Nochmal: Justin Bieber

1. Februar 2013


Vor fast einem Jahr hatte ich den tendentiösen Artikel zu Justin Bieber  in der deutschen Wikipedia-Version gerügt, um kurz danach erfreut festzustellen, dass dieser der wesentlich besseren englischen Wikipedia-Version angepasst wurde.

Nun ist, wie gesagt, fast ein Jahr vergangen und inzwischen ist die Seite stark modifiziert worden. Mittlerweile gibt es zu Justin Biebers Privatleben einen eigenen Absatz, der sehr deutlich das Thema Religion aufgreift. Interessant – und in Sachen Wikipedia durchaus erhellend – ist, wie er dies tut.

Dort ist zum einen zu lesen, dass „Justin Bieber [..] christlich erzogen [wurde]“ und (aufgrund der einer christlichen Erziehung üblicherweise innewohnenden Indoktrinationsgewalt vermutlich gezwungenermaßen) „sagt, dass er eine Beziehung zu Jesus hat und regelmäßig betet“ und Jesus darüber hinaus als „den Grund dafür, dass er hier ist“ betrachtet. Zum anderen steht jedoch gleich darauf die Bemerkung: „Allerdings sagte er auch, dass er sich selbst nicht als religiös bezeichnen würde und nicht regelmäßig in die Kirche geht.“ Es scheint doch wichtig zu sein, dem (vermutlich) vorwiegend jüngeren Lesepublikum klar zu machen, dass er, Bieber, „nicht regelmäßig in die Kirche geht“, wenn man schon zugeben muss, dass er nach eigener Aussage „eine Beziehung zu Jesus hat und regelmäßig betet“.

Weiter geht es ikonographisch: „Insgesamt hat Bieber acht Tattoos, welche die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zogen. Auf seiner linken Wade hat er das Gesicht von Jesus tätowiert und auf der linken Seite seines Brustkorbes steht in hebräischer Schrift ,Yeshua‘. Von diesem Namen lässt sich auch das Wort ,Jesus‘ ableiten.“ Das sich von „diesem Namen“, nämlich „Yeshua“ nun „auch das Wort ,Jesus‘ ableiten lässt“, wird geradezu schamhaft eingestanden. Warum diese übervorsichtige Formulierung, wenn „Yeshua“ in diesem Kontext schlicht und einfach „Jesus“ heißt? Und dass das so ist, muss man gar nicht bei Bieber erfragen, dafür reicht ein Blick in die englische Wikipedia-Version, in der man erfährt, dass der Name Yeshua „corresponds to the Greek spelling Iesous, from which comes the English spelling Jesus.“ Nichts mit „lässt sich auch“. Die Frage: Ist das nur schlampig formuliert oder bewusst so ungenau gehalten? Die Formulierung ist so gestelzt, dass man bewusste Depotenzierung vermuten darf; zweimal Jesus geht eben nicht. Viel einfacher wäre es doch, man schriebe: „und auf der linken Seite seines Brustkorbes steht in hebräischer Schrift ,Yeshua‘ (,Jesus‘).“ Ich meine, wenn man schon über Brustkörbe schreiben muss, wäre das zumindest die sachangemessene Erläuterung.

Zumal man weiterhin erfährt, dass die Sache mit „Yeshua“ kaum eine Doppeldeutigkeit zulässt und daher keine übertriebene Vorsicht nötig ist: „2012 ließ er sich neben seinem Jesus-Tattoo auf der linken Wade noch zwei betende Hände zu dem Bild hinzufügen. Ebenfalls 2012 ließ sich Bieber das Wort ,Believe‘ auf seinen linken Arm und eine Krone rechts auf den Brustkorb tätowieren.“

Wir halten fest: Justin Bieber ist von oben bis unten mit religiösen Bezügen verziert, hat eine Beziehung zu Jesus, sieht in Ihm Sinn und Zweck seines Daseins und betet regelmäßig. Das können wir aber im Grunde vergessen, denn er ist nicht religiös (würde sich jedenfalls nicht so bezeichnen) und geht auch nicht in die Kirche. Zumindest nicht regelmäßig. Und wenn man die Sache mit der Gehirnwäsche unter Folter („christlich erzogen“) hätte verhindern können, wäre er vermutlich Atheist geworden. So wie alle anständigen Menschen.

(Josef Bordat)

 

Kommentare sind geschlossen.