Am Brunnen

24. März 2011


Wenn dein Krug leer ist,
dann komm.
An den alten Brunnen.

Wenn dich ein Durst treibt,
der nicht zu löschen ist
durch Bier oder Sex:
Durst nach dem
Wasser des Lebens.

Beuge dich
über den Brunnenrand,
warte, bis die kleinen Wellen
zur Ruhe kommen.

In der schattigen Tiefe
erkennst du
dein eigenes Spiegelbild.

Dann lass den Eimer hinunter,
das Seil an der Winde
muss lang genug sein.
Und du schöpfst
und reichst einem Fremden
einen Becher Wasser.
Und bist beschenkt:
du erfährst,
wer du selber bist,
und wo der Ort Gottes ist,
und wer es ist, dem du begegnest.

Hermann Josef Coenen

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