Beschleunigung erreichst du auf dem Platz nur durch Bewegung.

Christoph Daum

Auf geht’s!

Unsere beiden Haus- und Hofeichhörnchen sind heute während des Frühstücks, also: während unseres Frühstücks, pausenlos am Baum vor unserem Wohnzimmerfenster hoch und runter geklettert.

Gleich hab’ ich Dich!

Vielleicht kann ein Zoologe ein solches Verhalten evolutionsbiologisch erklären, vielleicht gibt es eine sozialwissenschaftliche Dissertation zum Thema Kletternde Eichhörnchen, die ich fahrlässig übergehe, doch für mich sah das Ganze wie Frühsport aus. Für meine Frau übrigens auch.

Ja! – Hab’ Dich!

Als dann Nachbars Skye Terrier mit der Jogi-Löw-Frisur auftauchte, um die Laktatwerte zu besprechen, war die Sache klar. – Viel Erfolg, ihr beiden!

(Josef Bordat)

Lateinische Fremd- und Lehnwörter in der Welt des Fußballs. Mit besonderem Gruß an Claudia.

Alemania
Die Alemannen waren ein westgermanischer Stamm, der erst in der Spätphase des Römischen Reichs (357 n. Chr.) unterworfen wurde. Name versch. Fußballvereine (z.B. Alemania Aachen).

Arminia
Von Arminius, einem Cheruskerfürsten, der auch als „Hermann“ bekannt ist und zunächst in der römischen Armee diente, ehe er zum Gegner Roms wurde und in der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.) die römischen Truppen unter Varus besiegte (daher sein Beiname Liberator Germaniae [=Befreier Germaniens]). Name versch. Fußballvereine (z.B. Arminia Bielefeld).

Assistenztrainer
Von assistire (=sich dazustellen, dabeistehen, beistehen) und von engl. to train, das sich wiederum vom lat. trahere (=ziehen) ableitet.

Atletico
Von athleta (=Wettkämpfer), ein von griech. athletos abgeleiteter lat. Begriff. Name versch. span. Fußballvereine (z.B. Atlético de Madrid).

Borussia
Von borussia, lat. Name von Preußen, der sich von boreus (=nördlich, im Norden gelegen) ableitet. Name versch. Fußballvereine (z.B. Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach).

Champion
Von spätlat. campio (=Kämpfer, Gladiator).

Champions-League
Von spätlat. campio (=Kämpfer, Gladiator) und ligamen (=Binde, Verband).

Concordia
Von concordia (=Eintracht, Harmonie). Name versch. Fußballvereine (z.B. Concordia Goch).

Defensive
Von defensare (=verteidigen).

FIFA
Abk. für Fédération International de Football Association (1904 in Paris gegr. Weltfußballverband; Sitz: Zürich). Von foederatus (=verbündet), das wiederum von foedus (=Vertrag, Bündnis) kommt, internatus (=dazwischen geartet; inter: zwischen, dazwischen und natus: geboren, geschaffen, geartet) und associare (=beigesellen; socius: gemeinsam, verbunden; die Vorsilbe a- bedeutet von, nach, hinsichtlich, in bezug auf und wirkt hier verstärkend).

Finale
Von finis (=Grenze, Ende, Ziel, Absicht, Gipfel)

Germania
Lat. Name für die röm. Provinz im Rheinland. Name versch. Fußballvereine (z.B. Germania Teveren).

Internazionale
Von inter: zwischen, dazwischen und natus: geboren, geschaffen, geartet. Name versch. ital. Fußballvereine (z.B. Internazionale Mailand).

Kaiser
Von Caesar, ein nach Iulius Caesar Octavianus, Neffe und Adoptivsohn des röm. Staatsmanns, Feldherrn und Schriftstellers Iulius Caesar eingeführter Herrschertitel. Beiname Franz Beckenbauers („Der Kaiser“).

Kommentator
Von commentarius (=Abriß, Notiz, Skizze, Denkschrift, Protokoll, Aufzeichnung). Manchmal auch von commenticius (=ersonnen, erfunden, erlogen, gefälscht)?

Libero
Von liber (=frei, ungebunden). Libero ist ital. und bedeutet „freier Mann“.

Liga
Von ligamen (=Binde, Verband).

Lizenz
Von licentia (=Erlaubnis).

Meister
Lehnwort von magister (=Vorsteher, Oberpriester, Lehrer, Konkursverwalter).

Meisterschaft
Lehnwort von magister (=Vorsteher, Oberpriester, Lehrer, Konkursverwalter).

Offensive
Von offendere (=anstoßen, anschlagen, angreifen). Stürmer mit fortgesetzter Ladehemmung legen einen anderen Wortursprung nahe: offensator (=Nichtskönner, Versager).

Pokal
Von poculum (=Becher, Trinkgefäß).

