Christliche Feiertage nur für Christen?

15. Mai 2012


Jetzt kommen sie wieder – christliche Feiertage, mit denen kaum noch jemand etwas anfangen kann: Christi Himmelfahrt (17. Mai), Pfingstmontag (28. Mai) und Fronleichnam (7. Juni). Vor allem Nicht-Christen dürften mit diesen Tagen nicht mehr verbinden als Oberflächlichkeiten von „Arbeitsfrei“ bis „Zuschlag“.

Wenn dem so ist, sollten dann nicht nur diejenigen tatsächlich frei bekommen, die den Tag so feierlich begehen, wie es denen vor Augen stand, die dafür sorgten, dass er überhaupt frei gehalten wird? Muss bei Wegfall der christlichen Feierkultur als Grund für die Befreiung von der Arbeitspflicht nicht zugleich auch letztere wegfallen? Wird dem arbeitsfreien Tag nicht die Grundlage seiner notwendigen Eigenschaft als „arbeitsfrei“ entzogen, wenn man ohne (Gewissens-)Not zur Arbeit gehen könnte?

Butter bei die Fische: Sollen christliche Feiertage nur für Kirchenmitglieder arbeitsfrei sein? Das fragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Meinungsforschungsinstitut Emnid mehr als 1000 Menschen im Auftrag des Magazins Reader‘s Digest. Ergebnis: 78 Prozent der Deutschen sind dagegen, dass nur Christen an christlichen Feiertagen frei haben. Nur eine Minderheit kann sich demnach vorstellen, dass Konfessionslose an christlichen Feiertagen zur Arbeit gehen müssen. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen halten 13 Prozent etwas von dieser Idee, bei den 30- bis 39-Jährigen sind es 22 Prozent und bei den 40- bis 49-Jährigen 24 Prozent. Mit 19 Prozent fällt die Zustimmung bei den 50- bis 59-Jährigen schwächer aus. Am höchsten ist sie mit 26 Prozent in der Altersgruppe der über 60-Jährigen.

Also: Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und Fronleichnam sind und bleiben Feiertage für alle Menschen, für die ganze Gesellschaft. Es schadete indes trotzdem nichts, wenn man sich darüber informierte, was Christen eigentlich jeweils feiern. Und wenn man mitfeierte. Die Türen stehen offen. Zu Pfingsten sogar ganz konkret.

(Josef Bordat)

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