Ökumenischer Gottesdienst vor dem Rathaus Schöneberg

Seit 2003 versammeln sich Christinnen und Christen aus verschiedenen Schöneberger Gemeinden am Pfingstmontag um 11 Uhr vor dem Rathaus Schöneberg zum ökumenischen Gottesdienst. Katholiken, Protestanten und Orthodoxe feiern den, der sie begeistert. Und tragen ihre Begeisterung in die Welt, vor die Repräsentanz des Bezirks. Das ist keine Kampfansage der Kirche an den Staat, sondern ein Zeichen, dass Christen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, in ihrem Kiez, in der Stadt Berlin und darüber hinaus.

Die Losung des Tages lautet: „Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ (Apostelgeschichte 1, 8). Bis an die Grenzen der Erde. Also auch nach Berlin-Schöneberg. Die Vertreter der Gemeinden tragen den Vers in ihrer Landessprache vor und stellen jeweils eine Blume in die Vase auf dem Alter. Wir sind alle Gewächse aus dem Garten Gottes. Ein schönes Bild.

Als besonders gelungen habe ich die Predigt des Rev. Stephan M. Kienberger von der American Church in Berlin empfunden, der Bezug nahm auf den Ort des Geschehens, den John- F.-Kennedy-Platz vor dem Schöneberger Rathaus. Genau dort habe der damalige US-Präsident seine berühmte Rede gehalten („Ich bin ein Berliner!“). Kennedy habe die Stadt Berlin als „Insel der Freiheit“ bezeichnet.

Auf einer Insel, so erzählt Rev. Kienberger aus seinen Erfahrungen als Pastor in der Karibik, könne es passieren, dass man einem Fremden begegne, der sich hinterher als Verwandter entpuppt. So gehe es auch den Christen, nicht nur, aber vor allem in Berlin: Sie mögen sich nicht kennen, einander fremd sein, doch sind sie verwandt – Schwester und Brüder in Christus. Ein zweiter Gedanke schließt sich an: Der christliche Glaube sei von Anfang an und nach wie vor persönlich, doch ebenso von Anfang an und nach wie vor nicht privat. Er dringt nach außen, in den öffentlichen Raum, durch das, was wir Mission nennen. Damit die Geschichte von Ostern und Pfingsten weitergeht. Dabei komme es, so Rev. Kienberger, weniger auf das stolze Lippenbekenntnis an, sondern vielmehr auf den glaubwürdigen, ansteckenden Lebensstil.

So ist es gut, dass wir Schöneberger Christen vor unser weltberühmtes Rathaus ziehen und damit Präsenz zeigen im Kiez. Und es ist gut, dass wir es gemeinsam tun, über alle Sprach- und Kulturgrenzen hinweg, auch wenn der Blumenstrauß, der zu Beginn der Feier arrangiert wurde, nicht so ganz den Gesetzen der Harmonielehre gehorchen will. Vor allem aber ist es gut, dass wir einander konkret beistehen; die Kollekte geht in diesem Sinne an die Christen in Syrien, die es mehr als schwer haben, geraten sie in den Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten doch immer wieder zwischen die Fronten – ganz konkret soll ein christliches Waisenhaus in der Stadt Homs unterstützt werden. Die syrischen Geschwister bedankten sich mit einem Pfingstgebäck.

Das Glaubensbekenntnis, in den Schlag der Freiheitsglocke hinein gesprochen, zeigt an diesem Pfingstmontag eindrucksvoll die Verbundenheit dieses bunten Haufens. Im nächsten Jahr geht die gemeinsame Reise der fremden Verwandten weiter – Pfingstmontag, 11 Uhr, vor dem Rathaus Schöneberg.

(Josef Bordat)

Chorkonzert im Rahmen der Nacht der Offenen Kirchen

Ein besonderer Höhepunkt der 12. Nacht der offenen Kirchen war das Chorkonzert des Internationalen Konvents Christlicher Gemeinden (IKCG) im Berliner Dom. Der IKCG ist der Verband fremdsprachiger Kirchen und Missionen in Berlin und Brandenburg, der vor 30 Jahren ins Leben gerufen wurde. Ihm gehören 35 Gemeinden an. Mit seiner Arbeit hat der IKCG in den letzten Jahrzehnten einen wesentlichen Anteil an der gelungenen Integration christlicher Migranten in Berlin.

