Meine Frau lernt zur Zeit portugiesisch, wir teilen uns eine BVG-Umweltkarte und die Hl. Messe der Katholischen Studierendengemeinde an der Freien Universität findet in der – für Berliner Verhältnisse – Nähe unserer Wohnung statt, so dass die Kirche (St. Bernhard in Dahlem) mit dem Fahrrad in 20 Minuten erreichbar ist.

Gestern Abend verbanden sich diese Umstände auf eine eigenartige Weise.

Weil der Portugiesisch-Kurs meiner Frau zeitgleich zur Hl. Messe stattfindet und sie für gewöhnlich direkt von ihrer Arbeit dorthin fährt, also unsere Umweltkarte braucht, hatte ich schon mein Fahrrad aus dem Keller geholt, um nicht auf das teure BVG -Einzelticket ausweichen zu müssen. Angesichts der doch sehr ungemütlichen Witterungsverhältnisse war ich gestern Abend sehr im Zweifel, ob ich wirklich mit dem Fahrrad zur Kirche fahren sollte. Und: Ob ich überhaupt fahren sollte. Ich entschied mich kurz vor der Zeit: „Nein, ich fahre nicht!“

In diesem Moment klingelte das Telefon. Meine Frau. Der Kurs falle heute aus, sie komme heim und könne mir die Fahrkarte geben.

So geschah es und ich fuhr mit Bus und Bahn zur Kirche und kam sogar einigermaßen pünktlich. Wiedereinmal erweist sich Gott als einen Tick hartnäckiger als der, der seine Rechnung ohne Ihn zu machen gedenkt, der den Bequemlichkeiten des eigenen Willens folgt, ohne auf Gottes Willen zu achten und auf Seine Stimme zu hören, die auf unser „Nein!“ ein „Doch!“ zurückgibt.

Gottes kleine Fingerzeige, Seine unfasslichen Fügungen aller Winzigkeiten des Alltags zu einem wunderbaren Ganzen, sie wurden für mich wieder spürbar. Sie sind wirksam in der Welt. Es kommt darauf an, sich selbst die Chance zu geben, sie zu entdecken.

(Josef Bordat)