Emmaus. Geschichte einer Begegnung

13. April 2009


Was für die beiden Jünger, die sich auf den Weg nach Emmaus machen, ansteht, ist die Bewältigung ihrer Enttäuschung und tiefen Trauer. (…) Die Heilige Schrift bewahrt viele Geschichten, in denen Menschen traurig, perspektivlos, ja lebensmüde sind, doch in der Begegnung mit Gott wieder Mut finden. All diese Menschen machen im Grunde die Erfahrung der beiden Emmaus-Jünger: Wir sind nicht allein. (…) Die richtige Schrittfolge ist dabei wichtig: Zunächst gestehen die beiden Wanderer auf dem Weg nach Emmaus einander ihre Traurigkeit und Resignation ein, und zwar in aller Offenheit, ohne etwas zu beschönigen. In diese trostlose Situation tritt Jesus ein ­ und zwar nicht als Problemlöser, sondern als aufmerksamer Wegbegleiter und Zuhörer. Indem er nach ihren Sorgen fragt, versucht er die beiden Männer zu verstehen und nimmt ihren Kummer und ihre Resignation auf. Aus diesem Teilnehmen und Annehmen erwächst, wenn auch noch anfanghaft, Gemeinschaft und Vertrauen. (…) Wenn unser aller Weg in dieselbe Richtung führt und das Glaubenszeugnis aller zusammenklingt, dann sind wir ­ wie die Jünger von Emmaus ­ Glieder einer lebendigen und missionarischen Kirche. Dann erreichen wir nämlich die Ohren der vielen Fragenden und locken die Suchenden auf den Weg mit dem auferstandenen Herrn.

Hans-Josef Becker (Erzbischof von Paderborn)

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