Ja zu Europa

13. Mai 2012


Die Berliner Veranstaltung zu Miteinander für Europa. Ein Bericht

Die Berliner Veranstaltung im Rahmen der europäischen Bewegung Miteinander für Europa in der evangelisch-freikirchlichen Lukasgemeinde in Schöneberg beginnt mit einer Einführung in die Geschichte und die Zielsetzung des christlichen Netzwerks.

Begonnen hat es 1999 in direktem Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre in Augsburg. Wichtige Meilensteine waren die beiden Treffen in Stuttgart mit jeweils etwa zehntausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern (2004 und 2007) sowie zuletzt die dezentrale Veranstaltung in zwölf europäischen Städten (2009).

Getragen wird Miteinander für Europa von den „Sieben Jas“, die sich aus der Botschaft des Evangeliums als Richtlinien für das Handeln herauslesen lassen: 1. Das Ja zum Leben, was bedeutet, das menschliche Leben in allen Phasen seiner Entwicklung zu schützen, von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. 2. Das Ja zu Ehe und Familie, damit diese der Ort ist, an dem Kinder soziales Verhalten und Wertmaßstäbe für eine gerechte Gesellschaft lernen können. 3. Das Ja zur Schöpfung, also zum Schutz der natürlichen Umwelt, um sie als Gottes Gabe für die kommenden Generationen zu erhalten. 4. Das Ja zum Leben mit den Armen und Benachteiligten, denen ein Platz in der Mitte der Gesellschaft gegeben werden soll. 5. Das Ja zu einer gerechten Wirtschaft, die sich am Menschen orientiert und durch transparenten Handel und faire Beziehungen zu Kunden und Konkurrenten das Gemeinwohl mehrt. 6. Das Ja zu Kindern und Jugendlichen, für ein gewaltfreies Miteinander an den Schulen und in den Städten. 7. Das Ja zum Frieden und zur friedlichen Lösung von Konflikten in der Gesellschaft.

Zu diesem ambitionierten „Programm“ haben sich in den letzten acht Jahren zahlreiche Initiativen gebildet. Drei davon stellen sich auf der Berliner Veranstaltung vor. Da ist zunächst eine Gruppe von SantEgidio, die das „Ja zum Leben“ zu einem beeindruckenden Engagement gegen die Todesstrafe motivierte. Von Europa, wo die Todesstrafe weitgehend abgeschafft ist, müsse ein Signal in die Welt gehen, damit diese des Menschen unwürdige Form der Behandlung von Straftätern überall ein Ende findet. Die Sprecherin der Initiative erinnerte an den Prozess Jesu, in dem – obgleich für damalige Verhältnisse rechtlich einwandfrei – der „Unschuldigste aller Unschuldigen“ zum Tode verurteilt wurde. Auch heute träfe es oft Unschuldige, manchmal bloß, weil sie sich keinen guten Anwalt leisten können.

Das „Ja zu Ehe und Familie“ wird eindrucksvoll von einem Paar der Bewegung Chemin Neuf ausgesprochen. Schließlich wird der Christliche Freiwilligendienst vorgestellt, in dem jede und jeder die Chance hat, nach ihren und seinen Fähigkeiten und Kapazitäten ein persönliches Ja zu sagen, das je nach Aufgabenstellung die Natur, die Kinder, die Wirtschaft, das Leben, die Armen, die Familie oder den Frieden betrifft, so vielfältig kann man sich in Berlin engagieren.

Zwischen den einzelnen Programmpunkten sorgt eine Band aus dem Umfeld der Fokolar-Bewegung für die musikalische Einstimmung.

Nach diesen Präsentationen, die zum Mittun einluden, ging es live nach Brüssel zur zentralen Veranstaltung. Gemeinsam mit 139 anderen europäischen Städten war Berlin verbunden mit den Rednern, den Musikern und den rund 1000 Gästen vor Ort. In ihren Ansprachen betonten Andrea Riccardi (Sant’Egidio) und Thomas Römer (CVJM) die besondere Rolle der Christen im heutigen Europa. Sie seien berufen, in der gegenwärtigen Krise des Kontinents Einheit zu stiften und Hoffnung zu spenden, dadurch, dass sie sich und andere befähigen, an einer Gesellschaft zu bauen, die auf dem Fundament des christlichen Glaubens, dem Evangelium beruht, das uns Freiheit, Barmherzigkeit und Liebe als Grundprinzipien des Miteinanders lehrt. Riccardi erinnerte daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren die erste paneuropäische Zusammenkunft nach dem Zweiten Weltkrieg war. Römer betonte, dass mit einer Rückbesinnung auf Jesu Botschaft die für Veränderung nötige Versöhnung ebenso gelingen kann wie die Einsicht, dass Geld eine Gabe sei, die den Menschen zu dienen habe.

Es wird deutlich: Europa braucht engagierte Christinnen und Christen – in den politischen Gremien, aber noch viel mehr im europäischen Alltag. Hier müssen sie – auch gegen Widerstände – immer wieder ein entschiedenes Ja zum Leben und zum Menschen sprechen, denn nur dieses Ja ist ein Ja zu Europa und den europäischen Werten, die wesentlich vom Christentum geprägt sind.

(Josef Bordat)

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.