Wahrheit. Ein Wegweiser für Skeptiker

24. April 2012


Was ist Wahrheit? Simon Blackburn, Professor für Philosophie an der Universität Cambridge, legt mit Wahrheit. Ein Wegweiser für Skeptiker (im Original: „Truth. A Guide for the Perplexed“) ein Buch vor, das sich auf eine engagierte und fruchtbare Antwortsuche begibt.

Blackburns Annäherung an den Dauerbrenner unter den philosophischen Reizthemen geschieht dabei zum einen historisch, zum anderen systematisch durch die Gegenüberstellung von konträren Positionen in unterschiedlichen Epochen. Er versucht mit dieser Methodik der dialektischen Betrachtung die Streitkontinuität aufzuzeigen und die Argumentationen so zu rekonstruieren, dass sie zwar nicht mühelos, aber ohne tiefe akademische Spezialkenntnis verständlich sind. Dabei ist er stets um Klarheit der Sprache bemüht und lockert die nicht immer einfachen Gedankengänge durch Beispiele auf.

In acht Kapitel entfaltet Blackburn seine Untersuchung, wobei die Kapitel auch einzeln gewinnbringend gelesen werden können, da es sich um jeweils abgeschlossene Betrachtungen handelt, deren wichtigste Gedanken Blackburn zuvor schon in Aufsätzen oder Vorträgen veröffentlicht hatte. Dennoch ist der Text mehr als eine Sammlung kleinerer Beiträge, da der Autor Zusammenhänge aufweist, indem er seine Ideen aufeinander bezieht und bei der Komposition des Buchs auf die Erkennbarkeit des roten Fadens, die Wahrheitsproblematik im Spiegel der Philosophiegeschichte, geachtet hat.

Das erste Duell, in das uns der Autor einführt, ist der Streit zwischen Absolutisten und Relativisten, dargestellt anhand der Auseinandersetzungen zwischen William Clifford (rationalistischer Absolutist) und William James (pragmatischer Relativist), die er mit den diesbezüglich klassischen Positionen in Verbindung bringt: Sokrates (Absolutist) versus Protagoras (Relativist). Dabei kennzeichnet er den Relativismus als selbstwidersprüchlich („Rückschlags-Argument“) und geht auch auf Putnams Kritik an Rortys Wahrheitskriterium ein. Wenn – wie der Relativist Rorty behauptet – Wahrheit in der Postmoderne nichts anderes ist als das, „womit dich deine Zeitgenossen davonkommen lassen“ (S. 47), dann bedeutet die Autoapplikation dieser These zugleich ihr Ende, denn Putnam lässt Rorty nicht „davonkommen“, sondern kritisiert ihn. Insoweit wäre also das, was dieser sagt, nicht wahr. Ergo entpuppt sich Rortys Position schon an ihren eigenen Ansprüchen gemessen als nicht stichhaltig.

Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, besteht darin, sich selbst von der aufgestellten These auszunehmen. Diese Strategie schildert Blackburn unter dem Stickwort „Ismael-Problem“, eine Bezeichnung, die auf Melvilles Roman Moby Dick zurückgeht, in welchem der Erzähler Ismael davon berichtet, wie sein Schiff von einem Wal gerammt wurde und die Besatzung ums Leben kam. Nur er habe überlebt, um die Geschichte zu erzählen. Was in der Literatur möglich ist, erscheint in der Philosophie höchst inkonsistent. Warum sollte ausgerechnet der Relativismus der proklamierten Beliebigkeit entgehen? Warum sollte alles relativ sein, nur der Relativismus als Theorie absolut? Wie kann der Relativist dann (und nur dann!), wenn es um ihn geht, die Aufrechterhaltung dessen beanspruchen, was er gerade verwirft? Was vom Relativismus angesichts dieser Widersprüchlichkeit bleibt, ist allein die pragmatische Nutzenorientierung bei der Wahrheitsfindung, die Blackburn aber auch den gemäßigteren Spielarten des Absolutismus’ oder des Realismus’ zubilligt.

