Fernanda und Renato
15. Februar 2011
Para Viviana – ¡Feliz cumple!
Mein Patenkind Fernanda haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, ja schon kennen gelernt. Ihr helles Köpfchen zeigt sich an ihren Fragen über Gott, die Welt und alle Dinge überhaupt. Ohnehin zeigt sich Klugheit ja eher an den Fragen, die jemand stellt, als an den Antworten, die sie oder er gibt. Doch auch schlaue Antworten kann man von ihr bekommen – und von ihrem kleinen Bruder Renato, dessen Neigung zur Wissenschaft im zweiten Vornamen ans Licht des Tages kommt: Ignacio. Fernanda und Renato kennen sich bestens aus in den unterschiedlichsten Gebieten von Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Glauben Sie nicht? Nun, ich habe ihnen kürzlich via Skype einige Fragen gestellt, um ihren Fortschritt in Sachen Bildungsniveau zu testen. Hier das Protokoll des Gesprächs.
Fernanda und Renato, kommt ihr mal, bitte! Ja, prima. Hola erst mal. – Also, Fernanda, es geht los. Eine Frage aus der europäischen Geschichte: Am 23. August 1772 trafen sich im Spiegelsaal von Schloss Versailles – gut aufpassen! – die französische Königin Marie Antoinette und die Kaiserin von Österreich-Ungarn, Maria Theresia, die sich auf einer Besuchsreise in Frankreich aufhielt, zu einer Unterredung über die Strukturkrise des mitteleuropäischen Hochadels. Nun die Frage, Fernanda: Wie nannte Marie Antoinette bei dieser Gelegenheit Maria Theresia?
Fernanda: »Mama«.
Richtig, Fernandita. Die nächste Frage geht an dich, Renato: Welches spätlateinische Wort wurde in der Katholischen Kirche des frühen Mittelalters zur Bezeichnung des Nachfolgers Petri?
Renato: »Papa«.
Korrekt. Nun wieder zu Dir, Fernanda. Eine Frage aus dem Bereich der Genetik: Kreuzt man rotäugige und weißäugige Fliegen vom Typ Drosophila melanogaster und handelt es sich bei der Rotäugigkeit um den gegenüber der Weißäugigkeit dominanten Faktor und unterstellt man ferner nach der Morgan’schen Chromosomentheorie, dass es sich bei der Augenfarbe um X-Chromosomen-gebundene Vererbung handelt, so muss, wenn alle Nachkommen der ersten Generation – unabhängig von ihrem Geschlecht – rotäugig sind, welches Elternteil die roten Augen haben?
Fernanda: »Mama«.
Absolut richtig, Fer. Wir kommen zu Renato und zur Geographie: Wie heißt die Stadt am Rand der Kleinen Ungarischen Tiefebene, die mit ihren rund 35.000 Einwohnern neben der Tatsache, über ein Schloss der Familie Esterházy aus dem 18. Jahrhundert sowie über einen modernen Gewerbepark mit Betrieben der Nahrungsmittel- und Textilindustrie zu verfügen, vor allem als Zentrum des ungarischen Kalvinismus bekannt wurde?
Renato: »Papa«.
Sehr schön, Renatito. Nun eine besonders schwierige Frage aus dem internationalen Wirtschaftsrecht. Beim Verkauf einer in Österreich ansässigen Firma über ein deutsches Notariat muss welche Person den Vertrag unterzeichnen, vorausgesetzt der Verkäufer ist minderjährig und sein männlicher Erziehungsberechtigter befindet sich als persönlich haftender Gesellschafter einer argentinischen Schuhfabrik auf Geschäftsreise in China?
Fernanda: »Mama«.
Hervorragend, Fernanda. Und wie, Renato, nennt man – und wir kommen zur Zoologie – die zur Familie der Barschartigen gehörenden und fast ausschließlich in tropischen Meeren beheimateten Tiere, die mit lateinischem Namen „Scaridae“ heißen.
Renato: »Papa«.
…geienfische, ganz genau, Renato! Nun zum Sport und… Nein, das kannst Du nicht wissen: „Was wollten Martina Navratilova und Amélie Mauresmo niemals werden?“ Lassen wir das! Ich frage Dich statt dessen, wie die New Yorker Kunstausstellung heißt, in der vorwiegend Werke zeitgenössischer Maler zu sehen sind.
Fernanda: »Mama«.
Nun, strenggenommen ist es die MOMA, aber ich glaube, das können wir gelten lassen. – Fernanda und Renato, ich bin stolz auf euch! Tschüss!
Morgen rufe ich wieder an. Mir liegt da noch eine Frage aus dem Bereich Populärkultur auf der Seele: Wie hieß noch mal die amerikanische Rockgruppe, die als eine der ersten Hippie-Bands im Kalifornien der späten 1960er Jahre große Erfolge feierte? Ich komm’ einfach nich’ drauf!
(Josef Bordat)