Qualifikation
Von qualitas (=Beschaffenheit).

Regionalliga
Von regio (=Richtung, Lage, Grenze, Gegend, Gebiet, Landschaft) und ligamen (=Binde, Verband).

Relegation
Von relegare (=wegschicken, entfernen, verbannen, verweisen, zurückweisen). Die Relegation sind Ausscheidungsspiele zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der Zweiten Liga. Und am Ende stürmen immer die Zuschauer den Platz (Gary Lineker).

Stadion
Von stadium (=Rennbahn), ein von griech. stadion abgeleiteter lat. Begriff. Auch als Längenmaß gebraucht (ein Stadion entspricht etwa 200 Meter).

Teutonia
Von Teutoni (oder –es), ein germanisches Volk an der Westküste Jütlands. Name versch. Fußballvereine (z.B. Teutonia St. Tönis).

Trainer
Von engl. to train, das sich wiederum vom lat. trahere (=ziehen) ableitet.

UEFA
Abk. für Union Européenne de Football Association (1954 in Basel gegr. europäischer Fußballverband; Sitz: Bern). Von unus (=eins), Europa (Tochter des phönikischen Königs Agenor, die von Zeus in Stiergestalt nach Kreta entführt wurde) und associare (=beigesellen; socius: gemeinsam, verbunden; die Vorsilbe a- bedeutet von, nach, hinsichtlich, in bezug auf und wirkt hier verstärkend).

United
Von unus (=eins). Name versch. brit. Fußballvereine (z.B. Newcastle United, Manchester United).

Viktoria
Von victoria (=Sieg; Victoria ist der lat. Name der griech. Siegesgöttin Nike, nach der wiederum ein bekannter Sportartikelhersteller benannt ist). Name versch. Fußballvereine (z.B. Viktoria Goch).

(Josef Bordat)

Abseits

22. Mai 2012

Angeregt durch die Kommentare unter einem Beitrag von Alipius über die Tiefen der Europapokalarithmetik möchte ich hier an das Expertenthema schlechthin erinnern: Abseits. Rainer Moritz widmet dem „letzten Geheimnis des Fußballs“ ein ganzes Buch. Und gar kein schlechtes.

Wenn sich in ein paar Tagen auch diejenigen zum Fußball schauen zusammenfinden, die dem Rasensport sonst eher distanziert gegenüber stehen, dann fällt die Unterhaltung oft schwer, wenn es um die Feinheiten geht. Dass Cristiano Ronaldo ein guter Spieler ist und Deutschland eine „Turniermannschaft“, das werden die meisten der vor dem Fernseher versammelten Freunde mitbekommen haben, doch wenn im Verlauf der Partie strittige Schiedsrichterentscheidungen zu kommentieren sind – und bei welchem Spiel ist das nicht der Fall –, trennt sich schnell die Spreu der EM-Gucker vom Weizen der echten Fans. Eine Sollbruchstelle ist dabei die Abseitsregel. Wer eine Abseitsstellung erkennt, gehört zum engeren Kreis der Fußballfreunde.

Mit Rainer Moritz nimmt sich nun ein Literat des Themas an, der weiß, wovon er spricht, war er doch selbst als Schieds- und Linienrichter aktiv. Er führt in die Geschichte, das Wesen und den Sinn einer komplizierten und umstrittenen Regel ein, die Einige wegen ihrer besonderen Schwierigkeiten gerade deshalb aus dem Regelwerk des sonst sehr einfach strukturierten Spiels gestrichen wissen wollen. In der Tat: Die Regel ist schwierig. Man denke nur an den feinen Unterschied von „passivem Abseits“ (Spieler greift nicht ins Geschehen ein) zu „aktivem Abseits“ (Spieler greift ins Geschehen ein), der deswegen besonders schwer zu beurteilen ist, weil der Moment der Ballabgabe, nicht der Ballannahme zählt. Überhaupt macht diese Dynamik die Abseitsregel zum problematischen Unikum im Kanon der Fußballnormen: Hier ist eine große Deutungsleistung des Schiedsrichtergespanns erforderlich, und zwar nicht über Geschehenes (wie etwa bei einem Foulspiel), sondern über Geschehendes. Die Unparteiischen müssen die Spielsituation und ihre Entwicklung ganzheitlich erfassen, und das in Sekundenbruchteilen. Klar, dass es hier verhältnismäßig viele Fehlurteile gibt – Ärger und Frust inklusive. Auch klar, dass man sich – als Spieler, Fan oder auch Schiedsrichter – manchmal wünscht, es gäbe sie nicht, die Abseitsregel. Moritz hingegen hält sie für „intelligent“ und warnt vor einer Reform des Fußballsports: „Wer die Abseitsregel abschaffen möchte, läuft Gefahr, dem Spiel sein geheimes Regulativ zu rauben.“

Die Auseinandersetzung mit diesem Regulativ beginnt mit einer kleinen Kulturgeschichte des „Mysteriums Abseits“, in der Moritz aufzeigt, dass im Gegensatz zu anderen Regelwidrigkeiten oder Fußball-Begriffen das Phänomen Abseits auf viele Kreative inspirierend wirkte, auf Dieter Nuhr etwa („Männer haben 100 Gramm mehr Gehirn als Frauen – da ist unter anderem die Abseitsregel drin.“) oder auch auf Günther Grass („Nächtliches Stadion“).

