Richtig beten

21. März 2013


Beten ist ein zentraler Akt der Gottesbegegnung. Beten ist der Draht zu Gott, jedes einzelnen Christen und der Gemeinde der Christen, die sich Kirche nennt. Und die christliche Spiritualität ist reich in ihrem Bemühen, diesen Draht glühend zu halten. Doch wie gelingt Beten? Wie betet man richtig?

Zunächst: Wenn man „richtig“ beten kann, kann man auch „falsch“ beten. In der Tat: Es gibt Perversionen des Gebets, die letztlich keine Gebete sind, aber doch dafür gehalten werden. Heuchlerische Gebete etwa, wie sie im Buch Jesus Sirach gerügt werden: „Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben. Der Mensch verharrt im Zorn gegen den andern, vom Herrn aber sucht er Heilung zu erlangen? Mit seinesgleichen hat er kein Erbarmen, aber wegen seiner eigenen Sünden bittet er um Gnade? Obwohl er nur ein Wesen aus Fleisch ist, verharrt er im Groll, wer wird da seine Sünden vergeben?“ (Sir 28, 2-5).

Richtig beten heißt aufrichtig beten. Man könnte auch sagen, wer nicht aufrichtig betet, betet gar nicht. Ich glaube, dass das so ist. Damit kann man letztlich nur richtig beten – oder eben gar nicht.

Aber wie? Richtig Beten ist gar nicht so leicht. Die Jünger bitten Jesus ja nicht von ungefähr: „Herr, lehre uns beten.“ (Lk 11, 1) Und offenbar hat die Unterrichtung im Gebet Tradition („wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat“, Lk 11, 1). Jesus berühmte Antwort ist das Vater Unser: „Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.“ (Lk 11, 2-4).

Das tägliche Gebet ist wichtig. Gerade das Vater Unser sollten wir täglich beten. Das Vater Unser enthält die Summe unseres Glaubens, eine Kristallisation christlicher Existenz: verehrende Heiligung Gottes, demütiges Gottvertrauen, Bereitschaft zur Antwort auf die Gnade im Weitergeben der Liebe. Das Vater Unser ist das wichtigste Gebet der Christenheit.

Neben dem Vater Unser haben sich viele andere Gebetsformen etabliert. Was für den Gläubigen jeweils passend ist, kann man schwer in allgemeiner Weise sagen – manchmal passt ein dichtes Formelgebet gut, manchmal kann aber auch ein freies Gebet gut sein, das mit einem Vater Unser abgeschlossen wird.

In der katholischen Kirche gibt es die wertvolle Tradition des Stundengebets, die dem Tag Struktur verleiht. Auch andere, meditative Formen wie das Rosenkranzgebet oder Psalmenrezitationen haben ihre jeweils ganz besondere Bedeutung. Die Strenge der Form wird dabei oft als wenig spirituell empfunden. Andererseits disponiert gerade die vertraute Form und das durch Wiederholung immer tiefer verinnerlichte Gebet für die kontemplative Selbsttranszendierung, die den Raum zur Gottesbegegnung öffnet. Über die äußere Form hinweg scheinen Gedanken und Einsichten auf, die vom Inhalt des Gebeteten ausgehen und darauf zurückverweisen. Das gehört zu den geheimnisvollsten und zugleich schönsten Erfahrungen christlicher Existenz.

Richtig beten ist zwar nicht übermäßig schwer (jeder Mensch kann es prinzipiell), doch wir müssen uns einüben in diese spirituelle Technik, so wie ein Fußballer Freistöße übt. Immer wieder. Ohne Unterlass. Nicht: Warum muss ein Fußballprofi täglich üben, Freistöße zu schießen – er kann es doch, wie man sieht. Sondern: Ein Fußballprofi kann Freistöße schießen, weil er es täglich übt. Und auch, weil es ihm jemand gezeigt hat, als er noch ein Kind war.

Vor uns liegt die Heilige Woche. Nutzen wir sie zum intensiven Gebet! Miteinander und füreinander. Und nach Ostern erscheint dann ein Buch, dass uns weitere Hilfestellung beim Beten geben will: Beten. Die Kunst, mit Gott zu sprechen. Autor: Benedikt XVI. In der Vorankündigung des Sankt Ulrich Verlags (Augsburg) heißt es: „Unser Gebet ist sehr oft eine Bitte um Hilfe in der Not. Und das ist auch normal für den Menschen, denn wir brauchen Hilfe, wir brauchen die anderen, wir brauchen Gott. So ist es für uns normal, Gott um etwas zu bitten, bei ihm Hilfe zu suchen; und wir müssen daran denken, dass das Gebet, das der Herr uns gelehrt hat, das Vaterunser, ein Bittgebet ist. Mit diesem Gebet lehrt uns der Herr die Prioritäten unseres Gebets: Er reinigt und läutert unsere Wünsche und reinigt und läutert so unser Herz. Wenn es also an sich normal ist, dass wir im Gebet um etwas bitten, so darf es nicht ausschließlich so sein. Es gibt auch Grund zum Danken, und wenn wir etwas aufmerksam sind, dann sehen wir, dass wir von Gott viele gute Dinge empfangen: Er ist so gut zu uns, dass es angemessen und notwendig ist, Dank zu sagen. Und das Gebet muss auch Lobpreis sein: Wenn unser Herz offen ist, dann sehen wir trotz aller Probleme auch die Schönheit seiner Schöpfung, die Güte, die sich in seiner Schöpfung zeigt. Wir dürfen daher nicht nur bitten, sondern müssen auch loben und danken: Nur so ist unser Beten vollständig.“ – Noch einmal: Beten wir! Das heißt: Bitten, danken und loben wir Gott! So beten wir richtig.

(Josef Bordat)

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