Dem Kaiser, was des Kaisers ist

13. Januar 2011


…und Gott, was Gottes ist.

Eine religiöse Haltung wirkt sich positiv auf die Ehrlichkeit bei der Steuer aus, meint die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in ihrer Ausgabe vom 09. Januar 2011 unter Berufung auf eine Studie der Kölner Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik.

„Im Durchschnitt fällt die Steuermoral eines Landes umso höher aus, je religiöser die Bürger sind“, fasst die Zeitung die Ergebnisse der Studie zusammen und titelt „Ein guter Christ zahlt seine Steuern gern“. Das ist wohl eine sehr weitreichende Schlussfolgerung, denn wer zahlt, zahlt ja nicht unbedingt gerne.

Dennoch: Der Befund, über den die Zeitung berichtet, deckt sich mit empirischen Befunden zur Gesetzestreue von Kirchgängern/Konfessionslosen. Studien im Auftrag der Gewaltkommission der Bundesregierung aus dem Jahre 1990 zeigen zum Beispiel, dass kirchennahe Bürger weniger häufig politisch motivierte Gewalt rechtfertigen als konfessionslose und dass sie mehr Vertrauen in die Ordnungskräfte des Staates, die Polizei, haben. Das untermauert die Vermutung, dass der Glaube an Gott (Merkmal: „Kirchennähe“ bzw. „hohe Kirchgangsfrequenz“; gemeint sind die christlichen Kirchen) eher zu Pflichtbewusstsein und Gesetzestreue führt als der Unglaube (Merkmal: „Konfessionslosigkeit“). Das wiederum schlägt sich mit Blick auf „Alltags-Delikte“ wie „Schwarzfahren“, „Steuerhinterziehung“ oder „Fahrerflucht“ deutlich nieder. Dass man so etwas nicht tun darf, meinten 65, 58 bzw. 78 Prozent der Kirchennahen, bei den Kirchenfernen waren es nur 39, 31 resp. 65 Prozent. Auch bei anderen Straftatbeständen des Alltagslebens wie „Sozialleistungsbetrug“ (76 gegen 52 Prozent) oder „Unterschlagung von Fundsachen (Geld)“ (58 gegen 29 Prozent) liegen die Gläubigen in punkto Tugendhaftigkeit vor den Nicht-Gläubigen.

Nun also höhere Steuermoral. Religion hebt die Steuermoral der Bürger. Gut so. Doch warum tut sie das, die Religion? Weil religiöse Menschen ohnehin obrigkeitshörigen Marionetten gleichen, die viel zu dumm sind, zu erkennen, dass man mit dem Geld auch andere schöne Dinge machen könnte? Dagegen spricht ein anderer Befund der Kölner Studie, den die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung folgendermaßen auf den Punkt bringt: „Wenn es aber im Staat nicht fair zugeht, dann hat auch der Frömmste keine Lust mehr, dem Fiskus Geld zu geben.“ Die hohe Steuermoral der Christen ist gebunden an die hohe Steuerverwendungsmoral des Staates, in dem sie ihre Steuern zahlen.

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“, empfiehlt Christus den Menschen (Mk 12, 13). Umso mehr gilt das für seine Jünger. Die sollten – damals wie heute – allerdings den zweiten Teil der Empfehlung nicht vergessen: „…und Gott, was Gottes ist“ (Mk 12, 13). Auch an Gott und sein Gebot muss sich letztlich die Bereitschaft, seine Steuer pünktlich und in voller Höhe zu zahlen, messen lassen. In Situationen, in denen ein Staat offensichtlich mit der Steuer nicht im Sinne Gottes umgeht, also im Sinne eines gerechten, sozialen und menschlichen Gemeinwesens, verwirkt dieser Staat das Recht auf unbedingte Mitwirkung, denn letztlich, auch das ist Teil der christlichen Wahrheit, muss man Gott mehr gehorchen als dem Menschen (Apg 5, 29).

Paulus empfiehlt der Gemeinde in Rom, sich der Staatsführung gegenüber loyal zu verhalten (Röm 13). Das gilt auch heute. Ein Christ sollte ein guter Staatsbürger sein. Doch Loyalität hat ihre Grenze, und zwar dort, wo menschliche Gesetze den göttlichen Geboten widersprechen. Ein untrügliches Zeichen dafür ist der Umstand, dass sich der Staat selbst an die Stelle Gottes setzt. Beispiele haben wir dazu eine Menge, gerade wir Deutsche.

(Josef Bordat)

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