Das Patronatsfest der KSG Edith Stein erreichte mit dem Festgottesdienst am 1. Juni seinen Höhepunkt. Die feierliche Hl. Messe wurde musikalisch gestaltet vom eigens gegründeten Chor. In seiner Predigt hob Studentenpfarrer P. Thomas Treutler O.P. hervor, dass der Schritt von der Ankündigung zur Tat in unserer KSG oft ein weit größerer ist als es das geflügelte Wort „Gesagt, getan!“ suggeriert, dass dies aber nicht als Manko betrachtet werden dürfe, sondern als Ausdruck eines abwägenden „Einerseits, andererseits“. Auch dies darf die Architektur einer Gemeinde prägen, denn sie soll vor allem eins sein: ehrlich. Den Text der Predigt zu Dtn 11, 18.26-28.32 und Mt 7, 21-27 möchte ich hier dokumentieren und damit die Patronatsfest-Trilogie abschließen.
Liebe Schwestern und Brüder,
wir kennen das Wortpärchen „Gesagt, getan …“ aus unserer Alltagssprache. Es bedeutet soviel wie die unmittelbare Umsetzung eines Plans. Jemand will ein Haus bauen: Gesagt, getan – einige Monate später steht es fertig da. Man trifft alte Freunde und denkt: Man müsste sich mal wieder länger unterhalten. Gesagt, getan – sofort wird ein Termin für einen Besuch ausgemacht. So wünschen wir uns auch die Arbeit im Gemeinderat, etwa wenn es um die Formulierung eines neuen „Leitbildes“ der KSG geht, oder um die Gestaltung des Meditationsraumes: Gesagt, getan – die Aufgabe wird sofort erledigt. Und wie oft sind wir enttäuscht oder ärgerlich, wenn es nicht so funktioniert!
Vielleicht war dieser Wunsch auch bei der Auswahl unseres Semesterthemas mit im Spiel, als wir uns für „Moralische Angebote“ entschieden haben. Wenn es um moralische Handlungsanweisungen des Christentums geht, dann schlagen wir nach und informieren uns: Gesagt, getan – morgen beginne ich mit der praktischen Umsetzung in meinem Leben; alles in Ordnung! Oder bei Außenstehenden: Ich kann mich informieren, welche Anforderungen der Glaube an mich stellt:
Gesagt, getan – morgen lasse ich mich taufen!
Doch schon beim Blick in den Katechismus stellen wir enttäuscht fest: So einfach ist das alles nicht. Schon dort tauchen Begriffe wie Umstände, Bedingungen, Werteabwägung und Gewissensentscheidung auf. Noch deutlicher wird es, wenn wir – wie im gestrigen Vortrag – auf die Ethik Jesu schauen: Da fragen Menschen Jesus: Was soll ich tun? und Jesus reagiert mit Gegenfragen oder Gleichnissen. Immer wieder verstört er das klare Gesetzesdenken, etwa der Pharisäer. Die Ethik Jesu lässt sich nicht 1:1 in unseren Alltag übersetzen.
Ich wurde ja schon manches Mal wegen meiner „Sowohl, als auch …“-Predigten gescholten, weil man sich eher solche „Gesagt, getan“-Predigten gewünscht hätte. Nun ist ein „Sowohl, als auch …“ sicher keine Lösung, – erst recht nicht für den, der Jesus nachfolgen will – aber um ein „Einerseits – andererseits“ kommen wir in der Nachfolge Jesu nicht herum. Auf dem Weg vom „Gesagt“ zum „Getan“ gibt es im Glauben viele „Einerseits, – andererseits“.
Gerade die Pharisäer verlangten von Jesus genaue Ge- und Verbote. Jesu Antwort besteht letztlich – wie schon bei Gott im Alten Testament – darin zu sagen: Ich lege dir zwei Wege vor: Segen und Fluch! Wähle den Segen! Die Wege kennen wir, sie zeichnen sich für den gläubigen Hörer des Wortes Gottes deutlich ab. Trotzdem können wir nicht immer verhindern, dass wir vom Weg abkommen und vielleicht sogar eine ganze Strecke neben dem „rechten Weg“ herlaufen. Wichtig ist vor allem aber, dass wir uns immer wieder bemühen, auf den Weg des Segens zurückzufinden.
Auch Edith Steins Leben war geprägt von der ständigen ehrlichen Suche nach dem rechten Weg: Ob als Jüdin oder Atheistin, als überzeugte Anhängerin der Phänomenologie ihres Lehrers Husserl oder als Ordensfrau im Karmel, – immer hat sie sich der Wahrheits- und Gottesfrage gestellt. Wer wollte sagen, dass nur der letzte, kontemplative Abschnitt ihres Weges richtig und heilig war? Auch vorher schon hat sie sich mit ganzer Kraft bemüht, den Weg des Segens zu wählen. Dieses Suchen und Bemühen macht sie zu einer großen Heiligen, nicht erst das Ende ihres Lebens. Dass sie zugleich wegen ihrer jüdischen Abstammung und der Zugehörigkeit zu einem christlichen Orden ermordet und zur Märtyrin wurde, ist dafür – bei allem Schrecken – ein großes Zeichen.
Auch wenn das Haus unserer Gemeinde also nicht immer nach dem Schema „Gesagt, getan …“ schnell fertig ist und am Ende in allem dem Idealplan entspricht, liebe Schwestern und Brüder, so muss es trotzdem nicht auf Sand gebaut sein.
Vielleicht ist dieses Bild des Evangeliums für uns auch überholt, wo doch heutzutage in der Regel jedes Haus auf gutem Grund steht. Angemessener wäre eher die Frage nach der Qualität der Architektur des Hauses. Und gute Architektur, das hat mir unser Sprecher in vielen Diskussionen immer wieder vorgehalten, muss „ehrlich“ sein. Sie muss die Materialien und Konstruktionsprinzipien des Baus widerspiegeln. Zu guter Architektur macht ein Haus nicht der schöne Schein oder eine schöne Fassade. Den langen Weg unseres Bemühens und die Grenzen unserer Möglichkeiten darf man dem Haus unserer Gemeinde und dem Haus unseres eigenen Lebens also ruhig ansehen.
Den langen Weg und die vielen Gedanken, die es bei uns oft braucht, um die beiden Wörtchen zusammenzubringen: Gesagt, getan!
Amen.