Dem launigen Einstieg folgt die trockene Regelkunde. Mit Hilfe von Grafiken wird die Abseitsregel im Detail erklärt. Abseits ist zwar, wenn der Schiedsrichter pfeift, aber man sollte doch wissen, warum er pfeift. Zudem steht zu erwarten, dass man während der nächsten WM den weniger Informierten die Regel (mal wieder) erklären muss. Sein (neues oder gefestigtes) Wissen kann man in einem kleinen Test am Ende des Buchs überprüfen.

Hochinteressant ist die vom Autor recht ausführlich geschilderte Geschichte der Abseitsregel, die deutlich macht, wie sehr eine einzige Regel den Spielverlauf beeinflussen kann. Die Abseitsregel, so Moritz, „greift in das Grundgefüge ein und nötigt die Akteure viel stärker als andere Regeln dazu, das System ihrer Aufstellung zu überdenken“.

Das Entscheidende jedoch bei einer Regel, die bestimmte Spielzüge sanktioniert, ist es, in der Praxis die „Tatbestandsvoraussetzungen“ des Regelverstoßes eindeutig erkennen zu können. War es Abseits oder nicht? Diese, wie gesagt, oft sehr schwer zu beantwortende Frage erhitzt die Gemüter und der arme Mensch, der darüber zu entscheiden hat, nämlich der Schiedsrichter, ist „ohnmächtig“ und „einsam“. Zwar stehen ihm die beiden Assistenten an der Linie zur Seite, was wegen der perspektivischen Verzerrung gerade bei Abseitsentscheidungen von großer Bedeutung ist, doch das letzte Wort hat er.

Schließlich gehört es zur Taktik des Fußballs, sich zu überlegen, wie man die Regeln am besten für sich nutzen kann. Die beste Freundin der Abseitsregel ist die „Abseitsfalle“, ein „effektives“, aber auch „riskantes“ Instrument der Spielgestaltung in der Defensive. Einige Teams haben sich mit ihr einen Ruf erworben, etwa der Hamburger SV unter Trainerlegende Ernst Happel Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre oder auch die Nationalmannschaft Belgiens zur gleichen Zeit.

Rainer Moritz führt uns souverän und unterhaltsam durch die Abgründe des Abseits. Fußballexpertise und literarisches Gespür vereinen sich gekonnt zu einem lehr- und abwechslungsreichen Lesevergnügen. Am Ende kann man getrost sagen: „Ich bin fit für die EM!“

Bibliographische Daten:

Rainer Moritz: Abseits. Das letzte Geheimnis des Fußballs.
Verlag Antje Kunstmann, München 2006.
150 Seiten, 16,90 EUR.
ISBN-10: 3888974291

(Josef Bordat)

Der umstrittene Berlin-Schiri Rainer Maria Woelki (pfiff schon sechsundsechzig Englanddeutschland) soll das Wiederholungsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und dem FC Chelsea um den „Mein Haus, meine Yacht, mein Hundefrisör“-Pokal pfeifen.

BLÖD erklärt: Das Wiederholungsspiel war nötig geworden, weil sonst bis zur EM „zuviel Zeit vergeht und die Kundenbindung nachlässt“ (U. Hoeneß). Außerdem haben die Vertreter der Düsseldorfer Werbekaufleute und Unternehmensberater ein Wiederholungsspiel gefordert: „Wir sind ja gerne bereit, unsere Fortuna zu supporten. Aber im Regen?“ (M. Preetz). – BLÖD erklärt: Beim Relegationsrückspiel letzten Dienstag hatte es geregnet.

Jetzt soll es also Woelki richten! DFB-Sprecher Didi Drockbar ist sicher: „Der beste Mann für dieses Spiel!“ Chelseas Öl-Milliardärin Clinton forderte hingegen einen Referee mit mehr Erfahrung, „zum Beispiel Walter Eschweiler“. Woelki selbst hat sich noch nicht geäußert, steht seit der Schande von Gijón und dem Einsatz für Religionsunterricht an Berliner Schulen bei Trainern und Spielern hart in der Kritik. BLÖD meint: Schwamm drüber! Auf zur Reli-Reli!

(Josef Bordat)

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