Dumme Nachricht

8. Mai 2011


Tagesschau.de titelt Neue Gewalt zwischen Kopten und Moslems in Ägypten, um im Artikel die Lage wie folgt zusammenzufassen: „Zwischen Muslimen und Christen ist es in Ägypten in den vergangenen Monaten immer wieder zu Gewalttaten gekommen.“

Ja, so kann man das sagen. Dann muss man aber auch sagen können, dass es zwischen Juden und Deutschen in Deutschland während der späten 1930er und frühen 1940er Jahre immer wieder zu Gewalttaten gekommen ist.

Das ist nicht gelogen. Und trotzdem falsch. Denn es verschleiert Ursache und Wirkung, verschiebt Täter- und Opferschaft, verdreht die Dinge in Richtung einer Ausgeglichenheit, die es nicht gibt. Tagesschau.de fördert durch diese Art der „neutralen“ Berichterstattung, die mir nicht das erste Mal unangenehm auffällt, den Eindruck, als stünden sich in „Christen“ und „Moslems“ zwei waffengleiche Gruppen gegenüber, die sich abwechselnd die Schädel einschlagen. Dass Christen zu über 90 Prozent Opfer und zu unter 1 Prozent Täter religiös motivierter Gewalt sind, geht dabei schnell verloren.

Diese Art der Berichterstattung fördert allein die Einschätzung, die beiden größten Religionen seien in einer Dauerfehde begriffen, aus der es nur einen Ausweg gibt: „die“ Religion als solche zu „beseitigen“.

Die Auffassung, „Religion an sich“ sei Grund der Gewalt, sei „schuld“, die immer dann geäußert wird, wenn es selbst dem größten „Kirchenkritiker“ weh täte, den Christen allein die Schuld zu geben, diese Auffassung ist sehr oberflächlich. Nein: Angesichts der Zahlen und Fakten ist sie widerlegt. Wer sie dennoch stets und ständig zitiert, ist entweder schlecht informiert oder böse. Ich mag niemandem Bösartigkeit unterstellen. Dummheit schon eher. Doch auch das nicht gerne.

Lassen Sie es mich so sagen: Wer meint, dass sich seine Anteilnahme an Ereignissen wie in Alexandria oder Kairo darin erschöpfen sollte, sich darüber aufzuregen, dass es überhaupt Religionen gibt, der sollte zu der Nachricht über eine Vergewaltigung dann auch lediglich darüber klagen, dass es Geschlechter gibt. Und der sollte dann konsequenterweise auch jede Form von Kontakt zu anderen Menschen meiden, denn letztlich ist, bei Lichte betrachtet, eine Vergewaltigung ja auch nichts anderes.

Zurück zum Artikel auf Tagesschau.de. Dort heißt es weiter: „Rund zehn Prozent der 80 Millionen Ägypten sind koptische Christen. Viele von ihnen fühlen sich von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit benachteiligt.“ – Ach, wissen Sie, Tagesschau.de, das mit dem Gefühl ist so eine Sache! Aber glauben Sie mir, Tagesschau.de, dass ich mich, würfe man mir dauernd Sprengsätze hinterher, über kurz oder lang auch benachteiligt fühlte. Übrigens fühlten sich damals, in Deutschland, während der späten 1930er und frühen 1940er Jahre, auch sehr viele Juden benachteiligt. Können Sie das verstehen, Tagesschau.de?

(Josef Bordat)

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