Anselm und Konrad

April 21, 2008

Heute wird in der Katholischen Kirche zweier Heiliger gedacht, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten: der Philosoph Anselm of Canterbury („Credo ut intelligam.“) und der Klosterpförtner Konrad von Parzham („Mein Buch ist das Kreuz.“).

Der Hl. Konrad ist Patron meiner Gemeinde. Sein Ausspruch „Mein Buch ist das Kreuz.“ deutet an, dass ihm demütige Frömmigkeit, Versenkung im Gebet und tätige Liebe wichtiger waren als Studien zu theologischen Fragen und gelehrte Gespräche. Er konzentriert sich ganz auf das Kreuzesgeschehen und stellt sich das Kreuz vor Augen, verliert es nicht aus dem Blick. Er hält es fest in die Hand, wie auf zahlreichen Bildern von ihm zu sehen ist. Ganz nah rückt er an das Kreuz heran und betrachtet den gekreuzigten Christus und damit das Mysterium der Erlösung. Dort wo mancher auf Porträts ein Buch hält und damit repräsentativ seine Bildung zur Schau stellt, dort hält er das Kreuz.

Bei seinem Besuch in Bayern im September 2006 würdigte Papst Benedikt XVI. Konrad in seiner Predigt beim Vesper-Gottesdienst in Altötting mit folgenden Worten:

„Er hat sich, wie es der Herr im Gleichnis empfiehlt, wirklich auf den letzten Platz gesetzt, als demütiger Pfortenbruder. Er konnte von seiner Zelle aus immer auf den Tabernakel hinschauen, immer bei ihm sein. Von diesem Blick her hat er die nicht zu zerstörende Güte gelernt, mit der er den Menschen begegnete, die fast ohne Unterbrechung an seiner Pforte anläuteten – auch manchmal eher bösartig, um ihn bloßzustellen; auch manchmal ungeduldig und laut: Ihnen allen hat er ohne große Worte durch seine Güte und Menschlichkeit eine Botschaft geschenkt, die mehr wert war als bloße Worte.“

So können wir Menschen des technisch-wissenschaftlichen Zeitalters vom Hl. Konrad vor allem eines lernen: Demut. Vor dem Leben, den eigenen Grenzen und der rational unergründlichen, nur im Glauben erfahrbaren Finalität des göttlichen Plans.

Das wiederum passt zu Anselms „Credo ut intelligam.“ Der zweite Blick offenbart also eine erstaunliche Gemeinsamkeit zwischen Pförtner und Philosoph: der Vorrang des Glaubens vor dem Wissen, genauer: die Schlüsselfunktion, die der christliche Glaube bei der vernünftigen Orientierung im Leben spielt.

Weil ich es nicht besser sagen könnte, sei es Anselm of Canterbury vergönnt, mein Lebensmotto für die nächsten Wochen darzutun:

Pausen der Stille
In meinem Leben,
ich brauche sie.
Sie helfen mir:
Kräfte zu sammeln,
mich auf das Wesentliche zu besinnen,
zu mir selbst zu finden und –
Gott zu finden.

In diesem Sinne wird es hier eine kleine Pause geben. In einem Monat melde ich mich zurück.

(Josef Bordat)

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