Mario Vargas Llosa. Der kirchenfreundliche Agnostiker
31. August 2011
Religion ist in einer demokratischen Gesellschaft nicht nur zulässig, sondern unentbehrlich.
Mario Vargas Llosa
Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa lebt seit langem in Spanien und schreibt u. a. Kolumnen für die Tageszeitung El País. Zuletzt äußerte er sich zum Weltjugendtag in Madrid. Überraschend positiv. Er, der in seinen Romanen oft genug Kirchenkritik und Religionsskepsis durchblicken ließ, habe sich über die vielen jungen Christen gefreut, die ernsthaft ihren katholischen Glauben leben. Denn dieser sei unverzichtbar, bilde er doch ein Gegengewicht zum Verhaltensmuster eines Durchschnittsmenschen unserer Tage: Gier, Egoismus, Korruption. Die Kirche liefere da ein „moralisches Gerüst“, dass auch denen zu einem besseren Leben verhelfen könne, die sich nicht in allen Punkten an den Inhalten der Lehre orientieren wollten.
Mario Vargas Llosa lässt sich nicht festlegen. Nicht, dass der Literaturnobelpreisträger auf die Worte des Papstes hörte, aber er erkennt ihn als intelligenten Diskursbeiträger an. Nicht, dass er an Sendung und Lehre der Kirche glaubte, doch er verweist auf ihren Wert für die Moralität in einer sittlich verlotterten Gesellschaft. Nicht, dass er die Autorität der Kirche achte, doch dass sie überhaupt mit einer unangebiederten Autorität aufzuwarten versucht, das findet er gut.
Nicht, dass ich wiederum dieses funktionalistische Kirchenbild gut fände (dass Vargas Llosa mit dem Wunsch nach „mehr interner Demokratie“ noch weiter in Richtung Weltlichkeit verzerrt), aber es zeigt doch, dass es möglich ist, etwas wertzuschätzen, das man selbst weder gänzlich versteht noch in allen Einzelheiten teilt. Und das ist heute überhaupt nicht selbstverständlich. Zumal in Spanien.
(Josef Bordat)