Kleine Bemerkungen

24. November 2011


Heute möchte ich mal auf ein neues katholisches Blog aufmerksam machen. Es handelt sich um Severus‘ Annotatiunculae („Kleine Bemerkungen“). Gestern erschienen bereits einige sehr interessante Bemerkungen zu Edith Stein. Severus charakterisiert darin Edith Stein als „starke, selbstbewusste, von Erkenntniswillen beseelte Persönlichkeit“. Edith Stein sei eine Frau, die zu den „gebildetsten und ,emanzipiertesten‘ Frauen ihrer Zeit“ gerechnet werden muss. Trotz protestantischer Einflüsse aus dem Umfeld entschied sie sich, wie Severus schreibt, „für die (so schrecklich unaufgeklärte, ewiggestrige, mittelalterliche, frauenverachtende und -unterdrückende!) Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche“ und dazu noch „für den strengen kontemplativen Orden der Hl. Teresa“, um dort als Teresia Benedicta a Cruce zu wirken. Schließlich gibt uns Severus eine Frage zur Betrachtung auf: „Warum aber tat sie das?“

Ich werde diese Frage jetzt auch nicht abschließend beantworten können, nur ein Gedanke dazu: Für die Entscheidung, in den Karmel einzutreten, mag ihre Begegnung mit den Schriften der Teresa von Ávila wohl sehr wichtig gewesen sein. Noch als unerschütterte Atheistin entdeckt sie darin die Wahrheit, die sie auf dem Weg der philosophischen Reflexion vergeblich gesucht hatte.

Ich teile die Bewunderung für diese Frau und ihren Lebensweg. Sie ist als Philosophin und als entschiedene Christin eine passende Patronin der Katholischen Studierendengemeinde Berlin. Was sie von Teresa geschenkt bekam, das gibt sie weiter, indem sie uns in ihrer Kreuzeswissenschaft Juan de la Cruz nahebringt. Edith Stein hat die Grundlage einer philosophisch-theologischen Durchdringung seines Denkens gelegt, ich möchte behaupten: Nur sie war dazu in der Lage. Das Werk entsteht in ihrer letzten Lebensphase im Echter Karmel in der niederländischen Provinz Limburg. Es soll anlässlich des 400. Geburtstags Juans (24. Juni 1942) Ende 1942 erscheinen.

Warum es dazu nicht kommt, wissen wir. Am 2. August 1942 wird Edith Stein mit ihrer (ebenfalls konvertierten und im Kloster Echt lebenden) Schwester Rosa und vielen anderen Judenchristen in das Sammellager Amersfort, dann nach Westerbork verbracht – ein Vergeltungsschlag der Gestapo für das Protestschreiben der niederländischen katholischen Bischöfe gegen die Pogrome und Judendeportationen. Am 7. August 1942 wird Edith Stein nach Auschwitz deportiert und zwei Tage später vergast. Edith Steins Kreuzeswissenschaft wird erst 1950 erscheinen.

Noch etwas macht sie zu einem besonderen Vorbild für den katholischen Akademiker: Bei aller Wertschätzung der Wissenschaft, die im Titel der Schrift zum Ausdruck kommt – die Philosophin erkennt nach ihrer Konversion immer deutlicher, dass der Kern des Christseins nicht im Wissen, sondern im Lieben besteht. Auf dem Andachtsbildchen zu ihrer Ewigen Profess ist zu lesen: „Mein einziger Beruf ist fortan nur mehr lieben.“ Ein Wort Juans. Ihr „Wissen vom Kreuz“ ist sich zudem des Umstands bewusst, dass es dabei auch um praktische Erfahrung, nicht nur um theoretische Erkenntnis geht. 1941 schrieb Edith Stein an eine befreundete Ordensfrau: „Eine scientia crucis (Kreuzeswissenschaft) kann man nur gewinnen, wenn man das Kreuz gründlich zu spüren bekommt.“ Ich glaube, Edith Steins Botschaft an die manchmal sehr verkopften katholischen Akademiker schlicht lautet: Wir können Gott nur erfahren, nicht verstehen.

Das nur als „kleine Bemerkungen“ zu Edith Stein. Mir bleibt nur noch zu wünschen: Herzlich Willkommen, Severus, und Gottes Segen für das Bloggen!

(Josef Bordat)

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