Sagrada Família. Einige technische Aspekte

16. November 2011


Meinem Vater zum neunundsiebzigsten Geburtstag.

Der Architekt der Sagrada Família, Antoni Gaudí, war nicht nur ein einfallsreicher Visionär, der voller Phantasie Brücken zwischen Natur und Kultur zu bauen vermochte, nicht nur ein theologisch gebildeter, tiefgläubiger Katholik, der seine Kirche mit christlicher Symbolik auflud, sondern auch ein kluger Ingenieur, der die physikalischen Gesetze bestens kannte und zudem die statischen Eigenschaften geometrischer Formen bei der Gewölbe- und Säulengestaltung zu nutzen wusste.

Eine Ausstellung in Nebengebäuden der Sagrada Família gibt einen Einblick in die Arbeit Gaudís und erklärt auch dem Laien die Zusammenhänge nachvollziehbar. Sehr beeindruckend ist ein Modell, anhand dessen der Baumeister die auf die Säulen wirkenden Kräfte und Lasten simulierte, indem er den Druck der Gewölbe als Zugbelastung mittels Sandsäckchen darstellte – Computer gab es ja damals noch nicht. So entsteht ein Spiegelbild des Gebäudes.

Heute hat man freilich andere Möglichkeiten der Simulation und Berechnung. Am Computer kann die Statik exakt ermittelt werden. Die resultierenden Darstellungen haben ihre ganz eigene Ästhetik.

In der Ausstellung ist auch ein von Gaudí gezeichneter Grundriss der Sagrada Família zu sehen, der in seiner Ausführung ebenfalls schon ein Kunstwerk an sich ist.

Der Blick in die Werkstatt der Modellbauer lässt ein wenig von der Arbeit erahnen, die schon in der Modellierung des geplanten Gebäudeteils steckt.

Von der Realisierung gar nicht erst zu sprechen! An der Sagrada Família wird immer noch fleißig gebaut. Zu etwa 60 Prozent ist der Bau fertiggestellt. Im Jahre 2026 soll es soweit sein. Dann begeht Barcelona das 100. Todesjahr seines großen Architekten – Antoni Gaudí.

(Josef Bordat)

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: