Das Geschäft des Teufels

2. September 2013


Das Geschäft des Teufels ist es nicht, das Böse als das erkennbar Böse so anzubieten, dass es besser scheint als das Gute, sondern die Differenz von Gut und Böse aufzuheben, dadurch, dass er alles als gleich gültig ansehen lässt. Die Wurzel allen Übels ist die Gleichgültigkeit.

Der Teufel vermag den Menschen so zu irritieren und zu verunsichern, dass dieser Gut und Böse verwechselt. Er ist eine diabolische Kraft – und διαβάλλειν heißt durcheinanderwerfen, verwirren. Darum bittet der Priester im Embolismus während der Eucharistiefeier, nachdem er die Vater Unser-Bitte um Erlösung vom Bösen wiederholt hat („Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen“), um Bewahrung vor „Verwirrung und Sünde“. Vor der Sünde steht nicht der Beschluss, das Gute unterlassen und das Böse tun zu wollen, sondern die Verwirrung, was das Gute, was das Böse überhaupt ist.

Hinter der Verwechslungsgefahr von Gut und Böse steht die Gleichgültigkeit. Getragen wird sie von der Idee, dass es auf Gut und Böse gar nicht mehr ankommt. Fast alle modernen säkularen Ethiken stellen die Existenz des Guten und des Bösen als unabhängige Entitäten mehr oder weniger deutlich infrage und suchen nach Ersatz. Sie sprechen nicht mehr von moralischer Wahrheit, sondern von diskursiver Verständigung über die Anerkennung von Grundsätzen wie Prinzipientreue oder Lebensglück.

Das mag ein mehr oder weniger klug abgewogenes Zugeständnis an die Pluralität sein, zugleich offenbart es die Ohnmacht einer gottlosen Ethik: Es ist nicht möglich, universale Werte und absolute Normen ohne Bezug zur Transzendenz zu begründen. Wenn das Absolute wegfällt, fällt auch der Anspruch auf allgemeine und uneingeschränkte Geltung weg. Dann ist alles nur Stückwerk, mit Zeit- und Raumindex, relativ, in jede Form zu bringen, die sich diskursiv durchsetzen lässt.

In vielen Fragen ist das unerheblich, weil der Gegenstand selbst kein Absolutum ist. Verkehrsregeln müssen sich ändern dürfen, weil der Verkehr sich ändern kann. In Fragen von Würde und Leben des Menschen ist es hingegen fatal, den Anspruch aufzugeben, dass es ein unverrückbar Gutes und ein ausnahmslos Böses gibt. Wer die Fragen: „Soll dieser Mensch Würde haben?“ und „Soll dieser Mensch leben dürfen?“ jeweils mit „Kommt darauf an!“ pariert, kann ein noch so ausgefeiltes Kategoriensystem nachschieben, er stellt sich außerhalb jeder moralischen Ordnung. Anders gesagt: Er versteht sich auf das Geschäft des Teufels.

(Josef Bordat)

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