Nicht, dass die völkerverbindende Wirkung der Musik noch eines Beweises bedurft hätte, doch das Chorkonzert lieferte ihn. Die sechs Chöre brachten ein ebenso brillantes wie besinnliches Programm zu Gehör – in dem erhebenden Ambiente des Berliner Doms ein spiritueller Hochgenuss. Beteiligt waren: Serafimi (Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde, Foto oben) unter der Leitung von Simeon Sekulic, Victoriaförsamlingens kyrkokör (Schwedische Victoriagemeinde) unter der Leitung von Claes Sandström, Mor Jacub (Syrisch-Orthodoxe Gemeinde) unter der Leitung von Abuna Murat Üzel, der Chor der Chinesischen Christlichen Gemeinde Berlin unter der Leitung von Yu-Hsin Cheng, Heiliger Stefan Dečanski (Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde, Foto unten) unter der Leitung von Ljiljana Šurdilović und der Chor der Evangelischen Koreanischen Gemeinde in Berlin unter der Leitung von Kim Chung-Shin (Foto Mitte).

Das Chorkonzert machte einiges deutlich: Wie vielfältig ist die Christenheit, auch und gerade in Berlin, wie wichtig ist die Musik in der Liturgie und wie schön ist es, dass es im September das nächste Konzert der Chöre der IKCG-Gemeinden geben wird, dann mit noch breiterer Beteiligung.

(Josef Bordat)

Eröffnungsgottesdienst der 12. Nacht der Offenen Kirchen in Berlin

Vom Pfingstsonntag auf den Pfingstmontag fand auch in Berlin wieder die fast schon traditionelle Nacht der Offenen Kirchen statt.

 Der Heilige Geist als weiße Taube in der Kuppel des Berliner Doms.

Den Auftakt der Veranstaltung bildete um 18.00 Uhr ein ökumenischer Pfingstweg (Motto: „Keine Mauern um Europa!“) vom Brandenburger Tor zum Berliner Dom, wo dann gleich im Anschluss der ökumenische Eröffnungsgottesdienst gefeiert wurde.

 Gut besucht: Der Gottesdienst zum Auftakt der Nacht der Offenen Kirchen.

An diesem nahmen u. a. der evangelische Landesbischof Dröge, der katholische Erzbischof von Berlin, Kardinal Woelki, sowie der orthodoxe Bischof Vasilios von Aristi teil.

(Josef Bordat)

Laien in der Kirche

24. Mai 2012

Gestern Abend war ich auf einer Veranstaltung zum Thema „Laien in der Kirche“ in einer Wilmersdorfer Pfarrei. Die Referentin hielt einen gut strukturierten, hochinformativen und dennoch nicht überfrachteten Vortrag über die Kirchengeschichte aus der Perspektive der Dualität von Klerus und Laien bzw. Kirchenvolk. Der Schwerpunkt der Ausführungen lag auf der Situation in Deutschland seit der Revolution von 1848, behandelte also die Rolle der Laien im Rahmen der Katholischen Soziallehre, des politischen Katholizismus’ (Zentrumspartei), des Kulturkampfs, der Demokratisierung nach den Weltkriegen und der pastoralen wie liturgischen Praxis nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Hervorragend. – Die letzten fünf Minuten galten der Zukunft und es kam erwartungsgemäß alles auf den Tisch des Hauses, was das organisierte Laientum Deutschlands seit zwanzig, dreißig Jahren bewegt. Bei „Pflichtzölibat“ und „Priestermangel“ habe ich abgeschaltet. Allein zwei Fragen drängten sich mir dazu am Ende auf:

1. Wenn man doch – wie die Referentin – so gut erkannt hat, dass die verfasste katholische Laienschaft ein deutscher Sonderweg ist, begünstigt durch die religionspolitische Situation und das Vereinsrecht im Deutschland des 19. Jahrhunderts, und im 99-Prozent-Rest der Weltkirche sich alles ganz anders darstellt, wie kann man dann erwarten, dass sich Rom an Deutschland orientiert, nicht aber an der Welt? Wie kann man das erwarten, ohne sich dem Verdacht auszusetzen, eine Nationalkirche begründen zu wollen, in der Dinge realisiert werden können, die Rom mit Rücksicht auf die paar hundert Millionen Katholiken in Lateinamerika, Afrika und Asien partout nicht absegnen will? Wie kann man das erwarten, wenn man zugleich weiß, dass in China in den nächsten 50 Jahren doppelt bis dreimal so viele Menschen katholisch werden wie es in Deutschland derzeit sind, und wenn man darüber hinaus zumindest erahnen kann, dass sich diese Menschen nicht wegen eines mächtigen Zentralkomitees der Kirche zuwenden? Wie geht das?