Diese wiederum tragen das Problem in sich, dass wir keinen absoluten Standpunkt einnehmen können, von dem aus die Welt, wie sie wirklich ist, betrachtet werden kann. Wir bleiben als Menschen unserer menschlichen Wahrnehmung verhaftet. Unsere Perspektive muss zwangsläufig eine subjektive bleiben. Fraglich ist, inwieweit subjektive Einsichten in die wahrnehmbare Welt miteinander kompatibel sind. Finden wir zueinander – etwa über geteilte Rahmenbedingungen im Sinne Kants, in dessen Epistemologie die vernünftige Synthese aus subjektiver Wahrnehmung („Anschauung“) und den Voraussetzungen, denen wir alle gleichermaßen unterliegen („Raum und Zeit“, „Kategorien“ des Verstandes) zu wahren Urteilen führt – oder bleibt es bei einem unvermittelbaren Perspektivismus, indem nicht nur jeder etwas anderes sieht oder hört, sondern auch je eigene Schlussfolgerungen daraus zieht, ja sogar notwendigerweise ziehen muss, weil auch die Regeln, nach denen sinnliche Erfahrungen unter Begriffe subsumiert werden, aus denen dann wiederum Urteile gebildet werden, rein private sind?

Letzteres behauptet Nietzsche, dem sich Blackburn im folgenden intensiv widmet. Der „Erz-Entzauberer“ (Blackburn) behauptet: „Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen“ (S. 90). In seiner „Hammer-Philosophie“ der Götzen-Dämmerung verwirft Nietzsche alle tradierten Konzepte der kanonischen Philosophie, jene „Großmetaphysiken“ (S. 100) von Platons Dreiklang des Schönen, Guten und Wahren als ewige Ideen über die „verweiblichte“ Wahrheit des mittelalterlichen Christentums bis hin zur „Pflicht-Wahrheit“ Kants, und folgert daraus, die Abschaffung der „wahren Welt“ allein sei der richtige Umgang mit der Wahrheitsproblematik, denn jene wahre Welt sei eine „Illusion“. Damit hebt Nietzsche auch die „scheinbare“ Welt auf, und die Dichotomie von Sein und Schein, die bei Kant noch Grundlage der Erkenntnistheorie und damit des Wahrheitskonzepts ist, löst sich auf. Die Metaphysiken der Ideenwelt (Platon) und des „Dinges an sich“ (Kant) werden verworfen, allerdings ohne eine Alternative zu nennen, was Nietzsche – so Blackburn – nicht in die Falle der Selbstwidersprüchlichkeit laufen lasse, in der die bislang behandelten Relativisten hocken: „Nietzsches eigene Lehren wie die Allgegenwart des Willens zur Macht oder seine Genealogie der Moral lassen sich empirisch bewahrheiten und sind deswegen von seiner Skepsis ausgenommen.“ (S. 101).

Blackburn verweist auf den Einfluss der Antike auf das Denken Nietzsches (Heraklit: „Alles fließt.“), diskutiert einige Nietzsche-Interpretationen und schließt seine Betrachtungen ab, indem er darauf verweist, dass die Zweifel an Nietzsches Position sich doch nicht ganz ausräumen lassen, denn woher wisse Nietzsche mehr – und das höre sich ja so an, wenn er das Gedankengebäude der abendländischen Metaphysik einreißt – als diejenigen, die daran als Architekten und Baumeister mitgearbeitet haben? Es bleibe unklar, wie sich der Angriff auf die Verfechter einer letzten, absoluten Wahrheit rechtfertigt, worauf sich die Überlegenheit der Entzauberung stützt, wenn nicht auf eine eigene Metaphysik. Warum aber gerade die nicht mit den anderen zusammenbricht, bleibt das Geheimnis des ismaelitischen Nietzsche.

Dennoch, so Blackburn, führt Nietzsche trotz der zweifelhaften und alternativlosen Polemik gegen die Metaphysik wertvolle neue Begriffe in den Diskurs ein, etwa den der pragmatischen Nützlichkeit, die Wahrheit als funktionalistische Lebenshilfe begreift: „Unsere überkommene Weisheit ist ein Patchwork aus Instrumenten, die funktionieren. Es geht nicht so sehr um das richtige Verständnis, sondern um Erfolg im Überlebenskampf.“ (S. 122).

