Georg Wilhelm Friedrich Hegel

27. August 2012


Heute vor 242 Jahren wird der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel geboren.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist einer der wichtigsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, gerade für die Praktische Philosophie und die Bestimmung des Verhältnisses von Ethik, Politik und Recht sind seine Beiträge von großer Bedeutung. In seinem rechtsphilosophischen Hauptwerk Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse von 1820 macht Hegel interessante Bemerkungen zum Gewissen.

Für ihn ist das Gewissen nicht ohne objektiven Wahrheitsbezug denkbar. Allein ein Gewissen, in dem sich die Wert- und Rechtsordnung widerspiegele, sei das „wahrhafte Gewissen“ (§ 137), das der Gesinnung entspreche, „das, was an und für sich gut ist, zu wollen“, so dass es „feste Grundsätze“ habe, die als „objektive Bestimmungen und Pflichten“ wirken (§ 137). Nur in dem Fall, in dem sich das Gewissen tatsächlich an diesen Grundsätzen, Bestimmungen und Pflichten ausrichtet, so dass es schließlich mit dem Substantiellen, Wahrhaften identisch ist und dadurch die Einheit von Subjekt und Objekt herstellt, kann es Freiheit und Schutz beanspruchen. Das rein subjektivistisch begründete Gewissen könne vom Staat nicht anerkannt werden, da es in der objektiven Rechtsordnung so zu behandeln sei wie die bloße Meinung in der Wissenschaft (§ 137). Wenn allerdings die objektivistische Ausrichtung erfolge, sei die „Majestät des Gewissens ein Heiligtum, welches anzutasten Frevel wäre“ (§ 137).

Mit dieser starken Objektivierung des Gewissens, das letztlich ganz auf die äußere Norm zurückfällt, wird der Bezug zum Inhalt des Gewissens, der mit Kant aufgegeben worden war, wieder restituiert. Hegel macht es deutlich: „Ob aber das Gewissen eines bestimmten Individuums dieser Idee des Gewissens gemäß ist, ob das, was es für gut hält oder ausgibt, auch wirklich gut ist, dies erkennt sich allein aus dem Inhalt dieses Gutseinsollenden. Was Recht und Pflicht ist, ist als das an und für sich Vernünftige der Willensbestimmungen, wesentlich weder das besondere Eigentum eines Individuums, noch in der Form von Empfindungen oder sonst einem einzelnen, d. i. sinnlichen Wissen, sondern wesentlich von allgemeinen, gedachten Bestimmungen“ (§ 137). Eindeutig erteilt Hegel damit jedem nicht an der Norm orientierten, rein subjektiven Gewissensgebrauch eine Absage. Das Gewissen ist für ihn überhaupt nur ein ethisch und juristisch zu achtender Gegenstand, wenn von ihm nicht in dem Sinne gebraucht wird, wie es im Kontext der verfassungsgemäßen Gewissensfreiheit gemeint ist.

Das Pendel schlägt also bei Hegel in die andere Richtung aus. Er ist skeptisch ob des neuen Subjektivismus in Moral und Recht. Er fürchtet, dass sich das Gewissen von der Wahrheit als objektivem Bestimmungsgrund lösen könnte und „sich nur noch auf ein independentes, autarkisches Selbst beruft“, welches „das objektive Gesetz nicht mehr repräsentiert, sondern ersetzt“, sich also selbst zum Gesetz wird, und damit gegen seine eigene Wesenheit steht, gegen das, was er eigentlich will, nämlich mit dem Gebrauch des Gewissens „die Regel einer vernünftigen, an und für sich gültigen allgemeinen Handlungsweise“ zu befolgen (§ 137). Man kann, wenn man genau hineinhorcht, wieder Thomas von Aquin hören, der davon sprach, dass der Mensch seine Menschlichkeit verliert, wenn er der Vernunft zuwider handeln will. Wille und Vernunft, Freiheit und Wahrheit, Subjekt und Objekt treffen sich bei Hegel wieder: „Das Gewissen drückt die absolute Berechtigung des subjektiven Selbstbewußtseins aus, nämlich in sich und aus sich selbst zu wissen, was Recht und Pflicht ist, und nichts anzuerkennen, als was es so als das Gute weiß, zugleich in der Behauptung, daß, was es so weiß und will, in Wahrheit Recht und Pflicht ist“ (§ 137). Von diesem Junktim kann im Subjektivismus nach Kant nicht mehr die Rede sein, weshalb Hegel das inhaltsleere Gewissen, das nicht mehr leiste als die „unendliche formelle Gewißheit seiner selbst“ (§ 137) aufrecht zu erhalten und sich in falsch verstandener Freiheit anmaßt, aus sich selbst heraus das Gute zu bestimmen, für „die Krankheit dieser Zeit“ hält (§ 138).

Mit seiner Rede davon, dass der Subjektivismus in der Gewissenstheorie einer „Auflösung der Ehrfurcht gegen das vorhandene Objektive“ (§ 138) in der Moral gleich komme (wogegen sich übrigens auch der Kronzeuge des Subjektivismus’, Immanuel Kant, verwahrt hätte), spricht Hegel nicht zuletzt der Katholischen Kirche aus dem Herzen.

(Josef Bordat)

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