Ich bin ein Nazi

4. Juli 2013


Oder?

Wenn jeder Mensch, der nicht dreimal täglich einen Döner isst, ein Nazi ist, dann bin ich ein Nazi, denn ich esse nachweislich nicht dreimal täglich einen Döner. Jedenfalls nicht mehr. Wenn jeder Mensch, der die 110 Meter Hürden nicht unter 13 (sagen wir: 14) Sekunden läuft, ein Nazi ist, dann bin ich (Bestzeit: 16,7 – lange ist es her) ein Nazi. Wenn jeder Mensch, der meint, Tarkowski-Filme seien verhältnismäßig schwer zu verstehen, ein Nazi ist, dann bin ich ein Nazi, denn – zugegeben – ich bin der Meinung, Tarkowski-Filme seien verhältnismäßig schwer zu verstehen. Gemessen an diesen Definitionen bin ich ein Nazi. Es kommt also auf die Definition von „Nazi“ an, ob ich, Josef Bordat, ein Nazi bin oder nicht.

So, jetzt werden Sie wissen wollen, worauf ich hinaus will. Folgendes: In meinem Umfeld wurde behauptet, ich hätte behauptet, homophob zu sein. Beleg: Partnerschaft und Ehe. Oder: Dann bin ich gerne „homophob“!

Wer zu der aussterbenden Gattung Mensch gehört, die nicht nur Überschriften, sondern auch Texte liest, wird leicht feststellen können, dass ich nicht gemeint habe, ich sei homophob, sondern dass ich gemeint habe, es wäre mir „lieber“, ich würde (in den Augen Dritter) für „homophob“ gehalten, als dass ich bereit bin, einmal „als wahr erkannte Zusammenhänge zu leugnen“, bloß, um eben nicht für „homophob“ gehalten zu werden. Das ist, denke ich, ein Unterschied.

Nicht? Ab heute „homophob“ und „Nazi“? Wenn die Unfähigkeit bzw. der mangelnde Wille, folgerichtig zu denken, eine Straftat wäre, hätte ich jeden Tag Bekannte im Gefängnis zu besuchen.

(Josef Bordat)

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