Nach diesem einführenden Problemaufriss, der die erste Hälfte des Buches umfasst, versucht Blackburn eine systematische Aufarbeitung der Wahrheitsproblematik mit Hilfe von vier konkurrierenden philosophischen Ansätzen: dem Eliminativismus, dem Quietismus, dem Realismus und dem Konstruktivismus.

Der Eliminativist – Blackburn führt exemplarisch Mackie an – fordert die Aufgabe einer Sprache mit religiösen Zügen zugunsten einer postmetaphysischen Sprache. Das Eliminieren der kritischen Begriffe aus dem Sprachgebrauch, zu denen auch „Wahrheit“ gehört, löse die Probleme der Wahrheitsfindung. Das mag sein, denn wo nichts mehr ist, lässt sich nichts finden und eine Suche erübrigt sich. Doch kann eine Tilgung zentraler Begriffe aus dem Denken zum einen wirklich gelingen? Sind wir nicht viel zu sehr an vertraute Denkweisen gewöhnt? Zum anderen: Ist eine solche Tilgung erstrebenswert? Wollen wir in Bezug auf die Wahrheit wirklich – wie uns der Eliminativist nahe legt – „das Thema wechseln“ (S. 132). Ein Problem dadurch zu lösen, dass man es einfach ad acta legt, scheint nicht befriedigend.

Dagegen hält der Realist an der Wahrheit fest, er behauptet sogar, diese als absolute, objektive Konstante in der Welt vorzufinden, auch wenn wir sie nicht immer treffen oder besser gesagt: noch nicht. Realisten wie Platon und alle Denker in seinem Gefolge sind davon überzeugt, dass es bewusstseinsunabhängige Phänomene gibt, deren Wahrheitsgehalt wir durch beharrliche Annäherung, also durch Wissenschaft, erweisen können. Der Realismus basiert also auf dem Vertrauen, dass die Wahrheit existiert und es Sinn hat, sie zu suchen, ein Gedanke, den auch die Tradition christlicher Philosophie zu begründen versucht. Das Vertrauen auf die Wahrheit der Aussage („p“) liegt wiederum im Vertrauen auf die Wahrheit der Meta-Aussage begründet („es ist wahr, dass p“). Doch haben wir diese überhaupt nötig? Fallen „p“ und „es ist wahr, dass p“ nicht zusammen?

Das jedenfalls behauptet der Quietist, der sich die Dekonstruktion der Meta-Ebene vornimmt. Für ihn gibt es keinen Grund zur Aufregung, solange die Sachfragen zur Zufriedenheit und zum Nutzen der Menschen geklärt werden. Der Quietist ist insoweit erkenntnistheoretischer Minimalist, als ihn das philosophische Metaproblem einer allgemeinen Wahrheitsbedingung („es ist wahr, dass p“) nicht interessiert und er statt dessen seine Aufmerksamkeit den speziellen Einzelfragen vom Typ „p“ widmet. Diese Reduktion scheint philosophisch sehr fragwürdig, entsteht doch daraus ein Funktionalismus der Wissenschaft ohne Referenz auf eine höhere Ebene des Wahrheitsbegriffs. Sie ist aber zweifelsohne die beste Versicherung gegen einen Skeptizismus, der handlungsunfähig macht.

Dem gegenüber baut sich der Konstruktivist seine Welt, wie sie ihm gefällt. Es stört ihn nicht, wenn jeder seine eigene errichtet. Er verwirft damit in erster Linie das Postulat der vom Menschen unabhängigen Wahrheit, das den Realismus kennzeichnet. Statt objektiver Welterklärung geht es dem Konstruktivisten um subjektive Metaphernbildung. Aber auch vom Quietismus grenzt er sich ab, da er sehr wohl die Möglichkeit der Formulierung übergeordneter Wahrheitstheorien anerkennt und die Entwicklung solcher Theorien fördert, wenn diese auch keinen absoluten und manchmal gar religiös motivierten Allgemeingültigkeitsanspruch in Ewigkeit mehr haben, sondern als „Konstruktionspläne“ (S. 143) dem bescheidenen Versuch entsprechen, mit Modellen der Wirklichkeit ein besseres Verständnis der Welt herbeizuführen, wobei die Normen, nach denen die Modelle errichtet werden, unsere Normen sind. Sie werden von uns konstruiert und sind nicht von dem, was wirklich ist, direkt ablesbar.

