, der Transzendenz zu. Er erscheint einerseits als animalisch-naturgebunden, andererseits ist er mit einem über das Diesseits hinaus weisenden Intellekt ausgestattet. Diese Position des vergeistigten Tieres stellt den Menschen in eine prinzipielle Ungewissheit (insecuritas humana), sowohl hinsichtlich der Deutung seines irdischen Seins, als auch in Bezug auf die vagen Vorstellungen möglicher Optionen eines jenseitigen Daseins.

Wust entfaltet, um es noch einmal zu sagen, die Polarität des seminaturalistischen Menschenbilds der christlichen, aber auch der klassischen philosophischen Anthropologie, das Zwischenwesenhafte des Menschen, der nicht mehr Tier, aber auch noch nicht Engel ist, der nicht nur Körper, aber eben auch nicht nur Geist ist, in einer Weise, die klar macht, das weder Resignation angesichts unserer begrenzenden körperlichen Naturbedingtheiten, noch Überheblichkeit angesichts unserer begrenzten geistigen Einsichtsfähigkeit in und damit unserer ebenso begrenzten Erfahrungsmöglichkeit von Transzendenz angebracht ist. Er spricht in diesem Zusammenhang, paradox wie die Lage des Menschen, von „Geborgenheit in der Ungeborgenheit“. Um zu dieser „Geborgenheit in der Ungeborgenheit“ zu gelangen, müssen wir seine Unterscheidung von homo philosophicus und homo religiosus und die drei Ebenen der insecuritas humana nachvollziehen: die „Schicksalsebene“, die „philosophische Ebene“ und die „religiöse Ebene“.

(Josef Bordat)

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