Das Geheimnis der Auferstehung
März 20, 2008
Österliches Selbstgespräch zwischen Ungewissheit und Wagnis
Was gibt’s Neues?
Der Herr ist auferstanden!
Das ist Dein Wunschdenken!
Ja, ist es. Aber sagt es etwas über die Wahrheit aus? Sinkt oder steigt die Wahrscheinlichkeit für Regenwetter, abhängig davon, ob ich mir Regenwetter wünsche oder nicht? Und: Warum sollte die Auferstehung als Nicht-Ereignis kein Wunschdenken sein? Es könnte doch auch etwas sehr beruhigendes haben, dass mit dem Tod alles aus ist und wir uns nicht vor Gott rechtfertigen müssen.
Das ist ein Mythos, den wir heute nicht mehr glauben können!
Viele Menschen konnten die Geschichte damals auch nicht glauben. Sie waren genauso kritisch wie die Menschen heute. Als Paulus im aufgeklärten Athen von der Auferstehung erzählt, bilden sich drei Gruppen: die Spötter, die Indifferenten, die Gläubigen (Apg 17, 32-34). Kommen einem bekannt vor, diese drei Reaktionen. Nicht von der Predigt auf der Agora, sondern von Diskussionen im Forum. Die Menschen damals unterschieden scharf nach Ereignissen, die durch vielfache Zeugenaussagen glaubwürdig belegt sind und solchen Ereignissen, die nur durch einzelne Zeugen bestätigt sind. So unmodern der Gedanke der Auferstehung sein mag, so aktuell und drängend ist er. Eine Positionierung ist unumgänglich. Zeugnisse gibt es: Dort, wo Leben ist. Dort, wo Liebe ist. Dort, wo Menschen wider alle Hoffnung die Kraft haben zu hoffen.
Liebe und Hoffnung! Und wo sind die Beweise?
Auch diese uns heute bestimmende technische Vernunft, nach der wahr nur das sein kann, was wahrnehmbar und sinnvoll nur, was sinnlich erfahrbar ist, auch diese aufgeklärte – vielleicht auch ein wenig abgeklärte – Haltung erscheint unmittelbar nach der Auferstehung, in der Person des so genannten „ungläubigen Thomas“. Er will nicht leichtgläubig sein, sich nichts vormachen lassen. Das macht ihn sympathisch. Solange dieser Gott nicht handfester und leibhaftiger erfahrbar ist, glaube ich erst mal nicht, was ihr mir da erzählt! Dann offenbart sich der verklärte Jesus und Thomas bekennt: „Mein Herr und mein Gott!“. Auch wir haben die Chance auf Offenbarungserlebnisse wie dieses. Im Gebet, in der Gemeinschaft mit Menschen, im Alltag.
Damit macht man sich doch lächerlich!
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Wenn wir aufmerksam sind für die Zeichen Gottes in unserem Leben, werden wir dieses Bekenntnis vielleicht auch einmal sprechen. Laut, vor der Gemeinde, oder ganz leise im stillen Kämmerlein, da wo es erst mal niemand hört, wo es nicht so „peinlich“ ist. Dazu gehört freilich, den Stolz der absoluten Selbstbestimmung zu überwinden und Gott die Leitung des Lebens anzuvertrauen.
Und dann? Was habe ich davon?
Nachfolge ist nie besonders originell, Autonomie und Freiheit sehen anders aus als die Kirche dies mit ihrer rigorosen Morallehre anzubieten hat, sie zeigen sich in Individualität und Unabhängigkeit. Soweit ein gängiges Vorurteil gegen Kirche im besonderen und Christentum im allgemeinen. Dass letztlich nur das Evangelium mit seiner Botschaft der Liebe, der Vergebung und der Wandlung von Leid in Heil den Menschen frei macht von Angst und die Tür öffnet zur unendlichen Geborgenheit bei Gott, das ist eine Wahrheit, die man nur erahnen kann, wenn man sich auf das „Wagnis der Weisheit“ einlässt. In der selbstgewählten Bindung an den Auferstandenen liegt die eigentliche Befreiung – dieses scheinbare Paradoxon erschließt sich nur im Glauben an die Kraft der Liebe. Es ist wie in der Ehe, wo die Bindung Beginn einer neuen Form freier Lebensgestaltung ist. So ist Christus der Bräutigam, die Kirche die Braut, die nicht „weiß“ trägt, sondern „bunt“.
Das ist töricht!
Mag sein. Ich persönlich tausche jedoch gern meine Eitelkeit und meinen guten Ruf bei den Menschen gegen die Hoffnung ein, die Gott mir in Christus schenkt.
Du bist verrückt!
Ja, genau: Ver-rückt. Nicht mehr an der gleichen Stelle. Durch die Auferstehung emporgehoben, weg von meinen Sorgen und Nöten, weil ich weiß, dass alles, was mir an Leid widerfährt, bereits im Kreuzestod Christi enthalten ist, der Bedingung war für die Auferstehung, notwendig zur Erlösung der Welt. Das gibt mir ein Gefühl der Geborgenheit bei Gott – ein wahrhaft göttliches Gefühl!
(Josef Bordat)