Ziemlich ausführlich beschreibt Blackburn im Anschluss daran die Position Wittgensteins als eine, die zwischen Quietismus und Konstruktivismus angesiedelt ist. Wittgensteins Anti-Realismus verbindet die beiden Ansätze. Der um Erkenntnis und Wahrheit bemühte Mensch ist bei Wittgenstein ein Erfinder und kein Entdecker, was eine Affinität zum Konstruktivismus anzeigt. Die Wahrheitssuche ist nur in der Sache selbst sinnvoll, nicht in einem über alle Einzelfragen erhobenen „Reich wahrer Ideen“; damit übernimmt er die Haltung des Quietismus.

Blackburn beschreibt die Ansätze sehr aufschlussreich, doch bleibt die Frage, ob und wie die vier konkurrierenden Positionen zusammenkommen können bzw. ob und wie sich überhaupt ein Konsens in bezug auf die Ausgangsfrage einstellen kann, die ja immer noch im Raum steht: Was ist Wahrheit?

Um sich einer Antwort auf diese Frage zu nähern, wendet er sich dem Empirismus zu und nach einer historischen Einführung (Locke, Berkeley) der Kontroverse zwischen Hume, der hinsichtlich der Vermittelbarkeit der unterschiedlichen Haltungen skeptisch ist, und dem Optimisten Davidson.

Die Position des Schotten Hume beinhaltet die Inkompatibilität subjektiver Standpunkte, was Hume epistemologisch begründet, indem er behauptet, es gäbe keine Grundlage für die Wahrheit von abgeleiteten Kausalgesetzen und wenn dies schon in der Natur des Denkens so angelegt sei – wie er meint -, dann wirke es sich erst recht destabilisierend im Zusammenhang mit der Vermittelbarkeit unterschiedlicher Positionen anthropogener Weltdeutung aus. Der logos verliert bei Hume jede Autorität. Wir tun zwar so, als wären die Folgerungen aus unseren Beobachtungen wahr, doch ohne wirklichen Grund – ein Frontalangriff auf Wahrheit und Vertrauen. Was bleibt ist „natürlicher Glaube“ (Hume), die „subjektive Unvermeidbarkeit, dass eine menschliche Natur wie die unsre, die unseren Geist, so wie er ist, hervorbringt, auch so über die Welt nachdenkt, wie wir dies tun.“ (S. 163).

Dagegen setzt Davidson ein fast naiv anmutendes Vertrauen, dass intersubjektive Verständigung ermöglicht. In seinem Principle of Charity garantiert Gott, dass wir meist die richtigen Überzeugungen haben und miteinander teilen. Das bleibt nicht nur sehr schwammig, es stellt auch – wie Blackburn kritisiert – „nur einen armseligen Ersatz für das dar, was wir wirklich wollen“, nämlich „spezifische Gewissheiten in spezifischen Kontexten“ (S. 168). Die Schlussfolgerung, dass „nichts als Ursache für eine Überzeugung gelten kann als eine andere Überzeugung“ – und sei es auch die Überzeugung Gottes – „ist ganz einfach falsch“ (S. 187). Denn mit der Ausblendung der empirischen Wahrnehmung des Menschen ist der Sache nicht gedient. Auch Erfahrung liefert uns Gründe für eine Überzeugung, das ein bestimmter Sachverhalt wahr ist.

Schließlich kommt Blackburn noch einmal auf den Relativisten Rorty zu sprechen, dem er vorhält, am Ende einer sukzessiven Dekonstruktion des Wahrheitsbegriffs in der Moderne zu sitzen, von dem schließlich nichts mehr übrigbleibt als „der Text“ (Blackburn zitiert mehrmals Derrida mit seinem Credo des Postmodernismus’: „Il n’y a pas de hors-texte.“). So ist die Sprache bei Rorty folgerichtig auch gar nicht mehr da, um die Welt, wie sie ist, zu repräsentieren, sondern nur, um uns in ihr zurechtzufinden. Aus dem „Wissen, dass…“ wird ein „Wissen, wie…“ oder – mit den Worten Rortys -: „coping not copying“ (S. 169).

