Ein Dialog
3. Oktober 2011
Manchmal schreibt das Leben die schönsten Geschichten.
Meine Schwägerin hatte ihren sechsjährigen Sohn gerade zu Bett gebracht, als er sie mit sorgenvoller Miene fragte – nach dem Tod und nach Gott. Ich gebe den Dialog einfach so wieder, wie er sich ereignet hat.
Mama, werden wir alle sterben?
- Ja, mein Sohn, wir alle.
Und wann wirst Du sterben, Mama?
- Wenn ich alt bin, mein Sohn.
Mami, ich will nicht, dass Du stirbst!
- Aber, mein Sohn, Du wirst dann nicht allein zurück bleiben. Deine Frau und Deine Kinder werden bei Dir sein.
Aber, Mami – wen werde ich heiraten?
- Dein Bruder wird auch noch bei Dir sein!
Aber er wird früher sterben, denn er ist älter!
In der Tat: Sein Bruder ist fünf Jahre älter. Meine Schwägerin wusste nichts zu erwidern.
Mami?
- Ja?
Und Gott? Stirbt Gott auch?
- Nein, mein Sohn, Gott stirbt nicht, weil Gott ewig ist und immer existieren wird. Und, weißt Du was? Wenn Du stirbst, wirst Du auch unvergänglich sein – wie Gott im Himmel.
Wie schön, Mami!
Kurz darauf schlief er ein.
Ich bin stolz auf meine Schwägerin. Und auf meinen Neffen erst!
(Josef Bordat)
Verantwortung
23. März 2011
Auf eine wohl etwas sperrige philosophische Abhandlung zum Begriff der Verantwortung wurde ich gebeten, doch – bitte schön – in einfachen Worten kurz zusammenzufassen, was Verantwortung meiner Ansicht nach auszeichnet. Das habe ich gerne getan. Hier ist das Ergebnis.
Verantwortung ist die Pflicht des Menschen, die Tatsache zu bedenken, dass alles, was man sagt oder tut, andere Menschen betrifft, solche die einem nahe sind, aber auch solche, die einem fern sind, sogar solche, die noch gar nicht geboren sind. Bevor man etwas sagt oder tut, soll man daher an die Folgen seines Handelns denken.
Verantwortlich handeln heißt somit, nur Dinge zu tun, von denen man morgen nicht bereut, sie getan zu haben. Und dass man, wenn man trotzdem mal so etwas getan hat, es bereut, um Entschuldigung bittet und es wieder gut zu machen versucht. Das nennt man „Verantwortung übernehmen“.
Verantwortlich sein oder die Verantwortung übernehmen kann man für Sachverhalte oder Personen.
Die Verantwortung des Christen zeigt sich nicht allein in dieser Pflicht, sondern auch in einer darüber hinausgehenden Sorge, die ganz bewusst nach der Wirkung des eigenen Verhaltens fragt. Ein Christ muss sein Handeln nicht nur vor den Menschen verantworten, sondern auch vor Gott. Als Haltung zwischen Pflicht und Sorge soll Verantwortung unser praktisches Handeln leiten.
(Josef Bordat)