Auf geht’s!

Unsere beiden Haus- und Hofeichhörnchen sind heute während des Frühstücks, also: während unseres Frühstücks, pausenlos am Baum vor unserem Wohnzimmerfenster hoch und runter geklettert.

Gleich hab’ ich Dich!

Vielleicht kann ein Zoologe ein solches Verhalten evolutionsbiologisch erklären, vielleicht gibt es eine sozialwissenschaftliche Dissertation zum Thema Kletternde Eichhörnchen, die ich fahrlässig übergehe, doch für mich sah das Ganze wie Frühsport aus. Für meine Frau übrigens auch.

Ja! – Hab’ Dich!

Als dann Nachbars Skye Terrier mit der Jogi-Löw-Frisur auftauchte, um die Laktatwerte zu besprechen, war die Sache klar. – Viel Erfolg, ihr beiden!

(Josef Bordat)

Lehrreich

7. Mai 2012

Der Tatort gestern Abend (Die Ballade von Cenk und Valerie, Buch und Regie: Matthias Glasner) war auf seine Art sehr lehrreich. Spannend ist es ohnehin, wenn der deutsche James Bond mit Migrationshintergrund ausweglose Situationen meistert. Ein ästhetischer Genuss ist die hervorragende Hauptdarstellerin (Corinna Harfouch), witzig die teils absurden Dialoge, anregend die moralischen Dilemmata, die alle drei Minuten aus der Handlung hervorsprießen. Darf man Leben gegen Leben abwägen oder die Sicherheit eines Menschen gegen die Stabilität einer Gesellschaft? Darf man Mittel bereitstellen, die Gier der Menschen zu kanalisieren (und sich dabei an die Spitze der Gierigen stellen)? Wie soll man umgehen mit Verwerflichkeit ohne Verantwortungsbewusstsein, wenn das nicht an der Verantwortung, sondern am Bewusstsein liegt?

Man lernt eine Menge: Psychologen sind manchmal emotional vorbelastet und kommen so zu schrägen Einschätzungen ihrer Patienten, die das, emotional vorbelastet nämlich, gerade nicht sind, Trader sind ziemlich skurrile Typen fern jeder nur erdenklichen Realität – doch irgendwie nicht unsympathisch, in ihrer abgezockt-souveränen Art (zu erkennen, dass die nur aufgesetzt ist, bedarf des rationalen Regulativs der Lebenserfahrung), beim Arzt kommt man schneller dran mit vorgehaltener Waffe, Moralpädagogik hat eine wichtige Funktion – wenn sie versagt, verschwimmen Gut und Böse nolens volens zu einem Amalgam der Perversion, Liebe wirkt stärker als Loyalität und – last but not least – seltene Krankheiten machen sich immer hervorragend, eine an und für sich groteske Geschichte glaubhaft zu entwickeln. Beste Tatort-Unterhaltung.

Ach, so: Tschüss, Mehmet Kurtuluş! Der Darsteller des am Ende exekutierten verdeckten Ermittlers der Hamburger Polizei, Cenk Batu, hört nach nur sechs Folgen beim Tatort auf. Im Herbst übernimmt Til Schweiger. Warum? Das habe ich gestern Abend nicht gelernt.

(Josef Bordat)

Der letzte Schrei

3. Mai 2012

Dieses Gemälde des norwegischen Malers Edvard hat sicher jede und jeder schon mal gesehen: Der Schrei. Bei einer Kunstauktion in New York ist nun das letzte der vier Versionen versteigert worden, für 120 Millionen Dollar (90 Millionen Euro). Damit ist Der Schrei der neue Spitzenreiter in der Rangliste „Die teuersten Gemälde der Welt“.

Interessant ist der Künstler. Edvard Munch zählt zu den bedeutendsten Wegbereitern des Expressionismus in Europa. Seine zahlreichen Gemälde sind im Munch Museet in Oslo zu bestaunen, das 1963 – zum 100. Geburtstag des Künstlers – eröffnet wurde.

Munch hatte das, was man wohl eine schwere Kindheit nennt: Als er fünf ist, stirbt die Mutter und mit 14 muss er die Tuberkolose-Erkrankung und den Tod seiner älteren Schwester erleben. Als Munch 27 ist, stirbt schließlich auch sein Vater.

Mit der Malerei versucht er, diese Erfahrungen zu verarbeiten. Seine Bilder zeigen Weltangst, Einsamkeit, Melancholie, Krankheit und Tod. Der Schrei ist ein Schrei der Verzweiflung, einer Verzweiflung, die Munch des öfteren überwältigt hat, denn zu seiner schwierigen Biographie tritt eine manisch-depressive Psychose hinzu.

Dennoch begab sich der schwerkranke Maler nicht in therapeutische Behandlung. Eine Therapie, so fürchtete er, könne seine enorme Schaffenskraft auslöschen. Munch sagt: „Ich möchte diese Leiden behalten, sie sind Teil von mir und meiner Kunst. Ohne Angst und Krankheit wäre mein Leben wie ein Boot ohne Ruder.“

Kreativität aus dem Leiden gezogen, wie Honig aus der dornigen Rose. Eine Strategie, die von nicht wenigen Künstlern wie Munch verfolgt wurde, bei denen außergewöhnliche Begabung und geistige Verwirrung, Genie und Wahnsinn, in nachbarschaftlicher Nähe lagen. Eine Strategie, die neben dem reichhaltigen Ausstoß an hochwertiger Kunst in erster Linie dazu diente, den Geist vor dem Zerfall zu bewahren. Eine Strategie, die in ihrer heroischen Haltung zur romantischen Verklärung der psychischen Krankheit ebenso beitrug wie zu der wichtigen Erkenntnis, dass Kunst und kreatives Tun einen bedeutenden Aspekt jedes ganzheitlichen Heilungskonzepts darstellen.

Kreativität als Ausweg aus der Krise, künstlerische Aktivität als Teil der Therapie. Heute ist dies selbstverständlich: Zeichnen, Malen, Tanzen, Musizieren und Schreiben sind anerkannte Therapieformen. Im 19. Jahrhundert wehte in der Psychiatrie aber noch ein anderer Wind. Munch erkannte, dass ihm die selbstverordnete Kunsttherapie mehr helfen würde als das damals übliche „psychotherapeutische“ Krankenhausprogramm.

Das Ergebnis ist damals wie heute: Psychiatrische Patienten profitieren von der künstlerischen Aktivität – und Liebhaber von ihrer in der Therapie geschaffenen Kunst. Manches therapeutisch gemalte Bild gelangt in die Galerie und erzielt Spitzenpreise. So wie der letzte Schrei.

(Josef Bordat)

Palmdonnerstag

26. April 2012

Impressionen aus Katalonien.

***

Eigentlich schade, dass es morgen schon wieder zurück nach Berlin geht. Obwohl es dort ja auch Palmen gibt.

(Josef Bordat)

Neulich, am Bahnhof

26. April 2012

Dass man mit Fußballclubs, die nach Supermärkten benannt sind und große Schwächen im Abschluss vom Elfmeterpunkt offenbaren, hier nur wenig anfangen kann, ist das eine Phänomen im Nordosten Spaniens.

Dass man an allen Ecken und Enden der Forderung nach „Unabhängigkeit“ Ausdruck gibt, das andere.

Beispiel:

Die spanische Regierung rechtfertigt die Baumaßnahmen an einem Regionalbahnhof: „Wir verkürzen Entfernungen, wir bringen Menschen zusammen.“ – Antwort der hiesigen Fahrgäste: „Independència“.

Tja. Da verstehe doch einer nur „Bahnhof“!

(Josef Bordat)

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