In diesem Kontext zeigt sich schließlich auch Blackburns gemäßigt realistische Haltung („[w]ir sollten uns nicht zu sehr über die postmodernen Autoren aufregen.“, S. 190), der v. a. in der Wissenschaftstheorie eine sinnvolle Anwendung der Wahrheitsmetaphysik erkennt. Hier verweist Blackburn auf die „Putnam-Boyd-Transformation“ (S. 193), welche die Wissenschaft selbst zum Untersuchungsgegenstand macht und damit durchaus den Anspruch verbindet, absolute Wertmaßstäbe für wissenschaftliche Forschung zu entwickeln, ohne dabei der Wissenschaft bornierte erkenntnistheoretische Vorgaben zu machen oder ihr gar eine Definition von Wahrheit als verbindlich aufsetzen zu wollen.

Im Schlusskapitel kommt Blackburn noch einmal zum empirischen Hauptproblem der Wahrheitssuche zurück, die „Verschiedenheit der subjektiven Standpunkte“ (S. 217) und setzt den postmodernen Pessimisten den Optimismus Davidsons entgegen, der die Auffassung vertritt, dass sich alles Sprachliche deuten und schließlich in Wohlgefallen auflösen lässt. Insoweit wäre auch das „Übersetzungsproblem“ kein unüberwindbares Hindernis auf dem Weg zu gemeinsam geteilter Wahrheit.

Anhand dieser Darstellung imaginärer Dispute um systematische Begriffe und der Erläuterung herausragender historischer Einzelpositionen (wie die Nietzsches und Wittgensteins) gelingt es Blackburn, das Problem einzukreisen und manchmal auch zum Kern vorzudringen. Zwar zeigt Blackburn unverkennbar Sympathien für einen minimalistischen Realismus, der das Vertrauen in die Wissenschaft mit ihrer Erkenntnisleistung selber rechtfertigt und der die Probleme als Sachprobleme auffasst, die in den meisten Fällen keine Problematisierung auf der philosophischen Metaebene nötig haben, doch erhebt er diese Position nicht zum Dogma, sondern formuliert entsprechende Bemerkungen sehr vorsichtig.

Bleibt die Frage: Ist die Leserin, ist der Leser am Ende schlauer? Ja und nein, denn eine letzte Antwort, welche die Frage Was ist Wahrheit? ein für alle Mal verstummen ließe, gibt – wie schon gesagt wurde und wie auch zu erwarten war – Blackburn nicht, allerdings gelingt es ihm, mit einer beachtlich ertragreichen Auswertung der historischen und systematischen Positionen der Philosophie und insbesondere mit der geschickten (und bisweilen auch unterhaltsamen) Kritik an der relativistischen Tradition die Diskussion um einige gewichtige Argumente gegen den Postmodernismus anzureichern, die dazu befähigen sollen, sich den Problemen der Welt zuzuwenden und sich nicht von frustrierenden Meta-Fragen erschlagen zu lassen, so dass wir am Ende „die postmodernen Anführungszeichen in vielen Bereichen wieder streichen [können], die uns ein Anliegen sein sollten: Wahrheit, Vernunft, Objektivität und Vertrauen.“ (S. 241). Die Frage, was Wahrheit im Allgemeinen ist, wird abgelöst von der Frage, was in einer bestimmten Situation und unter einer bestimmten Fragestellung wahr ist. Gepaart mit dem nötigen Vertrauen, gewonnen aus den realistischen Positionen des Disputs, lässt sich getrost leben und die fundamentale Skepsis überwinden, ohne gleich naiv oder leichtgläubig zu werden. Dazu ermutigt die Lektüre, dazu leisten Blackburns wohlbegründete Einlassungen eine gute Argumentationshilfe.

Bibliographische Daten:

Simon Blackburn: Wahrheit. Ein Wegweiser für Skeptiker.
Aus dem Englischen von Andreas Hetzel.
Darmstadt: Primus 2005.
256 Seiten, € 24,90.
ISBN: 978-3896782779.

(Josef Bordat)

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.