2. Wenn man zudem – wie abermals die Referentin – so bestechend genau aufweist, wie verheerend es sich für die Kirche ausgewirkt hat, wenn diese sich an die jeweilig vorherrschende Kultur und Sittlichkeit der Gesellschaft angepasst hat und welche erstaunlichen Kräfte die Kirche (gerade auch der Laienstand) in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist entwickelt hat – vom Heiligen Franz von Assisi bis zu Ludwig Windthorst –, wie kann man dann fordern, die Kirche solle heute möglichst „modern und zeitgemäß“ sein, sich also an der heute vorherrschenden Kultur und Sittlichkeit der Gesellschaft orientieren und jede Widerborstigkeit aufgeben? Soll die Kirche denn nichts aus ihrer Geschichte lernen und wirklich nur noch vor Interessen bestehen, die sich aktuell und partikular einstellen, nicht aber vor einer moralischen Wahrheit, deren Ursache weder deutsch noch zeitgemäß ist, sondern überall und ewig? Zu Pfingsten sollte es hier klingeln.

Überhaupt: Es ist erstaunlich, dass gerade in einem Land, in dem vor gar nicht allzu langer Zeit Dinge modern waren, für die wir uns heute in Grund und Boden schämen – vor allem schämen sich die Christen, aus deren Reihen damals viele ganz besonders zeitgemäß waren! –, dass sich also hierzulande das Moderne eine solche Vormachtstellung in der theologischen Moraldebatte hat erkämpfen können: Wer „modern“ sagt, hat Recht. So als habe „modern“ einen positiven moralischen Eigenwert und sei daher zwingend das unhintergehbare Prinzip jeder normativen Ethik. Die Folge: Wer sagt, X sei „modern“, ist für die Aufnahme von X in die ethischen Leitlinien seiner Handlungspraxis nicht weiter begründungspflichtig. Es geht in der Moral offensichtlich nicht mehr um gut und böse, sondern allein darum, dass etwas „modern“ und „zeitgemäß“ ist. Offenbar sind „gut“ und „böse“ nicht mehr modern. Und schon gar nicht zeitgemäß.

Damit wir uns recht verstehen: Auch ich bin Laie in der Kirche. Doch erstens reise ich gern und zweitens betrachte ich das, was wir modern nennen, nach ethischen Prinzipien, die keinem Verfallsdatum unterliegen. Das ist nicht besonders zeitgemäß. Aber katholisch. Dachte ich zumindest.

(Josef Bordat)

Neues vom KathKlub

14. Mai 2012

Am Samstag gab es in Berlin drei wichtige Ereignisse: Das DFB-Pokalfinale der Frauen, das DFB-Pokalfinale der Männer und den KathKlub – für Frauen und Männer. Während auf dem grünen Rasen des Berliner Olympiastadions alles nach Geschlecht fein säuberlich getrennt ablief, bezog der KathKlub gerade seinen Reiz aus der Begegnung von katholischen Singles beiderlei Geschlechts.

Diesmal – so der Veranstalter Carlo Murru in seinem Eröffnungsstatement – waren Frauen und Männer auch annähernd gleichverteilt, während bei der Premiere die Damen eindeutig in der Überzahl waren. Diesmal also echte „Chancengleichheit“, dazu eine dreistellige Zahl an gutgelaunten Gästen. Die Veranstaltung „entwickelt sich“, das fand auch Pater Jan Kulik OP, bevor er der Partygemeinde den Segen spendete.

Und: Die Geschichte der Singleparty für Katholikinnen und Katholiken, kurz: KathKlub, geht weiter. Nach der Premiere im Februar und der Neuauflage am Samstag wird es – schon mal vormerken! – am 10. November 2012 einen dritten KathKlub geben. Damit ist das Veranstaltungsformat auf einem guten Weg, sich in der katholischen Sphäre der Hauptstadt zu etablieren.

Bleibt die Frage nach den Resultaten. Beim Fußball war das Bild geteilt: Bei den Frauen gewann der FC Bayern, bei den Männern gewann nicht der FC Bayern. Und beim KathKlub? Da hatten wieder einmal beide – Frauen und Männer – die Chance, am Ende Gewinner zu sein, weil sie neue Bekanntschaften machen konnten, sich neue Freundschaften anbahnten und vielleicht ja der Partner für’s Leben unten den Gästen war. Und wenn (noch) nicht, dann gilt die alte Fußballerweisheit: Nach dem KathKlub ist vor dem KathKlub.

(Josef Bordat)

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