Zum neuen Jahr
31. Dezember 2011
Gott ist die Zukunft.
Bettina von Arnim
Das Angesicht Gottes
31. Dezember 2011
Dem Angesicht Gottes wollen wir uns anvertrauen
auch im neuen Jahr
und uns von ihm anschauen lassen
mit den Augen der Liebe.
Das Angesicht Gottes können wir suchen
wie einen Ruheplatz für die Seele
in aller Bedrängnis des kommenden Jahres.
Das Angesicht Gottes kann uns aufleuchten,
wenn wir zu ihm aufschauen
an jedem Tag des neuen Jahres.
Das Angesicht Gottes soll uns begleiten
als Schutz und Schild
durch alle Tage des kommenden Jahres.
Paul Weismantel
Weg des Vertrauens. Nächste Schritte in 2012
31. Dezember 2011
Unser Pilgerweg des Vertrauens [endet] nicht in Berlin, sondern er geht weiter. Vier der nächsten kleineren oder umfangreicheren Etappen möchte ich hier eigens nennen.
Das 3. Internationale Jugendtreffen in Afrika findet vom 14. bis zum 18. November in Ruanda, in Kigali, statt.
Es ist wesentlich, zu neuer Solidarität zwischen Afrika und Europa zu finden, zu einer wirklichen Partnerschaft, gegenseitigem Aufeinander-Hören. Ruanda trägt noch die Spuren eines Bürgerkriegs, aber das Land wird wieder aufgebaut und entfaltet sich von neuem. In Taizé wird es in jeder Woche Vorbereitungstage für alle geben, die am Treffen in Kigali teilnehmen möchten.
Am 2. März werden wir zusammen mit einer internationalen Gruppe Jugendlicher mit den Verantwortlichen des ökumenischen Weltkirchenrates beten, dem mehrere Hundert orthodoxe, anglikanische, evangelische und unierte Kirchen angehören.
Um die orthodoxe Kirche besser kennen zu lernen, werden wir, nachdem wir an Ostern dieses Jahres auf einem Pilgerweg in Moskau waren, mit Jugendlichen verschiedener Erdteile vom 3. bis 6. Januar 2013 das Fest der Erscheinung des Herrn, Epiphanias, mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus und den Christen der Stadt Istanbul feiern.
Und wo wird schließlich unser nächstes Europäisches Jugendtreffen stattfinden? Dieses Mal werden wir in Südeuropa erwartet. In einem Jahr, von 28. Dezember 2012 bis zum 2. Januar 2013 gehen wir nach Italien, in die Stadt Rom.
Alois Löser (Frère Alois)
Papst Silvester I.
31. Dezember 2011
Am letzten Tag des Kalenderjahres gedenkt die Kirche dem Heiligen Papst Silvester I., dessen Amtszeit (314-335) in eine weltgeschichtliche Umbruchsphase fällt. 313 hatte der römische Kaiser Konstantin im Toleranzedikt von Mailand Religionsfreiheit garantiert und damit das Christentum, das sich überall im Reich ausgebreitet hatte, offiziell anerkannt. 325 wurde auf dem Konzil von Nicaea, an dem Silvester nicht teilnahm, sich aber vertreten ließ, das erste Glaubensbekenntnis formuliert.
Über das Leben und Wirken Silvesters ist nur wenig bekannt, es fehlt jeder schriftliche Nachlass. Die Legenda Aurea berichtet davon, dass Silvester den kranken Konstantin geheilt und getauft und dieser der Kirche zum Dank zahlreiche materielle und immaterielle Privilegien zugesprochen habe (die so genannte „Konstantinische Schenkung“). Dies entspricht aber nicht der historischen Wahrheit, wie bereits im späten Mittelalter von Nikolaus von Kues und Lorenzo Valla nachgewiesen wurde.
Silvester starb am 31. Dezember 335. Sein Leichnam wurde in der Priscillakatakombe an der Via Salaria Nova in Rom beigesetzt. Silvester wurde 813 in den Kirchenkalender aufgenommen. In der sakralen Kunst wird er mit Attributen und in Situation dargestellt, die der Legende entnommen sind, etwa mit Buch und Tiara als vom Kaiser verliehenem Ehrenzeichen, mit dem wiederbelebten Stier und dem gebundenen Drachen, bei der Taufe Konstantins, bei der Beisetzung der Petrusreliquien oder auch bei der Verehrung des von Helena, der Mutter Konstantins, aufgefundenen Kreuzes. Silvester ist Patron der Haustiere, für eine gute Futterernte und selbstverständlich für ein gutes neues Jahr.
Das wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, von ganzem Herzen! Alles Gute und Gottes Segen für 2012!
(Josef Bordat)
Frère Alois und der abhängige Gott
30. Dezember 2011
Ein Gastbeitrag von Marcus, der mit dem C als Kommentar zu Katechese mit Frère Alois
Im Altertum gab es die Vorstellung, dass Götter die gleichen Bedürfnisse haben wie Menschen und man ihnen Opfer darbringen müsse, um sie zu nähren, oder sie aus der Anbetung genährt würden und eingehen, wie eine ungegossene Pflanze, wenn die Anbetung ausbliebe. Hier verweise ich beispielhaft auf Psalm 115.
Ich bestreite nicht, dass sich Gott in der Geburt Jesu Christi sich uns gleich außer der Sünde gemacht hat. Aber er legte seine göttliche Natur nicht ab, er entsagte nicht seiner Allmacht, auch nicht auf der Schädelhöhe, sondern opferte sich trotz seiner Allmacht für uns auf.
Der Wunsch Gottes, dass seine Kreaturen ihn lieben begründet keine Abhängigkeit Gottes von den Menschen, sondern ER der Bedürfnislose bietet sich uns, den Bedürftigen als Objekt unseres Sehnens an, in dem er sich uns zuneigt und Zuneigung schenkt.
Die Würde des Menschen ergibt sich aus der Ebenbildlichkeit der Kreatur zum Schöpfer und der uns durch die Kreation geschenkte Fähigkeit zum freien Willensentscheid und der Entscheidung zur Liebe und damit der Entscheidung der Kreatur für Gott.
In meinen Augen nimmt Gott Anteil am Schicksal der Menschen, ist aber nicht in einer freiwillig gewählten Schicksalsgemeinschaft gefangen, die bei ihm ein essentielles Bedürfnis befriedigt. Ich würde es als eine Herabwürdigung der bedingungslosen Liebe Gottes zu seinen Kreaturen sehen, wenn eine Angewiesenheit Gottes auf die Liebe durch die Menschen postuliert wird.
Leider bin ich in der Patristik überhaupt nicht firm, aber ich hege meine Zweifel, dass einer der Kirchenväter dieses auch nur entfernt ähnlich sähe wie Frère Alois. Mir scheint die Erklärung von Frère Alois ein fehlgeleiteter Versuch zu sein, in einer Gesellschaft, die vom Nehmen und (Konsum-)Befriedigung bis ins Innerste geprägt ist, eine derart selbstlose Liebe wie Gottes Liebe zu vermarkten. Denn mit einer postulierten Abhängigkeit Gottes von menschlicher Liebe wäre erst eine in heutiger Zeit vermittelbare Win-Win Situation entstanden.