Der q.e.d.-Dialog

4. Februar 2013


Ich hätte nicht gedacht, dass ich einen guten Beleg für meine Thesen so klar und so schnell frei Haus geliefert bekäme. Ein echter Glücksfall, dieser Dialog mit einem (ehemaligen) Facebook-Freund, der mir schon zuvor mit „Entfreundung“ gedroht hatte, weil ich es wagte, den Begriff „Pogromstimmung“ zu verwenden.

Um 14:43 Uhr schickte ich ihm den Link zu meinem Text. Nach einigen eher abwegigen Bemerkungen zu Erzbischof Müller, fragte ich um 14:58 Uhr: „Haben Sie meinen Text gelesen?“ Ich war mir nämlich nicht ganz sicher.

Um 15:06 Uhr erhielt ich die folgende Antwort: „Ja, 2x, es ist reine Wortklauberei, natürlich hätte jeder das Recht, Kirchen abzubrennen, wenn 99% der Priester Kinderschänder wären. […]“.

Ich erwiderte: „Das ist eine sehr erstaunliche Position. Das bleibt aus juristischen Gründen besser unter uns. – Noch erstaunlicher ist allerdings, wie Sie in 23 Minuten 11 Normseiten zweimal durchlesen können. […]“

Zur Information: Es gibt in Deutschland kein Recht des Bürgers, auf vermeintliche oder tatsächliche Straftaten mit Straftaten zu reagieren. Ich sehe ein, dass man das nicht als bekannt voraussetzen sollte. Tschuldigung. Aber: 11 Normseiten zweimal in 23 Minuten durchzulesen, ist wirklich schnell.

Reaktion: „Unmöglich! Entsetzlich! Schämen Sie sich!“

Nachfrage meinerseits: „Dann darf ich Sie also zitieren?“

So, liebe Logikfreunde, jetzt wird’s spannend: „NEIN! Von einem, der Kindesmissbrauch für weniger schlimm hält als eine Sachbeschädigung will ich nicht zitiert werden! […]“

Ähm… ja.

Wir halten fest:

1.) Wenn man nicht der Auffassung ist, eine Rechtsverletzung rechtfertige die nächste, sollte man sich schämen.

2.) Wenn man stattdessen der Auffassung ist, Straftat A rechtfertige nicht Straftat B, hält man B für schlimmer als A. Unabhängig davon, ob A und B überhaupt irgendetwas miteinander zu tun haben.

Auf meine Nachfrage („Wo wollen Sie gelesen haben, dass ich Sachbeschädigung für weniger schlimm halte als Kindesmissbrauch? Andere Frage: Würde es den Opfern von Kindesmissbrauch helfen, wenn Kirchen in Flammen aufgingen?“) habe ich keine sachliche Antwort mehr erhalten. Ist auch nicht nötig, solange klar ist: „Leute wie SIE [also: ich, J. B.] sind das Problem der Kirche“. Es folgen momentan weitere Einschätzungen meiner Person, auf die wiederzugeben ich verzichte.

Wie wenig logisches Denken heute gilt, ist das eine. Wie wichtig es ist, über Pogromstimmung aufzuklären, das andere.

Vielen Dank!

(Josef Bordat)

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