Isidor

4. April 2011


Der Schutz jeder Heiligkeit ist die Liebe, und die Demut ist der Ort, an dem sie wohnt. (Isidor von Sevilla)

Heute gedenkt die Kirche des Heiligen Isidor von Sevilla (um 560-636). Isidor war der jüngere Bruder des Erzbischofs Leander von Sevilla, der nach dem Tod des Vaters seine Erziehung übernahm und ihn auch zum Priester weihte. Isidor war breit interessiert, verfügte über einen ausgeprägten Forscherdrang und las viele Bücher, die ihm das Wissen seiner Zeit vermittelten.

Isidor ging bereits als Jugendlicher ins Kloster. Schon mit 30 Jahren wurde er Abt. Das Amt des Erzbischofs von Sevilla, das er um 600 in der Nachfolge seines Bruders übernahm, nutzte er, um die wissenschaftliche Bildung der Priester voranzubringen. Isidor richtete zahlreiche Schulen und Bibliotheken ein.

Er selbst schrieb ebenfalls Bücher, in denen er das ganze religiöse und weltliche Wissen des Altertums zusammenfassen wollte, um es für kommende Generationen zu bewahren. Vor allem sein Hauptwerk, das zwanzig Bände umfassende „Etymologiarum sive originum“, eine Art Realenzyklopädie der Spätantike, wurde im Mittelalter oft abgeschrieben, zum Teil auch ins Althochdeutsche übersetzt. Als Handbuch für die Studenten des Mittelalters blieb es über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Standard-Nachschlagewerk. Um es deutlich zu sagen: Im Mittelalter gab es keine akademische Bildung ohne Isidors Hilfe. Seine „Chronica Majora“ ist ein umfassendes Geschichtswerk, sein dreibändiges „Sententiarum“ gilt als erstes Handbuch christlicher Lehre und Ethik in der römischen Kirche. Isidor verfasste darüber hinaus weitere Abhandlungen über Theologie, die Heilige Schrift, Linguistik, Wissenschaft und Geschichte.

Auch kirchenpolitisch war Isidor eine wichtige Persönlichkeit. Er förderte die Einheit der spanischen Kirche, indem er die Westgoten, die im 5. Jahrhundert die iberische Halbinsel erobert hatten und mehrheitlich dem Arianismus anhingen, zum Glauben der Kirche bekehrte. Er leitete die Synode von Sevilla (619) und das Vierte Reichskonzil von Toledo (633), in welchem die Einheit von Kirche und Staat, die Einrichtung von Domschulen in jeder Diözese sowie die Vereinheitlichung der liturgischen Praxis verabschiedet wurde. Von Isidor stammt zudem der Begriff „Messe“ als Bezeichnung für den Gottesdienst (von lateinisch missio: „Sendung“).

Isidor beschließt als letzter abendländischer Kirchenvater die Patristik. Er wurde 1598 heilig gesprochen und 1722 zum Kirchenlehrer ernannt. Er ist zudem spanischer Nationalheiliger. Interessant für die Blogozese: Isidor ist seit 2001 als Patron des Internets im Gespräch; eine diesbezügliche Entscheidung durch den Vatikan steht aber noch aus.

Zum Schluss möchte ich es nicht versäumen, dem Pfarrer der slowenischen Gemeinde an St. Elisabeth und Pfarradministrator der Pfarrei St. Norbert (beide im Erzbistum Berlin, Dekanat Tempelhof-Schöneberg), dem lieben Izidor Pečovnik, ganz herzlich zum Namenstag zu gratulieren. Glückwunsch, Dori!

Josef Bordat

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