Die Probe auf die Heiligkeit ist nicht, Zeichen und Wunder zu wirken, sondern seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst, von Gott die Wahrheit zu denken, und von seinem Mitmenschen Besseres als von sich selbst.

Gregor der Große

Gott liebt uns,
schwach, wie wir sind – und stolz.

Gott wandelt.

Vom Fischer zum Freund.
Vom Schweiger zum Sprecher.
Vom Verräter zum Felsen.

Gott wandelt.

Vom Verfolger zum Verehrer.
Vom Weisenden zum Weisen.
Vom Feindbild zum Vorbild.

Gott wandelt.

Menschheit zur Menschlichkeit.
Menschen, wie sie sind, zu Menschen, wie sie gedacht sind.
Menschen zu Heiligen.

Gott schickt uns auf die Reise,
zum Schlüssel des Himmelreichs.

(Josef Bordat)

Von der Nachfolge

28. Juni 2010

Der erklärte Wunsch und Wille, Jesus nachzufolgen, reicht offenbar noch nicht. Hinter diesem Wunsch können die verschiedensten Motive liegen; dieser Wunsch kann mit den unterschiedlichsten Erwartungen gekoppelt sein.

Jesus geht es aber um ein bedingungsloses Ja zu ihm – auch dann, wenn es weh tut, auch dann, wenn der Weg undurchsichtig wird. Diese Erwartung Jesu ist – so hart sie klingen mag – letztlich nichts anderes als ein Zeichen seines Zutrauens, ein Zeichen seiner Liebe, die den ganzen Menschen mit all seinen Kräften in Anspruch nehmen will.

Sicher ist, dass es um einen Weg der Nachfolge geht, der den Einsatz der ganzen Person verlangt und diese genau da herausfordert, wo sie am liebsten flüchten oder den Kopf in den Sand stecken würde. Das kann für viele tatsächlich heißen, auch äußerlich aufzubrechen; andere werden eher in ihren Gewohnheiten und Mentalitäten angefragt sein. Und wieder andere wird der Ruf Jesu dazu bringen, ihren Platz gerade nicht zu verlassen, sondern da auszuharren, wo sie begonnen haben.

Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg

Keiner verleiht den Vorschriften des Herrn in seinem Innern Kraft, außer er tut sie.

Augustinus

Alipius’ Abschied

23. Juni 2010

Unsere Existenz ist endlich. Das wissen wir. In diesem Wissen unterscheiden wir uns von den Tieren, die allenfalls eine instinktive Ahnung einer unmittelbar bevorstehenden Bedrohung haben. Der Mensch fragt schon als Kind nach dem Tod. Und damit nach dem Sinn.

Dieses Wissen eröffnet uns einen begrenzten Möglichkeitsraum, dessen Grenzen für die Verwirklichung der Möglichkeiten zugleich konstitutiv sind: Erst das Wissen darum, dass man eine Prüfung nicht unendlich oft wiederholen kann, motiviert zum Lernen und das Gelernte lässt den Kandidaten die Prüfung bestehen. Warum sollte ich lernen, wenn ich die Prüfung unendlich oft wiederholen könnte? In der Ewigkeit gibt es keine Prüfungen. Auch das ist tröstlich.

Das Leben als solches ist endlich. Doch auch im Leben gibt es Endlichkeit: Zeitabschnitte, die unser Leben strukturieren. Das wiederum teilen wir mit der Natur, wie man jedes Jahr eindrucksvoll sehen kann. Wir erleben allerdings diese Zeitabschnitte als solche, können ihren Wechsel thematisieren. Wenn uns „Grenzerfahrungen“ (Jaspers) überhaupt erst zum Menschen machen, dann ist Abschied, gepaart mit unserer Fähigkeit, zurück zu blicken und nach vorn, eine zutiefst menschliche Erfahrung. Vielleicht eine der tiefsten überhaupt.

Einer der wirkmächtigsten katholischen Blogger im deutschsprachigen Raum, Alipius, hat sich nun aus Rom und – bis auf Weiteres – aus der „Blogozese“ verabschiedet. Er hinterlässt damit eine Lücke, die er den verbliebenen „Co-Bloggern“ zu schließen auftrug. Es wird allerdings schwer werden, sein Gespür für argumentative Schieflagen, seinen kristallklaren Blick auf und hinter mediale Machenschaften, seine messerscharfen Analysen und sein ausgeprägtes Urteilsvermögen zu ersetzen, ganz zu schweigen vom Aufwand der immensen Recherche-Arbeit, die seinen Texten im Rücken liegt und ihnen damit die Aktualität verleiht, die es wohl gerade im Internet braucht. Und dazu noch das theologisch-ekklesiologische Programm durch schönes Bildmaterial sowie humorvolle und unterhaltsame Beiträge aufzulockern und damit für breite Leserkreise attraktiv zu gestalten. Das zu leisten, wird schwer, Alipius!

Zur bevorstehenden Priesterweihe möchte ich zum Schluss die Worte zitieren, die ein anderer junger Mann am Vorabend seiner Priesterweihe notierte: „Was wird aus mir werden? Werde ich ein tüchtiger Theologe sein, ein großer Jurist, ein Landpfarrer oder ein einfacher, armer Priester? Doch was kümmert mich das alles schon? Ich muss nichts von alldem und zugleich mehr als all dies sein, ganz wie Gott will. Mein Gott ist alles.“ Der Name des Mannes: Angelo Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII.

In diesem Sinne: Alles Gute und Gottes Segen!

Josef Bordat

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