Karneval als rheinisch-katholisches Kulturphänomen. Etymologisches

6. Februar 2013


Es ist wieder soweit: Der Karneval beginnt. In einem Dreiteiler möchte ich mich dem Kulturphänomen, das vor allem im katholischen Rheinland verbreitet ist, annähern.

1. Was hat es mit dem Wort „Karneval“ auf sich? Fastnacht ist ja klar: Die Nacht vor dem Fasten. Einige behaupten zwar, es habe auch was mit „faseln“ zu tun, also fabulieren, aber das halte ich eher für abwegig. Auch „Fasching“ geht ja noch, das kommt von „Fastenschank“, also dem letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit. Aber „Karneval“?

Lange hielt man es für eine Abwandlung von carrus navalis (Schiffskarren), was wiederum auf das Narrenschiff zurückgehen sollte, doch das gilt mittlerweile als widerlegt. Die heute geläufigste Version ist die Ableitung des Wortes Karneval vom mittellateinischen carne levare (Fleisch wegnehmen). Manchmal findet man auch, dass carne vale (Fleisch, lebe wohl) als Ursprung angegeben wird. Doch das dürfte so nicht stimmen, wahrscheinlich ist carne levare die etymologische Wurzel.

2. Interessant auch die Begriffsgeschichte der Schlachtrufe „Helau“ (Düsseldorf) und „Alaaf“ (Köln).

Manche vermuten hinter dem Düsseldorfer „Helau“ eine Abwandlung des „Hallo“ aus dem Englischen. Andere bringen das Wort mit „Hellblau“ oder „Halbblau“ als Zustand fortgeschrittener Alkoholisierung zusammen. Eine dritte Gruppe leitet „Helau“ vom alten Ruf „Hol-über“ ab, mit dem man nach karnevalistischen Veranstaltungen die Fähre von der anderen Rheinseite heranholte. Am Niederrhein soll das „Helau“ auch einmal ein Hirtenruf gewesen sein.

Das Kölner „Alaaf“ kommt wohl von „all af“ („alles ab“ oder „alles weg“), was dann wiederum darauf deuten könnte, dass damit die in der Fastenzeit verbotenen Speisen und Getränke gemeint sind, die eben im Karneval vollständig aufgezehrt wurden und man mit dem Kölle Alaaf eine Art Vollzugsmeldung gegenüber der Kirche kundtat: In Köln ist alles weg, was dem Fasten im Wege stehen könnte. Eine Alternativerklärung führt das Wort auf das keltische alaf zurück, was „Glück“. Kölle Alaaf wäre dann ein „Köln, Glück auf!“ oder „Köln, lebe hoch!“ Manchmal wird „Alaaf“ auch als „von der Rolle“, „aus der Reihe“ gedeutet, also: „alles ab“ („all af“), aber eben vom normalen Leben.

3. Weiterhin ist interessant, dass und warum die „Elf“ im 19. Jahrhundert zur Zahl des rheinischen Karnevals wurde. Den Prunksitzungen steht ein Elferrat vor, der Karnevalsbeginn wird in neuerer Zeit am 11.11. um 11.11 Uhr begangen. Das soll sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Wahlspruchwörter der Französischen Revolution ergeben haben: „Egalité, Liberté, Fraternité“. Andere sehen darin eine Parodie auf die oftmals zehn- oder zwölfköpfigen Gremien in Politik und Verwaltung. Zudem ist elf die Zahl der Unvollkommenheit, des Teuflischen, während zehn (Zehn Gebote) oder zwölf (Zwölf Stämme Israel, Zwölf Apostel) heilige, vollkommene Zahlen sind. Also: verkehrte Welt im Karneval.

(Josef Bordat)

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