Woelki-Leaks

4. Juni 2012


Neue Enthüllungen über den mächtigsten Mann der Welt

Die geheimsten Geheimnisse aus dem Zentrum der Macht – endlich enthüllt! – Teil 1: Was am Abend des Bundesligarelegationsspiels Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC wirklich geschah.

Berlin. Der Katholizismus hat die Stadt seit Jahrtausenden fest in seinem mittelalterlichen Würgegriff. Der unermessliche Reichtum der Berliner Kir… jedenfalls hat Berlins neuer Bischof sicher auch was zu vertuschen. Enthüllen wir es!

Wir sehen ein einfach eingerichtetes Wohnzimmer. Die versteckte Kamera eines investigativen Journalisten filmt aus der Froschperspektive Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki, der, im Sessel sitzend, ein frischgezapftes Kölsch in der Hand, das Bundesligarelegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC verfolgt. Das Spiel befindet sich in der Schlussphase.

Rainer Maria Woelki (Einblendung: „Stimme wurde verzerrt!“): Mann, Mann, Mann! (verächtlich – das lässt sich trotz Stimmverzerrung heraushören) Fortuna! – Und der FC steigt ab. (plötzlich wieder lebhafter) Sieben Minuten! Das ist ’ne Menge… Aber doch nicht so! Mann! (entschlossen) Na, dann woll’n mer mal.

Woelki steht auf und geht zu einem Aktenschrank. Die Kamera liefert Wackelbilder, man erkennt nur, dass er einen Ordner mit der Aufschrift: „Macht, Gewalt, Hexen / Telefonliste Erzbistum Köln A-M“ öffnet. Wenig später greift er zum Telefon.

Rainer Maria Woelki (Einblendung: „Stimme wurde verzerrt!“): Ja, Matthias Janssen, wie geht’s? Ja, Woelki. Jaha, so ist das. Immer noch Pastoralreferent in Dormagen, Janssen? Ja… Ja, ich seh‘ es gerade… Im Stadion? Na, prima. (Woelki ballt die Faust.) Dann gehen Sie doch mal schnell auf’s Spielfeld… Ja, die Pfadfinder auch! Was soll das heißen: „Das Spiel ist noch nicht beendet.“ – Hören Sie, Janssen, Sie geh’n da jetzt runter. (betont) Ein Anruf bei den Kolping-Frauen und sie können für’s nächste Pfarrfest den Kartoffelsalat selbst… Schon unterwegs? Wusste ich’s doch, Janssen! Und wenn Sie mal in Berlin… Aufgelegt! (Woelki legt auf, trinkt sein Kölsch auf Ex und blickt zufrieden Richtung Fernseher, auf dem ein von Zuschauern gefluteter Stadionrasen zu sehen ist.) So, jetzt noch ein Anruf und die Sache ist gebongt…

Schnitt. Die Katakomben des Düsseldorfer Stadions. Ronny und Rafael kommen ganz aufgeregt zu Michael Preetz.

Ronny: Herr Preetz, Herr Preetz. Wir haben Anruf bekommen… – Preetz: Einen Anruf bekommen. – Rafael: Ja, von Edson Arantes do Nascimento! – Ronny: Besser bekannt als Pelé. – Preetz: Leute, wir haben hier ein wichtiges Relegationsspiel. Es geht um die 30 Prozent Abschlag auf die Sponsorengelder, die wir über die reduzierte Steuerquote nur zum Teil refinanziert… – Rafael: Er hat gesagt, er kommt uns holen, wenn wir… – Ronny: Pelé jetzt, Preetz, Pelé! – Preetz (verächtlich): Pelé! – Rafael: Wenn wir weiterspielen. – Ronny: Und dann sperrt er uns in eine von den unterirdischen Höhlen, die… – Preetz: Erstens – Herr Preetz. Zweitens – Ich sag das jetzt ungern noch mal: Wir stehen hier… – Rafael: Wir sind völlig verängstigt, Preetz! – Ronny: Herr Preetz.

Michael Preetz verschwindet kopfschüttelnd, Ronny und Rafael klatschen sich ab.

Preetz rast durch die Katakomben auf Otto Rehhagel zu, der bei Schiedsrichter Stark steht und ihm etwas auf seinem Handy zeigt.

Rehhagel: Und das hier, das ist die Akropolis, also bevor ich mich gegen die Säule… an dem Tach, da warn’t bestimmt 40 Grad. Meine Frau… – Preetz (laut): Otto! – Rehhagel: …die war schon geladen, weil im Hotel die Klimaanlage… – Preetz (nachdrücklich): Otto! – Rehhagel: Ja, was denn, Preetz?! – Preetz: Otto, die Spieler sind völlig verängstigt! Die können in diesem Zustand unmöglich….

Otto Rehhagel schließt seine Augen, legt den Kopf leicht in den Nacken, hebt die rechte Hand. Rehhagel: Du hast sie gekauft, Du bist für sie verantwortlich. – Preetz: Ja, aber…! – Rehhagel: Kauf erst mal ein paar anständige Spieler, einen Xavi, einen Iniesta oder einen Angelos Charisteas… Dann reden wir weiter! – Preetz: Müssen wir das jetzt hier… – Rehhagel: Ja, wo denn sons‘?! „Verängsticht.“ (sich wieder Schiedsrichter Stark zuwendend): So, Heraklion, dat war jetzt im Jahr d’rauf, mit dem Wohnmobil…

Währenddessen in Berlin. Kameraeinstellung wie zu Beginn. Woelki (zu sich): Spiele manipulieren, Spieler verängstigen, Schuld sein am Bevölkerungswachstum in Bangladesh – man tut halt, was man kann! Aber zum Feierabend will ich meine Macht dann doch noch mal positiv nutzen… (greift zum Telefon) „Hello, bin ich da richtig… Ja, hello, Madame! Yes. Archbishop Woelki…. Yes, I know that with Podolski leaves the only one of Cologne that can be called bundesligatauglich. Ha, ha! Yes, really funny. Listen, is your hus… Well, than tell your husband that he shall call me immediately, when he comes back from the hair-stylist, all right? Thank you, and: be blessed! Bye, Mrs Drogba.“ So, Feierabend. (direkt in die „versteckte“ Kamera) Und: Abschalten!

(Josef Bordat)

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