Christenverfolgung in Nordkorea
Oktober 20, 2008
Ich hatte bereits über die Entwicklung des Katholizismus in Korea berichtet. Damit war – zumindest was die letzten 60 Jahre betrifft – der Süden der Halbinsel gemeint.
Über Nordkorea weiß ich nicht viel. Dieses Schicksal teile ich mit vielen anderen Menschen, die spärliche Informationen aus zweiter und dritter Hand zusammenbasteln, um sich ein Bild zu machen. Ein Bild von einer scheußlichen Diktatur, in der sich der absolute Herrscher gottgleich verehren und jede andere religiöse Bekundung mit Arbeitslager, Folter und Mord beantworten lässt.
Sind Christen im Süden Koreas mittlerweile ein akzeptierter Bestandteil der traditionell buddhistisch und konfuzianistisch orientierten Gesellschaft, landen sie im Norden allein aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses zu Tausenden in den gefürchteten Arbeitslagern, wo sie sich unter unvorstellbar grausamen Bedingungen zu Tode schuften (fast die Hälfte des nordkoreanischen BIP wird in diesen Lagern erzeugt).
Christen gelten in Nordkorea als „Staatsfeinde Nr. 1“. In den Lagern gehören sie zu den Häftlingen der unterster Kategorie, die bevorzugt Objekte der Willkür ihrer Aufseher sind. In der (sicherlich ebenfalls wichtigen) Debatte um Christenverfolgung in China, Indonesien oder in der arabischen Welt wird häufig das kleine Nordkorea übersehen,[1] obwohl Christen nirgendwo sonst so brutal verfolgt werden wie dort. Im „Open Doors Weltverfolgungsindex 2008“ steht das Land an erster Stelle.
Sehr beeindruckt hat mich der Bericht[2] einer der wenigen Überlebenden eines solchen Lagers, Soon Ok Lee. Frau Lee beschreibt die grausamen Bedingungen der Inhaftierung. Doch auch ihr unerschütterlicher Glaube daran, dass Gottes Liebe und nicht der Hass der Menschen das letzte Wort hat, wird in den Schilderungen deutlich, ein Glaube, der Christen in Verfolgung nicht verzweifeln, sondern ganz besonders hoffen lässt auf die Erlösung durch Jesus, der diesen Leidensweg von der Verfolgung über Gefangennahme und Folter bis zum Opfertod selbst gegangen ist. Und der die Gewissheit verbürgt, dass letztlich trotz allem, was sich Menschen ausdenken, um Gott durch den Mitmenschen zu beleidigen, nichts von der ursprünglichen Liebe zurückgenommen wird,[3] damit das Leben in Fülle triumphieren kann. Ewiges Leben.
Anmerkungen:
[1] So vergisst die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Arbeitshilfe „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“ (Schwerpunkt: China) leider, explizit auf Nordkorea hinzuweisen. In der Einleitung heißt es: „In verschiedenen Teilen der Welt werden Kirchen, christliche Gemeinschaften und einzelne Gläubige bedrängt und verfolgt. In Ländern wie Vietnam oder China sind solche Repressionen Ausdruck einer systematischen Einschränkung der Religionsfreiheit eines atheistisch ausgerichteten Staates.“ Hier gehörte unbedingt auch Nordkorea erwähnt, obwohl es angesichts der quasireligiösen Kultes um Staatsgründer Kim Il-sung („Gott Vater“ als „Schöpfer“) und um den jetzigen Staatspräsidenten Kim Jong-il („Gottes Sohn“ als „Großer Führer“) schwer fällt, die atheistische Ausrichtung Nordkoreas wiederzufinden. Es scheint in dieser „atheistischen“ Staatsdoktrin wieder einmal darum zu gehen, die Religion abzuschaffen und Gott für tot zu erklären, um sich selbst an die Stelle Gottes setzen zu können.
[3] In irgendeiner Predigt fiel mal über die unendliche Barmherzigkeit Gottes der schöne Satz: „So sehr können wir Menschen gar nicht hassen, dass Gott – quasi aus Protest – damit aufhörte, uns zu lieben.“
(Josef Bordat)