Wolfgang Ockenfels formuliert für den neu gegründeten Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) „Zehn Gebote für die Union“.

Christliche Existenz ist auch politische Existenz. Christen sollen auch säkular sein, ohne säkularistisch zu werden. Denn das Reich Gottes kann schon in die Welt hinein wirken, ohne dass damit der Anspruch verbunden werden darf, das Paradies auf Erden schaffen zu wollen. Das ist die feine Differenz von „in der Welt“ und „von der Welt“, die Jesus den Jüngern mit auf den Weg gibt. Christen sind nicht „von der Welt“, aber „in der Welt“. Christen sollen sich beispielsweise an Wahlen beteiligen.

Früher – im Drei-Parteien-System der Bonner Republik – gab es für Katholiken zur CDU bzw. CSU kaum eine Alternative. Jetzt ist das anders. Katholische Vordenker in der Union vermuten, dass das „C“ zu schwach profiliert ist innerhalb der „U“. Der am 16. November gegründete „Arbeitskreis Engagierter Katholiken“ in der CDU/CSU möchte diesen Trend stoppen und die Unionsparteien wieder für entschiedene Christen wählbar machen. Einige Mitbegründer des AEK haben sich zuvor publizistisch zu dem Thema geäußert (Martin Lohmann: „Das Kreuz mit dem C. Wie christlich ist die Union?“; Wolfgang Ockenfels: „Das hohe C. Wohin steuert die CDU?“ – beide Bücher sind im Wahlkampf-Sommer 2009 erschienen). Nun lassen die Autoren an der Seite namhafter katholischer Unions-Politiker wie Norbert Geis und Thomas Goppel sowie politisch und medial einflussreicher Kirchenmänner wie Notker Wolf OSB ihren Mahnungen Taten folgen. Die Union soll für Katholiken wieder zur ersten politischen Adresse werden.

Wolfgang Ockenfels, Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Trier, formulierte dazu auf der Basis des Dekalog einen politischen Rahmen, der die Entscheidungen der Union bestimmen sollte.

1.  Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollt keine anderen Götter haben neben mir haben.
Setze Partei und Staat nicht absolut, sie sind weder allwissend noch allmächtig. Misstraue auch der Mehrheit, sie ist nicht unfehlbar. Folge mehr deinem Gewissen als den Machtinteressen deiner Partei. Und orientiere dich an bleibenden Werten.

2.   Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
Wende dich gegen die blasphemische Herabsetzung Gottes und die Verunglimpfung der Gläubigen. Verteidige die Religionslehre. Missbrauche Gott und die religiösen Symbole nicht zu Zwecken politischer Macht.

3.   Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
Schütze den Sonntag und andere religiöse Feiertage vor den Interessen der Wirtschaft und der Freizeitindustrie. Verhindere, dass die legitimen Ausnahmen immer mehr zur Regel werden. Und halte den Sonntag frei als Zeit der Rekreation, der Danksagung und des familiären Lebens.

4.   Du sollst Vater und Mutter ehren.
Sorge für einen gerechten Ausgleich zwischen den Generationen. Stelle junge Familien rechtlich und finanziell besser als Singles und Kinderlose. Fördere die Wahrnehmung der Pflicht und des Rechts der Eltern, ihre Kinder zu pflegen und zu erziehen. Und unterstütze die familiäre Betreuung der Kranken und Alten.

5.   Du sollst nicht töten.
Achte das Recht des Menschen auf Leben von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Fördere den Frieden und meide Gewalt und Krieg. Und ziehe den Dialog der Gewaltanwendung vor.

6.   Du sollst nicht ehebrechen.
Verteidige die Institutionen von Ehe und Familie, sie sind grundlegend für den Staat und ihm vorgeordnet. Beende die Diskriminierung von Frauen, die sich als Mütter in besonderer Weise um die Kinder kümmern. Und sei nicht so mit deiner Partei oder deinem Amt „verheiratet“, dass deine Familie darunter leidet.

