Feindbild

9. Januar 2012


Wenn ein Moslem mir einen „Guten Tag!“ wünscht, meint er dann in Wahrheit: „Denn morgen bringe ich Dich um!“?

Ich hatte die Nachricht als eine „gute“ bezeichnet: Christen und Moslems feiern gemeinsam.

Heute muss ich feststellen,* dass es Menschen gibt, die friedliche Moslems nicht zunächst einmal und vor allem für ein Zeichen der Hoffnung halten, sondern für einen wichtigen Teil der Kriegsführung des Islam gegen den Rest der Welt. Mit Christen zu feiern sei demnach kein Anfang neuen Vertrauens, sondern eine Form strategischer Anpassung, eine Schwächung des Gegners durch Entwaffnung, eine Sammlung vor dem ultimativen Schlag. Oder so ähnlich.

Wer seinem Nächsten so begegnet, hat etwas verinnerlicht, das in der Psychologie „Feindbild“ genannt wird.

Sei X eine Person oder eine Gruppe. Ein Feindbild gegenüber X zeichnet sich aus durch:

1. De-Individualisierung bzw. Pauschalisierung (Alle X sind a.),
2. Entpersonalisierung (Xe sind keine mir gleichwertigen Wesen.),
3. Misstrauen (Auch wenn X etwas sagt/plant/tut, dass auch ich für gut/richtig/wahr halte, hat X dabei böse Motive oder Hintergedanken.),
4. Entweder-Oder-Denken (X kann nicht Recht haben, denn ich habe Recht.),
5. Nullsummen-Ansatz (Was X schadet, nützt mir; was X nützt, schadet mir.),
6. Nulltoleranz-Denken (Jeder, der X toleriert oder gar respektiert, macht sich mitschuldig an dem Bösen, das durch X in die Welt kommt.),
7. negative Antizipation (Was auch immer X vor hat, sie/er will mir schaden.) und
8. die Unterstellung mangelnder Aufrichtigkeit bei der Deutung der strittigen Begriffe bzw. die eigene Deutung der Deutung des Anderen (X sagt a, meint aber eigentlich b, so kann X es überhaupt nur meinen, denn nur b passt in mein Bild von X.).

Vor, hinter und über all dem steht die totale Empathieverweigerung – Motto: X und mich verbindet nichts. – als Ergebnis von zu wenig Differenzierung (X ist immer a.) und zuviel Dichotomisierung (X ist a, ich bin non-a.)

Heute ist X für einige „der Moslem“ oder „der Islam“, für andere „der Christ“ oder „die Kirche“. Als ich ein kleiner Junge war, hieß X „der Russe“ oder „die da drüben“. Überzeugt hat mich das damals schon nicht. Und heute tut es das erst recht nicht.

Ich will gar nicht erst anfangen mit „Was würde Jesus sagen?“, denn ich glaube, wir kennen die Antwort ohnehin. Es kommt darauf an, sie auf die uns gestellten Fragen immer wieder neu zu geben. Das ist Nachfolge Christi.

(Josef Bordat)

)* Angeregt durch einen Verweis in einem Kommentar zu einem Beitrag bei Alipius.

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