Diversity Birds

7. März 2013


Johanna Tannen (17) hat im Rahmen des „Wünsch Dir was!“-Projekts der Staatlichen Museen zu Berlin einen der Preise gewonnen. Im Gespräch mit Jobo72 stellt sie ihr Kunstwerk Diversity Birds vor.

Jobo72. Liebe Johanna – zunächst herzlichen Glückwunsch zu Deinem tollen Erfolg! Vielleicht sagst Du zu Beginn zwei, drei Worte über Dich?

Johanna Tannen. Gerne. Ich heiße Johanna Tannen, ich komme aus Berlin-Zehlendorf, bin 17 Jahre alt und besuche z. Z. die 11. Klasse des Canisius-Kollegs. In meiner Freizeit spiele ich Hockey im Verein, gehe gerne joggen, treffe mich mit Freunden und engagiere mich im kirchlichen und sozialen Bereich.

Jobo72. Nun hast Du ja an einem Kunstwettbewerb der Staatlichen Museen zu Berlin teilgenommen. Wie bist Du darauf gekommen?

Johanna Tannen. Ich bin eher durch Zufall auf diesen Wettbewerb gestoßen, als ich letztes Jahr am Ende der Herbstferien mit meinem Bruder im Hamburger Bahnhof die Ausstellung „Kinderkreuzzug“ besucht habe. Mich hat an dem Wettbewerb besonders die Chance fasziniert, meine Idee real umzusetzen.

Jobo72. Welche Idee hattest Du denn?

Johanna Tannen. Ich wollte eine begehbaren Bambusbrücke bauen, an der Vogelkäfige hängen, in denen viele verschiedene Vögel sitzen. Vögel sind für mich ein Zeichen für unendliche Freiheit. Sie haben die Freiheit, dorthin zu fliegen, wohin sie wollen. Ihrem Wesen ist zu eigen, wonach wir uns sehnen: Freiheit. Es ist die Freiheit, trotz aller Unterschiede auf den Anderen zuzugehen, Brücken zu bauen. Gleichzeitig erfahren wir immer wieder, dass unsere Möglichkeiten begrenzt und durch äußere Einflüsse eingeschränkt sind. Allzu oft sind wir gefangen, gefangen im Käfig. Der Käfig ist Symbol für die Zwänge und Frustrationen des Alltags. Diese negativen Erfahrungen und Umstände, die unsere Freiheit einschränken, trennen zumindest auf den ersten Blick. Letztlich – und dafür steht die begehbare Brücke – erkennen wir, dass die Welt nur in Frieden leben kann, wenn der Mensch die Einheit der Menschheit in ihrer Vielfalt (diversity) entdeckt, wenn wir aufeinander zugehen.

Jobo72. Und das ganze heißt Diversity Birds?

Johanna Tannen. Genau.

Jobo72. Was hast Du dann eingereicht? Die fertige Brücke?

Johanna Tannen. Nein, erst mal ein Modell. Es zeigt eine selbstgefertigte Bambusbrücke, an der ein Beispiel-Drahtkäfig mit einem lebensgroßen Vogel (ebenfalls selbstgefertigt) angebracht ist. Das Brückenmodell ist ca. 80 cm lang, 13 cm breit und 30 cm hoch. Es besteht aus handelsüblichen, dünnen Bambusstäben und wurde mit Heißkleber und Lederbändern zusammengesetzt. Das Modell des Vogelkäfigs misst 4 cm im Durchmesser und ist 7 cm hoch. Der Modell-Vogel hat bereits Originalgröße.

Jobo72. O.K. Schon dieses Modell hat die Jury offenbar überzeugt. Wie soll es denn nun weitergehen?

Johanna Tannen. Ich möchte die Brücke und die Käfige gerne im Rahmen eines Workshops mit Jugendlichen bauen. Und dann die fertige fünf Meter lange, begehbare Brücke ausstellen.

Jobo72. Und was ist mit den Vögeln?

Johanna Tannen. Die sollen von den Besuchern der Ausstellung selbst gestaltet werden, damit sie so individuell werden wie die verschiedenen Menschen, die die Brücke sehen und begehen.

Jobo72. Der Betrachter wirkt also mit an Deinem Werk?

Johanna Tannen. Ganz genau! Sobald das Ausstellungsstück steht, sind die Besucher (vor allem Jugendliche) dazu eingeladen, sich selbst durch die Gestaltung eines eigenen Vogels in das Kunstwerk einzufügen. Dazu stehen kleine Vogelmodelle, Kleber, Federn, verschiedenfarbiger Sand, Papier, Zeitungen, Filz, Wolle, Acrylfarben, Naturmaterialien (Blätter, Rinde, etc.), Stoffreste usw. zur Verfügung.

Jobo72. Klingt spannend! Liebe Johanna, vielen Dank für das Gespräch! Und: Viel Erfolg und Freude beim Bau der Brücke!

Das Gespräch führte Josef Bordat.

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