Der Neue

12. Februar 2013


Einen Tag nach der Rücktrittsankündigung Papst Benedikts XVI. erreicht die Phrase „Wer wird der nächste Papst“ bei Google über 32.000 Treffer. Es darf spekuliert werden und es wird spekuliert. Repräsentativ ist, was die Berliner Zeitung schreibt: „Es wäre überfällig, dass ein Nichteuropäer zum Oberhaupt der Katholiken gewählt würde, einer, der die vielen Millionen Gläubigen in den Ländern der so genannten Dritten Welt repräsentiert. In diesem Sinne ist Benedikts Rücktritt eine Chance.“

Ärgerlich ist die damit verbundene Einschätzung einiger Kommentatoren, die zu verstehen geben, mit einem neuen Papst werde sich nun alles zum (aus ihrer Sicht) „Besseren“ wenden, so, als bestimme der Papst die Regeln der Kirche jedes Mal neu. Und zwar ganz alleine. Die Lehre der Kirche, das sei gesagt, ist jedoch nicht das Privateigentum des jeweiligen Papstes, sondern das Stiftungsvermögen unseres Herrn Jesus Christus, angelegt zu besten Konditionen von den Kirchenvätern und -lehrern der letzten beiden Jahrtausende. Um es mal einfach zu sagen: Wäre die Kirche ein Fußballclub und der Papst ihr Trainer, dann kann er zwar eine eigene Taktik bestimmen, aber eben nur im Rahmen des Regelwerks. Auch ein Fußballtrainer kann ja nicht sagen: „Wir spielen ab morgen zu zwölft und ohne Abseits!“ Und auch im Fußball kommt es wesentlich auf die Spieler an.

So muss auch die Berliner Zeitung zugestehen, es sei unwahrscheinlich, „dass es zu einer Erneuerung kommt“. Schuld hat aber nicht die spezifische Bedingungskonstellation von „Kirche“, sondern, na klar: Benedikt – „mit seiner Personalpolitik“: „Das Kollegium der Kardinäle, das seinen Nachfolger wählt, ist derzeit sehr konservativ, europäisch und vor allem italienisch. Auch das ist sein Vermächtnis.“ Und alles, was künftig schief läuft, die Erbschuld Papst Benedikts XVI. So behält der handelsübliche Kirchenkritiker die Peitsche in der Hand, mit der er auf Benedikt einschlagen kann, selbst wenn der längst wieder Joseph Ratzinger ist.

(Josef Bordat)

Advertisements

Kommentare sind geschlossen.