Fastenzeit

13. Februar 2013


Fasten spielt als Technik der Besinnung auf das Wesentliche nicht nur im Christentum, sondern in allen großen Religionen eine rituelle Rolle. Bekannt sind der islamische Ramadhan (Fasten als eine der fünf Säulen des Glaubens), das jüdische Fest Jom Kippur (Fasten als dankbare Erinnerung an den Versöhnungstag, an dem der Priester im Heiligtum für die Sünden des ganzen Volkes sühnte, Lev 16, 29-31) oder auch die Rede vom Nutzen des Fastens im Buddhismus (Fasten als Beitrag zu einem ungetrübten Geist). Doch insbesondere die Bibel steckt voller Passagen, die den Wert des Fastens ausdrücken. Dabei geht es insbesondere um Buße und Befreiung von Schuld und Sünde. „Buße tun“ heißt dabei im Christentum, umzukehren und sich auf die Botschaft Jesu zu besinnen. Dieser Versuch, zur Quelle des Lebens zurückzukehren, geht mit dem äußeren Akt des Fastens einher. Buße und Fasten in seiner komplexer Form, wie sie hier zugrunde gelegt wird, lassen sich kaum voneinander trennen, daher wird die nun beginnende „österliche Bußzeit“ zurecht auch „Fastenzeit“ genannt.

Fasten und Buße gehen seit jeher zusammen. So versuchten schon die Einwohner der Stadt Ninive ihrem Untergangsschicksal durch „Fasten und Buße“ zu entgehen: „Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und ließen ein Fasten ausrufen und zogen alle, groß und klein, den Sack zur Buße an.“ (Jon 3, 5). Ferner ist das Fasten damit auf die Beschwichtigung Gottes gerichtet – als Alternative zum Opfer. An anderer Stelle wird diese Intention noch deutlicher: „Dann rief ich dort am Fluss bei Ahawa ein Fasten aus; so wollten wir uns vor unserem Gott beugen und von ihm eine glückliche Reise erbitten für uns, unsere Familien und die ganze Habe.“ (Esr 8, 21). Auch auf die Gefahren und Unannehmlichkeiten des Fastens wird verwiesen. In den Psalmen heißt es einmal „Ich nahm mich durch Fasten in Zucht, doch es brachte mir Schmach und Schande.“ (Ps 69, 11) und an anderer Stelle: „Mir wanken die Knie vom Fasten, mein Leib nimmt ab und wird mager.“ (Ps 109, 24). Entscheidend für die Tradition des Fastens in der christlichen Kirche ist jedoch, dass Jesus Christus selbst vierzig Tage in die Wüste ging, um sich fastend auf seine Mission vorzubereiten (Mt 4, 1-11). Hier ist der Bezug zum Alten Bund erkennbar, denn die Israeliten zogen nach der Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei auf dem Weg in das verheißene Land vierzig Jahre durch die Wüste (vgl. das Buch Exodus).

Viele Heilige, die sich in die Nachfolge Christi begeben haben, stellten das Fasten demnach in den Mittelpunkt ihrer Berufung, etwa Hildegard von Bingen oder Franz von Assisi. Sein Brief an die heilige Klara über das Fasten ist leider nicht erhalten, doch schreibt die heilige Klara von Assisi an die selige Agnes von Prag über diesen Brief. Daraus lässt sich ableiten, dass Franziskus den gesunden Schwestern riet, das ganze Jahr hindurch zu fasten – außer Sonntags und an Weihnachten.

Für mich heißt Fastenzeit: Ab jetzt keinen Alkohol und keine Süßigkeiten mehr – bis Ostern. Die erste Stunde lief schon mal glatt.

(Josef Bordat)

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