Heimat
Juni 27, 2008
Bei einem Kurzurlaub in meiner Heimatstadt Straelen konnte ich etwas Kraft tanken für die anstehenden Aufgaben. In den Tagen am Niederrhein haben meine Frau Roxana und ich nicht nur bei Radtouren und Spaziergängen das schöne Wetter genossen, sondern auch das Stadtfest mitgefeiert. Wir nahmen auch an einem ökumenischen Landgottesdienst mit Prozession durch die Natur teil. Die – in doppeltem Wortsinne – natürliche Verbundenheit der Bauern und Gärtner mit der Schöpfung und ihrem Schöpfer beeindruckt mich immer wieder.
Ich hatte zudem Gelegenheit, mal wieder meinen Freund Franz Grooterhorst zu treffen, der mich 1995 auf Peter Wust aufmerksam gemacht hat, indem er mir dessen Hauptwerk „Ungewissheit und Wagnis“ zum Geburtstag schenkte. Kaum ein Buch hat mich seither mehr bewegt, kaum etwas hat mich so elegant über Phasen des Zweifels hinweggetragen. Wust lässt mich die Spannung von Vereinzelungserfahrung und Geborgenheitssehnsucht, von Begrenztheit und Transzendenzbezug, von homo philosophicus und homo religiosus nicht nur aushalten, sondern seine Worte helfen, diese Spannung durch das „Wagnis der Weisheit“ zu einem lebendigen Glauben umzuformen. Wust half mir damit, eine geistige Heimat zu finden, „Geborgenheit in der Ungeborgenheit“.
Bedanken darf ich mich aber in diesem Zusammenhang nicht nur bei Franz Grooterhorst, sondern auch bei seiner Mutter, die den unmittelbaren Anschluss an Wusts Wirken in Münster hatte, da sie ihr Studium gerade in dem Semester begann, in dem Wust krankheitsbedingt aufhören musste.
(Josef Bordat)