Über das Bloggen

6. Mai 2011

Der 750. Beitrag auf Jobo72′s Weblog soll sich mit dem beschäftigen, was hier passiert: Bloggen. Ist Bloggen wirklich ein spiritualitätsfeindlicher Egotripp, wie Pater Federico Lombardi beim ersten internationalen Bloggertreffen in Rom am Rande seines Vortrags „in einem halben oder auch ganzen Nebensatz“ andeutete, wie von denen berichtet wird, die dabei waren? – Einige Gedanken dazu, auch als Beitrag zur blogozesanen „Ego-Debatte“ (Elsa).

1. Ist Bloggen egozentrisch?

So ein Blog zu betreiben ist Arbeit und Mühe. Der Lohn besteht sicher auch in der Wahrnehmung von Seiten der Kolleginnen und Kollegen, im Zuspruch der Leserschaft, in den Zugriffszahlen. Keine Frage: Ich freue mich über positive Rückmeldungen und Anerkennung. Die Wertschätzung, die sich in Auszeichnungen manifestiert, macht mich schon ein wenig stolz. Aber egoistisch? Ich hoffe nicht!

Ich glaube, ich kann guter Hoffnung sein: Ich empfinde keine Missgunst gegenüber anderen, weit erfolgreicheren Blog-Projekten, sondern freue mich, wenn katholische Inhalte in der „Blogosphäre“ breiten Raum einnehmen. Gerade die starke Vernetzung innerhalb der Blogozese und das freundschaftliche Miteinander zeigen mir, dass es anderen ebenso geht. Wir wissen letztlich alle: Nur gemeinsam sind wir stark. Und: Katholisches Bloggen hat immer auch einen Verkündigungsaspekt, der unabhängig vom messbaren Erfolg einen Wert hat. Insoweit trägt jede und jeder in der Blogozese zum pastoralen Erfolg bei.

Dennoch ist der „Ego-Tripp“ eine Art Damoklesschwert des Web 2.0, zu dem auch die Blogs gehören. In seiner Botschaft zum 45. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel hat Papst Benedikt XVI. unter dem Titel „Wahrheit, Verkündigung und Authentizität des Lebens im digitalen Zeitalter“ auch zu der Gefahr Stellung bezogen, „das eigene Image konstruieren zu wollen“, was wiederum „zur Selbstgefälligkeit verleiten kann“.

Dass die Offenheit und der Mitteilungswille nicht in Redseligkeit oder gar in Formen der Belästigung ausartet, dafür muss die vom Papst geforderte „Nachdenklichkeit“ sorgen. Und die bringt dann die Bescheidenheit mit sich und verhindert allzu große Selbstsucht.

Benedikt schreibt uns das ins Stammbuch: „Ich möchte jedenfalls die Christen dazu einladen, sich zuversichtlich und mit verantwortungsbewußter Kreativität im Netz der Beziehungen zusammenzufinden, das das digitale Zeitalter möglich gemacht hat. Nicht bloß um den Wunsch zu stillen, präsent zu sein, sondern weil dieses Netz wesentlicher Bestandteil des menschlichen Lebens ist. Das Web trägt zur Entwicklung von neuen und komplexeren Formen intellektuellen und spirituellen Bewußtseins sowie eines allgemeinen Wissens bei. Auch in diesem Bereich sind wir aufgerufen, unseren Glauben zu verkünden, daß Christus Gott ist, der Erlöser des Menschen und der Geschichte, in dem alle Dinge ihre Erfüllung finden (vgl. Eph 1, 10). Die Verkündung des Evangeliums verlangt eine respektvolle und unaufdringliche Form der Mitteilung, die das Herz anrührt und das Gewissen bewegt; eine Form, die an den Stil des auferstandenen Jesus erinnert, als er sich zum Weggefährten der Jünger von Emmaus machte (vgl. Lk 24, 13-35), die er schrittweise zum Verständnis des Geheimnisses führte durch seine Nähe, durch sein Gespräch mit ihnen und dadurch, daß er feinfühlig sichtbar werden ließ, was in ihren Herzen war.“

2. Ist Bloggen spiritualitätsfeindlich?

Der Anfangsverdacht besteht, denn zumindest scheint es „unmarianisch“ zu sein, denn: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ (Lk 2, 19). Von unserem großen spirituellen Vorbild heißt es, dass sie „bewahrte“ und „nachdachte“, nicht aber „hinausposaunte“.

Doch spontan und unreflektiert sein Gefühlsleben nach außen zu drücken, darum geht es in der Blogozese nur ganz selten. Denn das Nachdenken gehört untrennbar zum katholischen Bloggen dazu, soweit waren wir schon. Insoweit lehnt sich der katholische Blogger in diesem Punkt an die Gottesmutter an. Dass er nicht „bewahrt“, mag man ihm ankreiden, doch hier setzt der apostolische Gedanke ein, der für unsere Kirche eben auch bedeutend ist: Die gute Nachricht zu übermitteln, von der das Herz bis zum Platzen gefüllt ist, sollte auch als wichtiger Teil christlicher Spiritualität begriffen werden.

Daraus entwickeln katholische Blogs ihre Kraft und erhalten damit zugleich ihren Wert: Sie betreiben wertvolle Aufklärungsarbeit in einer Medienwelt, die weitgehend nicht einmal über sich selbst aufgeklärt ist, geschweige denn über die Welt aufklärt. Der Gang der Blogger an die Öffentlichkeit ist denn auch nicht einem Willen zum Ausverkauf der eigenen Seele geschuldet, sondern der Sorge um Glaube, Kirche und Gesellschaft. Und da sollte man durchaus den Mund aufmachen dürfen, das hat Jesus auch getan. Dass sich das Engagement der katholischen Blogger dennoch auch in persönlicher Betroffenheit zeigt, finde ich eher positiv. So nehmen die katholischen Blogs eine Position ein zwischen subjektiven Tagebüchern und objektiven Abhandlungen. Ich finde das eine sinnvolle Position, die überzeugend die Botschaft Christi in die virtuelle Welt trägt.

Für das Bloggen gilt daher wohl, was für die virtuelle Pastoral der Kirche im Web 2.0 insgesamt gilt: Für den Erstkontakt zu am Glauben Interessierten, für Diskussionen mit Nicht-Glaubenden, zur Vorbereitung von Aktionen und zur Vernetzung ist es ein großartiges Instrument. Doch die Tatsache, dass Menschen ihr Heil neuerdings vermehrt im Netz suchen und man die Suchenden mit Blogs hervorragend erreichen kann, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es letztlich das „richtige“ Leben mit seinen persönlichen Beziehungen ist, in dem Glaube entsteht und sich entfaltet. Der weitgehend anonymisierte Austausch im Internet stellt diesbezüglich keine gute Entwicklung dar, die unsere Kirche nicht noch dadurch unterstützen sollte, dass sie ihr Handeln allzu sehr auf diesen Modus der Begegnung verlagert. Wir alle wissen: Katholizismus lebt nicht zuletzt auch von Sinnlichkeit, die im Netz verloren geht. Liturgie lässt sich nicht virtualisieren. Mit anderen Worten: Der Mensch lebt nicht vom Blog allein.

(Josef Bordat)

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