Die Hölle auf Erden

29. Oktober 2012


Ein verstörender Bericht über Nordkorea.

Nordkorea ist ein Land, in dem die Menschenrechte keine Geltung haben. Die Organisation Amnesty International schreibt in ihrem aktuellen Jahresbericht über die katastrophale Versorgungslage der nordkoreanischen Bevölkerung. Es fehlt an allem, was zu einem Leben in Würde nötig ist. Nahrung, Energieträger, Freiheit. Das Christliche Medienmagazin Pro berichtet in seiner neusten Ausgabe (5/2012) über die Zustände in dem abgeschotteten Land. Anlass ist das Erscheinen eines verstörenden Zeugenberichts, der unter dem Titel Flucht aus Lager 14. Die Geschichte Shin Dong-hyuks, der im nordkoreanischen Gulag geboren wurde und entkam im Buchhandel erhältlich ist.

200.000 Häftlinge erleiden derzeit Shin Dong-hyuks langjähriges Schicksal, unter ihnen „bis zu 70.000 Christen“, wie das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors schätzt. Für die Inhaftierung einer ganzen Familie reicht schon das Auffinden einer Bibel in ihrer Wohnung aus. Zu lesen, was die inhaftierten Christen in den Lagern an unfassbaren Grausamkeiten erleben müssen, macht mich traurig und wütend zugleich. Sie werden „schlechter behandelt als Tiere“, so Markus Rode von Open Doors. Eine ehemalige Inhaftierte berichtet davon, dass sie den Blick stets gesenkt halten müssen, „um nicht zum Himmel und damit zu Gott aufzuschauen“. An ihnen werden „barbarische Experimente“ durchgeführt. Christen bekommen die „härtesten Arbeiten“ zugewiesen, müssen „mit Säuren hantieren“ und „Fäkalien entfernen“. Sie werden tagelang „in kleine Boxen gepfercht“; nicht selten führt diese Misshandlung zu körperlicher Lähmung. Ihre Wärter erhalten Belohnungen, wenn sie es schaffen, Christen „durch Folter zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwingen“.

Nach der Lektüre des Pro-Artikels bin ich tief deprimiert. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft haben werde, das Buch zu lesen, ich weiß nicht, ob ich es uneingeschränkt empfehlen kann. Nicht, weil ich es für falsch halte, über Grausamkeiten zu sprechen, sondern, weil ich selbst an mir merke, wie sehr mich schon die kurzen Auszüge aus dem Bericht Shin Dong-hyuks mitnehmen, die Pro an den Anfang des Artikels stellt, wie sehr mir seine Zeichnungen nahegehen und in mir nachwirken.

Ein Gedanke drängt sich allmählich auf: Welch ungeheuer große Angst muss das Regime vor dem Christentum haben! Welch großen Respekt vor der Schrift als Quelle neuen, anderen Lebens! Welch großen Glauben an die Macht Gottes und die Kraft des Gebets!

Shin Dong-hyuks lebt heute in den USA. Er legt Zeugnis ab für die Zustände in den Lagern Nordkoreas. Wenn jemand seinen Bericht anzweifeln wolle, könne er seinen Körper entblößen, dessen Verstümmelungen und Wundmale die grausame Geschichte seiner Haft erzählen. Shin Dong-hyuks, so schließt der Pro-Artikel, habe Kontakt zu christlichen Gemeinden und halte dort Vorträge. An einen liebenden Gott könne er aber nicht glauben; „das Wort Vergebung irritiert ihn bis heute“.

(Josef Bordat)

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