Mystik (Exkurs III)

Januar 24, 2008

Auch in einem anderen Punkt treffen sich Wust und die Mystik: Erkenntnis kann nur im individuellen Vollzug aus jenem Nicht-Denken, jenem „Lassen“ des Denkens gewonnen werden. Der Erkenntnis geht die Entscheidung voraus. Hinsichtlich der philosophischen Gottesgewissheit bleibt es – analog zu Trotz und Hingabe auf der Fortuna-Ebene – bei der Entscheidung des Einzelnen zwischen humilitas und superbia, zwischen Liebe und Selbstsucht, ehrfurchtsvollem Schweigen und zersetzendem Gerede. Eine auf der Basis der Vernunft erdachte Gewissheit der Existenz Gottes könne und dürfe es nicht geben. Sie kann es nicht geben, weil dazu unsere Erkenntnisfähigkeit nicht ausreicht, sie darf es nicht geben, damit die Freiheit des Menschen nicht tangiert wird.

(Josef Bordat)

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