Fernanda, oder: Wenn Dreijährige die Theodizeefrage stellen

10. Februar 2011

Für mein Patenkind Fernanda. Ein Ratschlag vom Patenonkel. – Para mi hijada Fernanda. Un consejo del padrino.

Die Frage nach Gott liegt Kindern im Herzen. Das kindliche Staunen über die Welt lässt sie intuitiv spüren, dass es da etwas geben muss, das hinter und über den Dingen steht – ein Geheimnis, ein guter Geist, Gott. Vor dem Hintergrund dieser urmenschlichen Ahnung fragen sie nach den Ursachen und Gründen der Phänomene, denen sie in ihrem Alltag begegnen. Sie fragen: „Warum?“ – die philosophische Grundfrage ist es, die Dreijährige umtreibt. Wenn dann etwas Trauriges passiert, kann sie religionsphilosophische Gestalt annehmen: „Warum lässt Gott das zu?“

Mein Patenkind Fernanda (3) hatte am Wochenende einen kleinen Unfall: Ihr Brüderchen Renato Ignacio (2) hat eine Türe so zugeschlagen, dass Fernanda ihre Finger zwischen Türblatt und Rahmen bekam – eine sehr schmerzhafte Angelegenheit. Die Hand wurde versorgt und zum Trost gab es ein Eis. Als der Schock verdaut war, stellte sie die entscheidende „Warum“-Frage, die in ihrer Struktur so frappierend an die Theodizee-Frage erinnert: „Warum hat Gott Türen geschaffen? Warum ließ Gott zu, dass mir das passiert ist?“ – Ich denke, dass ein dreijähriges Mädchen vielleicht noch zu klein ist, in die Tiefen der Theodizee-Frage einzutauchen, von denen es ja nichts ahnt. Doch ich denke auch: Ein Kind, das seinen Taufpaten fragt, hat das Recht auf eine Antwort. Die möchte ich meinem Patenkind Fernanda auf diesem Wege geben.

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Liebe Fernandita!

Du stellt sehr kluge Fragen, die man nicht so einfach beantworten kann. Was mich freut, Fernanda, das ist erst mal und vor allem, dass Dir nichts Schlimmeres passiert ist. Und dass Du nicht Deinem Brüderchen die Schuld gibst. Renato Ignacio ist ja noch so klein. Auch die Tür kann nichts dafür – oder? Hm. Wer dann? Gott? Der hat ja alles geschaffen! Also auch Türen!

Richtig, Gott schafft alle Dinge, die wir brauchen. Gott schafft sie zu unserem Wohl. Und Gott gibt uns die Fähigkeit, aus diesen Dingen neue Dinge zu machen. Türen sind zum Beispiel aus Holz. Das Holz kommt vom Baum, der Baum wächst aus der Erde, die Gott für uns gemacht hat. Er lässt den Baum wachsen, von dem das Holz kommt, aus dem die Tür gemacht ist. Also kann man schon sagen: Gott hat die Tür geschaffen. Aber wir haben daran mitgewirkt. Mit unseren Fähigkeiten, die Gott uns schenkt.

So ist das auch, wenn mit den Dingen, die eigentlich gut und nützlich sind, etwas Schlechtes passiert: Dann wirken wir daran mit. Es gibt nämlich eine ganz besondere Fähigkeit, die Gott nur den Menschen geschenkt hat: die Freiheit. Wir können frei entscheiden, was wir wollen. Und wenn wir etwas nicht wollen, dann können wir das auch sagen. Das weißt Du ja schon.

Gott will, dass wir mit allen Dingen so umgehen, dass nichts Schlechtes daraus entsteht, sondern Gutes. Gott will, dass wir die Dinge, die Er uns schenkt und die Er uns machen lässt, achtsam nutzen. Wir müssen aufeinander achten, damit wir niemandem weh tun und auch uns selbst nicht verletzen. Zum Beispiel an einer Tür. Das bedeutet auch, dass wir unsere Spielsachen mit anderen Kindern teilen sollen, weil sie sonst traurig sind. Gott sagt uns nämlich durch Jesus, dass wir einander lieb haben sollen. Da gehört Teilen mit dazu.

