Betrachtung zum Papstrücktritt

12. Februar 2013


Er habe sein Gewissen geprüft und sei zu der Entscheidung gekommen, dass er nicht mehr die nötige Kraft für die Alltagsarbeit des Pertrusnachfolgers aufbringt – Papst Benedikt XVI. Der deutsche Papst, der aus seiner Hochachtung vor Luther keinen Hehl machte, sagt uns Katholiken und der ganzen Welt: Hier stehe ich, ich kann nicht mehr.

Es ist, wie Bernd Hagencord SJ gestern in den Tagesthemen betonte, eine „durchdachte und durchbetete Entscheidung“. Denken und beten, wissen und glauben – selbst im Rücktritt offenbart Benedikt XVI. theologisches Format. Dass er Demut zeigt vor der Bedeutung des Papstamtes, gibt seinem Entschluss eine menschliche Größe, die Respekt abverlangt.

Respekt ist denn auch eines der Schlagwörter in den Kommentaren. Es wird sehr viel Positives gesagt, oft in Nachrufdiktion. Schön, dass das zu Lebzeiten des Gelobten passiert, dass der so oft gescholtene und überhart, manchmal auch völlig ungerechtfertigt angegangene Mensch Joseph Ratzinger zu hören bekommt, dass er im Grunde einer von den Guten war.

Wie aber gehen wir mit dem Grund des Rücktritts um – dem hohen Alter? In der Tagesschau wird einer Frau das Wort erteilt, die sich wünscht, der kommende Pontifex möge „fünfzig sein“. Jugend als Qualitätsmerkmal? „Alt“ in „die alten Männer im Vatikan“ ist längst zu einem Schimpfwort abgestiegen. Nicht die Reife, Erfahrung und Weisheit des Alters wird betont, wie in anderen Kulturen, sondern es schwingen Dinge wie Gebrechlichkeit, Schwäche und Starrsinn mit. Das fällt in einer Zeit des Jugendkults kaum noch auf. Mir fällt es auch erst auf, seit ich über vierzig bin. Was sagt das über eine Kultur aus, wenn sie den Alten vorwurfsvoll ihr Alter vorhält?

„Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“ So schließt Papst Benedikt seine Erklärung. Eins steht also fest: Er bleibt uns als Vorbild im christlichen Glauben erhalten. Denn das Gebet ist unser zentrales Anliegen als Christen, ob jung oder alt.

(Josef Bordat)

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