Benedikt der 17.

31. Dezember 2009

Das Jahresende ist die Zeit der Abrechnung. Da werden die Tops und Flops verkündet, die „Ins“ und „Outs“ gekürt und lauter launige Listen erstellt mit den 10, 50, 100 peinlichsten, schönsten und/oder teuersten Menschen, Ereignissen und/oder Artefakten, die das vergangene Jahr prägten. Die US-amerikanische Monatszeitschrift „Foreign Policy“ möchte da nicht nachstehen und präsentiert in ihrer Dezember-Ausgabe die „100 global thinkers of 2009“.

Zwischen all den Naturwissenschaftlern und Ökonomen, die ihre Thesen zur Evolution (Darwinjahr) oder Wirtschaftsordnung (Finanzkrisenjahr) medienwirksam platzierten und natürlich den Publizisten, die das muntere Treiben kritisch begleiteten, taucht unter den 100 bedeutendsten Intellektuellen des Jahres auf Platz 17 Papst Benedikt XVI. auf. Begründet wird dies zum einen mit der 2009 erschienenen Enzyklika „Caritas in veritate“, zum anderen damit, dass der Heilige Vater ein schwieriges Jahr mit großen Herausforderungen hinter sich habe, deren Bewältigung Klugheit und Weitsicht erforderten. Wie ein Fels in der Brandung markiert er den Beitrag der Kirche, des ältesten „global thinkers“ überhaupt.

Ich möchte den Tipp wagen, dass von den 100 Namen auf der Liste im kommenden Ranking 90 nicht mehr zu finden sein werden. Für Benedikt stehen die Chancen auf Wiederaufnahme in den Elite-Club der Denker indes gut – an intellektuellen Herausforderungen wird es ihm auch 2010 nicht mangeln.

Allen Leserinnen und Lesern einen guten Übergang ins neue Jahr, für das ich Ihnen Gesundheit und für alle Vorhaben – auf die Fürsprache des Hl. Silvester – Gottes reichen Segen wünsche!

(Josef Bordat)

Die heilige Familie

27. Dezember 2009

Die Kirche feiert ein Fest der Familie, das Fest der Heiligen Familie. Was dieses kirchliche Fest uns sagen möchte, ist zunächst einmal dies: Wir haben allen Grund, die Familie zu feiern. Wir dürfen feiern, was Gott auch heute schenkt: dass ein Mann und eine Frau in Treue zueinander stehen, dass sie Kindern das Leben schenken und ihnen helfen, ins Leben hineinzuwachsen, dass jüngere für ältere Familienmitglieder sorgen.

Das Zusammenleben in der Familie ist Schule der Selbstlosigkeit. Es gibt keinen Ort, an dem dies besser eingeübt werden kann als in der Familie: die Erfahrung, im Loslassen nicht ärmer, sondern reicher zu werden. Familie ist und bleibt eine Schule der Mitmenschlichkeit, der Solidarität, der Fähigkeit zum Mitleid, zum Vergeben und Erbarmen. Diese Schule ist durch nichts zu ersetzen.

Joachim Wanke (Bischof von Erfurt)

Die Antwort: Stephanus

26. Dezember 2009

Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt, eure Väter schon und nun auch ihr. Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt. Als sie das hörten, waren sie aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. (Apg 7, 51-60).

„Gottes Entäußerung in die Menschwerdung hinein ist ein unauslotbarer Liebesbeweis an die Menschheit. Kann und darf dies ohne Antwort der Menschen verbleiben? Stephanus ist die Antwort. Er hat nicht nur begriffen, wer Jesus ist, sondern er hat die ganze Dimension dieses Ereignisses erfasst, verkündet und bis in den Märtyrertod hinein gelebt. Stephanus, ein Mann voll des Heiligen Geistes, sieht den Himmel offen! Er erfuhr die Wahrheit der Matthäusstelle: Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr Reden sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden (Mt 10, 20-21). Dennoch machte er sich damit nicht nur Freunde. Seinen Verweis auf den offenen Himmel, in dem er Christus als den verherrlichten Gottessohn erkennt, muss er mit dem Tod bezahlen. Warum aber feiern wir dieses Martyrium, an dem sogar Saulus, der spätere Paulus, teilgenommen hat? Weil der Tod dieses Märtyrers den Eintritt in den geschauten Himmel bedeutet. Vergeltung, Rache, Kriege sind überflüssig, da Gottes Herrschaft Gerechtigkeit und Friede ermöglichen.“

Friedhelm Hofmann (Bischof von Würzburg)

Gebe Gott uns den Mut, gegen die Engstirnigkeit von Schriftgelehrten aufzustehen, wenn ihr Dienst nur von Selbstgerechtigkeit, nicht aber von Liebe zeugt. Gott gebe uns die Kraft, im Steinhagel der Vorurteile und Verleumdungen die Wahrheit in Wort und Tat zu vertreten: Jesus Christus. Gott gebe uns die Gnade, dabei den Himmel offen zu sehen.

(Josef Bordat)

Unser Bruder, unser Gott

25. Dezember 2009

Größere Gegensätze als Gott und Mensch kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen, und sie werden an Weihnachten zu Partnern, zu Freunden und in Jesus Christus zu Geschwistern. Der Mensch gewordene Gottessohn ist Marias Kind, aber er ist zugleich auch Marias Gott. Dieses Kind in der Krippe ist unser Bruder, aber zugleich unser Gott. Ich bin also Bruder oder Schwester eines Gottes, der mir aber begegnet wie der eigene leibliche Bruder mit einem menschlichen Antlitz. Das verlangt jedoch von uns einen neuen Lebensstil. Gott ist nicht mehr fern, sondern er ist ganz nah. Wir sind plötzlich die Hausgenossen Gottes. Er ist Mitbewohner unserer Erde. Und das müsste wohl den Lebensstil der Nachbarn Gottes, das sind die Menschen, positiv verändern.

Nun gibt es nichts mehr in der Welt, was zu klein wäre, dass er es mit seiner Gegenwart erfüllen könnte. Nun hat alles, auch das oft unansehnlich Kleine, Wert, Würde und Bedeutung. Es ist Herberge Gottes geworden.

Joachim Kardinal Meisner

Fest für alle

24. Dezember 2009

„Euch ist in der Stadt Davids der Retter geboren“ (Lk 2, 11) – Das ist die Botschaft, die der Engel den Hirten verkündet, die Weihnachtsbotschaft. Ich glaube: Das „Euch“ gilt nicht nur den Hirten, es gilt auch uns.

Christus ist Mensch geworden
für die ganze Menschheit.
Also auch für jeden von uns.
Das bedeutet Fest für alle,
Freude für alle,
Freiheit und Frieden für alle.

Chiara Lubich

In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest!

Ihr und Euer

Josef Bordat

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