EM-Gastspiele. Teil 2

26. Juni 2012


Das Halbfinale

Ein Sketchlet für drei Schafe, eine Kinoleinwand und beliebig viele Schafstatisten

Auf unserer nun schon wohlbekannten Schafweide vor den Toren von Wundersdorf finden wir verblüffende temporäre Veränderungen vor: Am Rande der Weide ist eine große Public-Viewing-Leinwand installiert. Die Schafe stehen gebannt vor dem Bildschirm und verfolgen ein Fußballspiel. Etwas abseits steht Kohle und grast. Ihn scheint es nicht zu interessieren. Wolle und Flocke, die von einem Spaziergang am Wassergraben zurückkehren, gesellen sich Kohle zu.

Flocke: Hallo, Kohle!

Kohle (mit vollem Mund): Ha-ooo.

Wolle: Na – wie steht’s?

Kohle: Keinge Ahngung (Er schluckt seinen Bissen hinunter.) Bei 7:9 habe ich aufgehört zu gucken.

Flocke: Wer führt denn?

Kohle: Die Ehrenamtler.

Wolle: Mit neun Toren?

Flocke: Wie kann das denn?

Kohle: Alles Eigentore der PGR-ler. Kneif lehnt ja nur am Pfosten und macht keinen Finger krumm.

Flocke: Aber trotzdem – neun Eigentore … Und wer hat die sieben Tore für den PGR geschossen?

Kohle: Geworfen, wolltest du wohl sagen? Na, Corinna rennt ab und zu mit dem Ball unterm Arm nach drüben.

Wolle: Wie? Das geht? Wird das nicht abgepfiffen?

Kohle: Nö. Scheint’s nicht … (er grast weiter).

Flocke: Und warum schießt von den andern keiner?

Kohle: Die Mannschaft des PGR besteht nur aus Vorstoppern. Da ist keiner im Sturm. Sie finden, das gehöre sich nicht. Sich so vorzudrängeln. Hat die Vorsitzende vorhin gesagt. (Er schaut zum Bildschirm) Da! Da siehst du’s grade schön – alle im Fünfmeterraum vor dem eigenen Tor!

Flocke: Früher hatten sie wenigstens noch den einen oder anderen Traditionalisten als „Rechtsaußen“.

Kohle: Alles vorbei! „Friede, Freude, Eierkuchen: Wir machen dicht, woll’n nix versuchen.“

Wolle (trabt ein paar Schritte auf den Bildschirm zu): Ou, das war aber ein Foul!

(Man sieht Sanitäter auf den Platz laufen und einen Ehrenamtler auf einer Bahre wegtragen.)

Kohle: Hm. „Da waren’s nur noch sechs.“

Flocke: Was?

Kohle: Corinna hat schon einen Ehrenamtler krankenhausreif gefoult, und drei sind nach einer Schwalbe von Corinna vom Platz gestellt worden.

Wolle: Rote Karte?

Kohle: Klar, sofort!

Flocke: Hammerhart!

Wolle: Wer pfeift eigentlich?

Kohle: Jemand aus der Rechtsabteilung vom Bistum. Nicht besonders laufstark – da ist sie gerade im Bild, guck!

Flocke: Hm! Und die sieht das wohl alles nicht?

Kohle: Sieht nichts oder darf nicht oder will nicht – keine Ahnung. (Er grast.)

Wolle: Mensch, Kohle, das kann dich doch nicht so kalt lassen!

Kohle: Was willst du denn von hier aus machen? Wir auf unserer Schafweide, hm? Was sollen wir uns denn hier heiß machen?

Flocke: Man muß doch etwas tun!

Kohle: Laß mal! Das hier ist erst das Halbfinale. Das Finale spielt woanders! Da spielen dann ganz andere Leute mit. (Er grast.)

Wolle (horcht auf): Hilfe! Was ist das denn jetzt?

Kohle (lauscht ebenfalls kurz): Ah! Sie spielen zum Schluß nochmal die PGR-Hymne: „Pfarrer Kneif hat immer Recht“, heißt sie. Wurde auch am Anfang vorgestellt.

Wolle: Ah! Ich weiß: Haben „Mitglieder des PGR“ damals gedichtet, als Hochwürden sich nach dem Sternsingergottesdienst mit seinem Jahresmotto im Petershagener Boten zitieren ließ: „Ich sag mir immer: Ich hab Recht, ich bin hier der Pfarrer!“

Flocke: Stimmt! Ich erinnere mich!

Der Bildschirm (eine ältliche Stimme, etwas plärrend):
Uns schützt die Mutter der Massen!
Uns trägt der mächtige Arm!
Pfarrer Kneif, Pfarrer Kneif, der hat immmmmäääääääääärrrrrrrrRecht,
und, ihr „Guten“, es bleibet dabei!

Flocke (wendet den Kopf): Ah! Wenn Corinna nicht immer auch noch singen würde.

Der Bildschirm (wie vorher): „Denn wer pfeift auf das Recht, der kriegt immmmmäääääääääärrrrrrrrRecht.
Das ist ,Kirche in Wundersdorf‘ live.
Darum pfeif auf das Recht, du hast immmmmäääääääääärrrrrrrrRecht.
Kneif alive! Pfarrer, pfeif! Pfarrer Knaaaaaaaaif!“

Ende

Cornelie Becker-Lamers

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