Manchmal passiert es aber, dass wir etwas so sehr wollen, dass wir gar nicht mehr daran denken, was wir eigentlich tun sollen. Dann sind wir so unaufmerksam, dass wir ganz vergessen, was Gott will. Und dann passiert es, dass man sich oder anderen weh tut. Nicht mit Absicht, sondern, weil wir unvorsichtig sind. Gott sagt uns dann durch Jesus, dass wir einander verzeihen sollen. Und dass wir daraus lernen sollen, beim nächsten Mal vorsichtiger zu sein. Zum Beispiel mit den Türen.

Schließlich passieren aber auch Dinge, wo kein Mensch weiß, warum sie passieren. Mama weiß es nicht, Papa nicht und ich auch nicht. Und sogar Patentante Roxana weiß es nicht. Ich glaube aber, dass Gott weiß, warum sie passieren, dass sie einen Sinn haben und dass Gott am Ende alles gut macht für jeden Menschen. Viel besser, als wir es uns jetzt vorstellen können. Weil Gott uns alle liebt.

Gott segne Dich und beschützte Dich, auch Deinen Bruder und Deine Eltern!

Dein Patenonkel Josef

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¡Querida Fernandita!

Me haces preguntas muy sabias a las cuales no se puede responder tan facilmente. Lo que me alegra en primer lugar y sobre todo, Fernanda, es que nada grave te ocurrió. Y que no le hechas la culpa a tu hermanito. Renato Ignacio todavía es tan pequeñito. También la puerta no tiene la culpa, – ¿o? Hm. ¿Quién entonces? ¿Dios? ¡Él ha creado todo! ¡Así también puertas!

Bien, Dios crea todas las cosas que necesitamos. Dios las crea para nuestro bien. Y Dios nos da la capacidad de hacer nuevas cosas de estas cosas. Puertas son, por ejemplo, de madera. La madera viene del árbol, el árbol crece de la tierra que Dios ha hecho para nosotros. Él deja el árbol crecer del cual recibimos la madera de la cual la puerta está hecha. Así se puede decir: Dios ha creado la puerta. Pero hemos ayudado hacerla. Con nuestras capacidades que Dios nos regala.

Así es también si con las cosas, que son buenas y útiles, pasa algo mal: Contribuimos a esto. Hay una capacidad totalmente especial que Dios ha regalado sólo a las personas humanas: la libertad. Podemos decidir libremente que queremos. Y si no queremos algo, podemos decirlo. Ya lo sabes.

Dios quiere que utilizamos todas las cosas en tal modo que no se produce algo mal, sino algo bien. Dios quiere que utilizamos atentamente las cosas, que Él nos regala,que Él nos deja hacer. Tenemos que estar atentos uno del otro, para que no hagamos daño a nadie y no nos hiramos. Por ejemplo, cerca de una puerta. Esto sugiere también que debemos compartir nuestros juguetes con otros niños porque sí no estaran tristes. Dios nos dice en Jesús que debemos querernos mutuamente. Compartir tus juguetes forma parte de esta caridad.

Sin embargo a veces sucede que queremos demasiado y no pensamos en que debemos hacer en realidad. Y somos tan desatentos que olvidamos totalmente que Dios quiere de nosotros. Sucede que se hace daño a sí u otra persona. No intencionadamente, sino porque somos imprudentes. Dios nos dice en Jesús que debemos perdonar mutuamente. Y lo que debemos aprender a ser más prudente la próxima vez. Por ejemplo, con las puertas.

Finalmente, pasan cosas, de las cuales no sabe ningúna persona por qué las pasan. La mamá no lo sabe, el papá no lo sabe y yo tampoco. Y hasta tu madrina Roxana no lo sabe. Sin embargo creo que Dios sabe por qué las cosas pasan. Creo, que los tienen un sentido y que Dios al fin hace todo bien para cada ser humano. Mucho mejor de lo que podemos imaginarnos ahora. Porque Dios ama todos nosotros.

¡Dios te bendice y te protegía, también a tu hermano y tus padres!

Tu padrino Josef

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Ich weiß nicht, wie sie die Antwort aufnehmen wird. Vielleicht ist sie mit den Implikationen und Konsequenzen ihrer Frage ja überfordert. Jedenfalls bin ich froh, in ihr eine würdige Nachfolgerin in Sachen Theodizeefrage und Leibnizforschung erkennen zu dürfen.

Leibnizianer unter sich (Foto: Roxana Valdivia Bernedo)

 

(Josef Bordat)

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