Michael Pro

23. November 2011


Heute vor 84 Jahren wurde der mexikanische Jesuit Michael Pro hingerichtet. Eine Erinnerung an den Priester und Märtyrer, der von Papst Johannes Paul II. 1988 selig gesprochen wurde.

Miguel Agustín Pro-Juárez wurde am 13. Januar 1891 als drittes Kind von elf Geschwistern in Concepción del Oro (Mexiko) geboren. Seine Kindheit war von einigen schweren Erkrankungen, aber auch von manchem Spaß geprägt, den er sich mit seinen Geschwistern erlaubte. Zwei Kindheitserlebnisse wurden prägend für den späteren Verlauf seines Lebens: Zum einen rief der kleine Michael, als er vom Mord an einem bekannten Franziskanerpater hörte: „Ich will auch für Christus sterben!“ Zum andern wurde er im Alter von vier Jahren von einem schmerzhaften Fieber befallen, das nach vielen Monaten des Leidens plötzlich verschwand, als der Vater den Jungen auf seinen Armen nach Guadelupe vor das Bild der Gottesmutter trug und sie bat: „Himmlische Mutter, gib mir mein Kind zurück!“ Ein herbeigerufener Arzt stellte fest, dass Michael wieder vollkommen gesund war.

Nach seiner Schulzeit nahm Michael – angeregt durch den Entschluss seiner älteren Schwester Maria Concepción, in ein Kloster einzutreten – Kontakt zur Gesellschaft Jesu auf. Der junge Mann wird sich seiner Berufung zum Priesteramt bewusst und tritt am 10. August 1911 ins Noviziat des Jesuitenordens in El Llano bei Zamora (Mexiko) ein.

Ein Jahr zuvor war Präsident Diaz gestürzt worden und die „Mexikanische Revolution“ brach aus. Die Zeit der Revolution (1910-1929) war für die katholische Kirche in dem mittelamerikanischen Land eine Zeit schlimmer Repression, in der eine der härtesten Kirchenverfolgungen des 20. Jahrhunderts stattfand. Die neue Revolutionsregierung hetzte die Bevölkerung auf, die Klöster zu stürmen. Viele Priester und Ordensleute wurden ermordet. Insbesondere in den 1920er Jahren gelten Priester und Ordensleute als „Staatsfeinde“ und Hauptwidersacher des Obregón- bzw. Calles-Regimes, die insbesondere durch kirchenfeindliche „Reformen“ in die Geschichte eingingen, die nicht selten untermauert wurden von Gewalt gegen Gläubige, die nach Meinung der Revolutionäre nicht ins neue „System“ passten.

Das Noviziat bleibt trotz dieses feindseligen Umfelds zunächst vor Ort. Am 15. August 1913 legt Michael in El Llano das Ewige Ordensgelübde ab. Am 21. Juni 1915 muss er aber doch unter Lebensgefahr mit den anderen Novizen nach Spanien fliehen. In Granada setzt er sein Philosophiestudium fort, das bis 1920 andauert. Sodann absolviert Michael das so genannte Interstiz, ein mehrjähriges Praktikum zwischen Philosophie- und Theologiestudium. Er wird als Erzieher in ein Knabenkolleg nach Nicaragua entsandt, wo er zwischen 1920 und 1922 sehr erfolgreich wirkt. Der Umgang mit den Jungen macht ihm viel Freude und offenbar beruht die Sympathie auf Gegenseitigkeit.

In Sarriá bei Barcelona begann Michael 1922 sein Theologiestudium, das er in Enghien (Belgien) 1926 abschloss. Zuvor, am 30. August 1925 wird er dort zum Priester geweiht. Im November des gleichen Jahres stellten die Ärzte bei Pater Michael eine unheilbare Magenerkrankung fest; er wird dreimal operiert. Am 24. Juni 1926 macht er sich auf die Rückreise nach Mexiko.

Als Pater Michael Pro am 6. Juli 1926 in Vera Cruz nach elf Jahren wieder den Boden seiner mexikanischen Heimat betritt, tobt dort der Kirchenkampf mit unverminderter Härte. Trotz des Verbots, die Sakramente zu spenden (d. h.: sein Priesteramt auszuüben), nimmt er die Arbeit auf und lässt sich auch durch zwei Verhaftungen nicht abschrecken. Im Untergrund organisiert sich inzwischen katholischer Widerstand gegen das Regime. Auch Pater Michael verteilt Flugblätter, die zu passivem Widerstand und zu Gottvertrauen aufrufen.

Als am 13. November 1927 auf den Ex-Präsidenten General Obregón ein Attentat verübt wird, verhaftet die Polizei nicht nur den Täter Luis Segura, sondern am 18. November 1927 auch Pater Michael Pro, der Segura am Tag zuvor die Beichte abgenommen hatte, sowie Michaels Brüder Humberto und Roberto. Obwohl die Beweislage eindeutig gegen eine Beteiligung bzw. Mitwisserschaft der Brüder Pro sprach, sowohl der geständige Täter Segura, als auch Pater Pro eine solche abstritten und auch der Ermittler Cruz in dieser Hinsicht erhebliche Zweifel hatte, blieben die drei Brüder in Haft. Präsident Calles ordnete gegen Cruz’ Bedenken die Erschießung aller vier Inhaftierten an. Für Calles bot die Sache eine günstige Gelegenheit, drei engagierte Katholiken zu beseitigen und zugleich die Kirche kriminalisieren zu können. Am 23. November 1927 fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Hinrichtung von Pater Michael und Humberto statt; Roberto wurde durch eine Intervention des argentinischen Botschafters Minuten bevor die Exekution durchgeführt werden sollte, vor dem Justizmord des mexikanischen Staates bewahrt.

Pater Michael Pro SJ starb mit den Worten „Viva Cristo Rey!“ („Es lebe Christus, der König!“) den Märtyrertod und war mit seinem unerschütterlichen Glauben ein Vorbild für viele deutsche katholische Jugendliche während der Zeit des Nationalsozialismus. Am 25. September 1988 wurde er in Rom selig gesprochen.

(Josef Bordat)

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