11-11-11. Teil 1: Warum?

3. November 2011


Man kann ja viele Fragen stellen, gerade heute, wo Niemand mehr von einem verlangen kann, dass man sie auch beantwortet. Ich meine jetzt „Warum-Fragen“. Die sind schon lange in Mode, gerade auch in der Philosophie, wo man immer Gründe für alles finden will. Und deswegen fragt man: „Warum?“

Zum Beispiel: „Warum bestellen Fernseh-Kommissare immer ein Bier, trinken es dann aber nicht aus?“ Müssen Sie mal drauf achten: „Ein Bier!“ – „Sofort!“ Dann kommt das („Bitte schön!“ – Kommissar nickt.). Und dann wird einmal kurz dran genippt. Ganz kurz. So ein Zehn-Prozent-Genippe. Neunzig Prozent ist noch im Glas. Dann klingelt das Handy: „Was? Aber… Schillerstraße 14. Ja, ist gut. Ich komme sofort!“

So. Jetzt sagt der sich aber nicht: „Leiche ist Leiche. Da kann man jetzt auf die Schnelle eh nix mehr machen!“ und trinkt erst mal in Ruhe sein Bier aus. Nein: Er wirft meist einen Geldschein auf die Theke, sagt „Stimmt so!“ und verschwindet, während der Statist hinter der Theke ihm verblüfft nachblickt und dann milde lächelnd den Schein an sich nimmt.

Und jetzt kommt die eigentliche Frage, die sich mir stellt und weshalb ich der Handlung danach meist nicht mehr zu folgen imstande bin: Kann der Kommissar die Kosten für das Bier weiterbelasten? Ich meine, es ist ja so: Auch wenn er privat in der Kneipe war, stört ihn ein dringendes Dienstgeschäft an der Nutznießung eines bereits abgeschlossenen Bewirtungsvertrags, so dass es billig ist anzunehmen, dass die daraus entstehenden Kosten dem Dienstherrn zur Last fallen. Denk ich mir, als der Arzt aus der Hocke heraus Auskunft gibt („Glatter Einschuss ins Herz, war sofort tot.“ – „Todeszeitpunkt?“ – „Vor sechs bis acht Stunden etwa. Die Vesikuli in der Plasmahornhaut sind noch nicht vollständig verdrieselt.“ – Kommissar genervt: „Das bedeutet?“ – „Dass er kurz vor seinem Tod noch ein Bier getrunken hat. Zumindest hat er es bar bezahlt.“ usw. usf.)

Gehen wir den Fall durch: Der Kommissar ist privat in der Kneipe, schließt – privat – einen Bewirtungsvertrag über die Lieferung eines Biers mittlerer Art und Güte ab, in der Annahme, diesen erfüllen zu können, wird jedoch von einem Erfüllungsgehilfen seines Dienstherrn in dessen Auftrag daran gehindert. Der Dienstherr ist der Polizeipräsident, also der Innenminister, also das Land, also der Staat, also das Volk, also „wir alle“. Also auch ich. Und jetzt wird’s spannend!

Meine Frau stellt derweil Vermutungen über den Täter an, die sich am Ende meist als richtig erweisen. Krimis mit meiner Frau würden 10 Minuten dauern. Ohne Bier. Aber Mord, Schuld, Täter, Nicht-Täter – das ist alles völlig unwichtig. Entscheidend ist doch: Wer zahlt? Letztlich. Werden die Kosten weiterbelastet an die Kostenstelle des Kommissariats, zahlt am Ende wieder wer? Richtig: der Steuerzahler!

So, und jetzt kommt die entscheidende Frage, die sich auch durch die Schlussszene („Waffe weg!“ – „Das war knapp, Freddy!“) nicht verdrängen lässt: Hätte dann nicht der Steuerzahler auch das Recht, das Bier auszutrinken? Ich meine: Do, ut des. Oder was? – Nicht?! Ja, warum denn nicht? Warum?

(Josef Bordat)

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