Hölle, Hölle, Hölle!

22. November 2012


Offenbar gab es gestern nicht nur Fußball im Fernsehen, sondern auch eine Fortsetzung der Themenreihe Leben mit dem Tod, diesmal in eschatologischer Perspektive, also: Leben nach dem Tod, eine durchaus sinnvolle Vertiefung des Topos Sterben und Tod.

Anne Will stellte dabei in dieser Sendung, die ich nicht gesehen habe, u. a. offenbar folgende Frage: „Warum brauchen Katholiken die Konstruktion einer Hölle?“ Die Kollegin Braut des Lammes hat schon völlig zurecht darauf hingewiesen, dass es bei der „Konstruktion einer Hölle“ keine Konfessionsunterschiede geben kann, da sie zum geteilten Glaubensgut des Christentums gehört.

Die Frage müsste aber auch davon abgesehen ganz anders lauten: „Warum brauchen Philosophen die Konstruktion einer Hölle?“, so sie, die Philosophen, Christen sind. Nun, das liegt einfach daran, dass man, wenn man A denken kann, auch nonA denken können muss. Also: Wenn es die absolute Gottesnähe gibt, die Vollendung in Gott, von der das Christentum wesentlich handelt, dann muss es auch das Gegenteil geben, die absolute Gottferne. Und genau das ist die Hölle.

Die Freiheit, und zwar die des Menschen, gebietet, sich für das eine oder eben für das andere entscheiden zu können. Insoweit wundert es, dass es in der gestrigen Sendung nicht zum Naheliegenden gekommen ist, nämlich zu der Einsicht, „daß der Mensch, und nur er selbst, es in der Hand hat“, wie Braut des Lammes schreibt. Denn: „[N]ur wer sich endgültig von Gott abwendet und all seinem liebevollen Werben um Umkehr trotzt, kann in die Hölle kommen.“

Kann, muss nicht. Die Hölle könnte am Ende leer sein. Könnte. Wir wissen es nicht. Wir können es nicht wissen und wir müssen es auch nicht. Was wir allerdings sagen können (und auch müssen): Wer an Gott als Beziehungswesen glaubt, und gerade das tut der Christ, muss auch an Gottesnähe und Gottferne glauben, auch in letzter Konsequenz. Insoweit existiert sie, die Hölle, aus rein metaphysischer Notwendigkeit.

Ach, so: Ich für meinen Teil bin froh, gestern Abend Fuball geguckt zu haben.

(Josef Bordat)

 

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