Lobpreis Gottes

4. Oktober 2011


Heute feiert die Kirche einen ihrer prominentesten Heiligen: Franz von Assisi. Da er schon zu Lebzeiten populär war, ist einiges von ihm überliefert, insbesondere Gebete und Meditationstexte. Zu den bekanntesten zählt der Lobpreis Gottes aus dem Jahr 1224. Damit wollte Franziskus seinen zweifelnden Mitbruder Leo im Glauben bestärken.

Du bist der heilige Herr,
der alleinige Gott,
der Du Wunderwerke vollbringst.

Du bist der Starke,
Du bist der Große,
Du bist der Erhabenste.
Du bist der allmächtige König, Du heiliger Vater,
König des Himmels und der Erde.

Du bist der dreifaltige und eine Herr, der Gott aller Götter.
Du bist das Gute, jegliches Gut, das höchste Gut,
der Herr, der lebendige und wahre Gott.

Du bist die Liebe, die Minne.
Du bist die Weisheit.
Du bist die Demut.
Du bist die Geduld.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
Du bist die Sicherheit.
Du bist die Ruhe.
Du bist die Freude.
Du bist unsere Hoffnung und Fröhlichkeit.
Du bist die Gerechtigkeit.
Du bist das Maßhalten.
Du bist all unser Reichtum zur Genüge.

Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
Du bist der Beschützer.
Du bist unser Wächter und Verteidiger.
Du bist die Stärke.
Du bist die Erquickung.

Du bist unsere Hoffnung.
Du bist unser Glaube.
Du bist unsere Liebe.
Du bist unsere ganze Wonne.
Du bist unser ewiges Leben:
Großer und wunderbarer Herr,
allmächtiger Gott, barmherziger Retter.

Der Text ist ein meditatives Gebet, eine Litanei. Er erinnert in seiner Art, Eigenschaften Gottes zu benennen, an die sufistische Anrufung der „99 Namen Allahs“. Möglicherweise stand Franz bei der Abfassung des Gebetstextes unter dem Einfluss seiner Erfahrung mit dem Islam, die er 1219 als „Kreuzfahrer ohne Waffen“ bei einer Begegnung mit dem Sultan in Ägypten machen konnte.

(Josef Bordat)

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