7.   Du sollst nicht stehlen.
Höre auf, Schulden zu machen auf Kosten späterer Generationen. Enteigne die Bürger nicht durch Inflationspolitik. Sorge für eine gerechte Steuerpolitik, die die Leistung nicht bestraft. Lass dich nicht bestechen und korrumpiere die Wähler nicht durch Wahlgeschenke.

8.   Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Bemühe dich um Objektivität in der Erfassung der Wirklichkeit. Versuche nicht, den Ernst der Lage schönzureden. Unterlasse wahrheitswidrige und rufschädigende Aussagen über deine Konkurrenten. Und verspreche nicht mehr, als du halten kannst.

9.   Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.
Schränke die öffentliche Schamlosigkeit ein und setze dem Zugang zur Pornographie Grenzen. Plädiere für eheliche Treue und missbrauche deine eigene Machtposition nicht zur sexuellen Ausbeutung von Abhängigen.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Erliege nicht der Verfügungsgewalt des Reichtums. Verhindere durch rechtliche Regeln allzu gewagte und kurzfristige Spekulationen. Sorge für die Transparenz der Geldanlagen und für die Haftung der Eigentümer. Und glaube nicht, dass der Staat der bessere Unternehmer sei.

 

Es obliegt jedem katholischen Christen, die Regierungspolitik in den nächsten vier Jahren an diesem Maß zu messen. Und wer aktiv werden möchte, sollte dem AEK beizutreten. Das ist kostenlos und geht übrigens auch ohne Parteimitglied zu sein.

(Josef Bordat)

Dreifaltige Weisheit

November 25, 2009

O Kraft der Weisheit, du zogst deine Bahn, umfingst das All auf dem einzigen Weg, der zum Leben führt. Drei Kräfte hast du, Flügeln gleich: Zur Höhe empor schwingt sich kraftvoll der eine, von der Erde her müht sich der zweite, und allüberall schwingt der dritte. Lob sei dir, Weisheit, würdig bist du allen Lobes!

Hildegard von Bingen

Frieden ist Weisheit

November 17, 2009

Die aber den Frieden empfangen haben, um ihn dem Volke zu verkünden, betrachteten die Weisheit selbst, soweit menschlichen Herzen zugänglich war, was weder ein Auge gesehen, noch ein Ohr vernommen, noch in eines Menschen Herz gekommen ist.

Augustinus

Wie ich den Kindern von St. Martin erzähle, der seinen Mantel teilt und die Hälfte einem nackten Bettler gibt, unterbricht mich ein Zuruf: „Der Bettler, das war Gott!“ Eine zweite Stimme: „Das hat Martin gut gemacht.“ Ich frage: „Wieso?“ und erhalte die Antwort: „Sonst wäre Gott erfroren.“

Klaus Hemmerle, Bischof von Aachen

Allerheiligen

November 1, 2009

Allerheiligen ist ein Fest, das uns Mut abfordert, aber auch Hoffnung eröffnet. Denn es verlangt, dass wir bereit sind, in den Alltag unserer Lebensgeschichte die Wirklichkeit eines ewigen, eines immerwährenden Tages einzubringen.

Allerheiligen stellt uns Menschen vor Augen, die befreit sind von all dem, was uns in diesem Leben bedrängt und belastet, und lässt uns so erahnen, dass gerade sie uns eine Menge zu sagen haben für unsere Wegsuche nach dem Sinn des Lebens, nach Vollendung, nach Glückseligkeit.

Allerheiligen will uns also Mut machen, ja zu sagen zu unserem Leben mit dem festen Vertrauen darauf, dass uns Gott in unserer Schwachheit mit seiner Gnade zu Hilfe kommt und dass er alles einmal zum Guten führen wird.

Wilhelm Schraml (Bischof von Passau)

Und noch etwas:

Die tiefe Bedeutung der Heiligen liegt darin, dass mit dem lebendigen Glauben der Toten der tote Glaube der Lebenden erneuert wird.

Josef Bordat